Fundsachen
Die Antworten auf Fragen, die keiner gestellt hat, kennt man aus vielen Bereichen des Lebens. Aber nicht alles, was sich am Markt nicht durchsetzt, muss schlecht sein. Manches war seiner Zeit voraus, vieles wurde nicht ernst genommen und einige geniale Dinge wurden einfach irgendwann vergessen.

Es ist oft spannend zu sehen, welche ungewöhnlichen Lösungen engagierte Tüftler finden, wenn es darum geht, Ideen umzusetzen. Oft waren sie auch Anlass für andere, die aus diesen Grundideen später erfolgreiche Produkte entwickelten.

Auch die persönlichen Geschichten namhafter Pioniere der Musikwelt geben aus heutiger Sicht oft Anlass zum schmunzeln, aber interessant ist es allemal.
Wo liegt eigentlich Panama?
Das Leben und Wirken des Big Fletchit
Auf dem Holzweg

Meeting Mr. Staccato
Die Geschichte der Thunderhorn Drums
Ludwig vs. Slingerland
Kunststofffelle –Wer hat's erfunden?
Cozy Powell, 400 drums in 1 Minute

... und wieder auf dem Holzweg

Die DeArmond Trem-Trol Tremolo Box
„flüssiges Tremolo"
Ludwig Phase II
"Nur durch Elektronik hat ein Musiker ..."
"welcher andere?"
Anekdote um John Bonham
"Fundstück"
BIGGEST DRUM KIT IN THE WORLD
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Das 1.000.000 $ Problem
Rogers, der Ausverkauf einer Legende
- New Sound
Ein Versuch mit Schlagzeugen
- Winterimpressionen
was sich so alles im Walde findet
- Finest drums
Bilder von Alain Polidori
- Gretsch Style
made in Japan

Ludwig Verkaufsdisplay von ca. 1965 How To Service A Premier Resonator Shell:
 


Wo liegt eigentlich Panama…?
Das Leben und Wirken des Big Fletchit


Denkt man an einen Schlagzeuger aus
Panama, wird einem zunächst Billy Cobham in den Sinn kommen.
Ein weiterer Drummer aus diesem südamerikanischen Land jedoch beeinflusste nachhaltig die deutsche Jazzszene der Nachkriegszeit.
Es ist: Owen Campbell, seinen Fans besser bekannt als „Big Fletchit".

Geboren wurde er am 16.05.1916 in Colon / Panama.
Mit 12 Jahren, wird er später erzählen, ging es los mit dem Jazz. Er spielte schon bald mit Jazzgrößen aus Panama, darunter auch das Orchester des Saxophonisten Frank J. Jeanmarie.
Seinen Spitznamen erhielt er in Anlehnung an den bekannten panamesischen Stepptänzer „Steppin´ Fletchit", zu dem eine äußerliche Ähnlichkeit bestand.

Mit der Musical-, Tanz- und Gesangs-Show von Jaime Camino kam Owen nach dem 2. Weltkrieg nach Deutschland. Er und andere Mitglieder der Band, darunter auch sein Freund George Maycock, kehrten ihrer Heimat den Rücken – Bei einem Gastspiel 1949 in Hamburg lernte er seine zweite Ehefrau Ruth kennen, die seinetwegen ihren Verlobten verließ und ihn fortan auf seinen Tourneen begleitete, später auch die Funktion der Managerin übernahm. Sie ließen sich in Düsseldorf nieder.

Schnell machte er sich in der deutschen Jazzszene einen Namen. Mit seinem altem Weggefährten George Maycock gründete er zunächst die „Chick Combo", später das George Maycock Quintett ("..die wohl beste schwarze Combo in diesem Land" Zitat: Rheinische Post 1980) dem er bis Maycocks Tod im Jahre 1979 angehörte.

1976 gründet Campbell sein eigenes „Panorama" Trio mit Jürgen Dahmen und Wally Böcker.
Neben seiner Arbeit als Schlagzeuger betätigter er sich erfolgreich als Komponist von Jazz Musik wie auch von Schlagern u.a. auch für Mona Baptiste.

Freundschaftlich war er mit „Mr. Trixon", Karl Weimar, verbunden, dessen Trommeln er jahrelang spielte. Später spielte Big Fletchit auch Sonor bis er Anfang der 70er bei einem Gastspiel in der Münchner Bongo Bar auf die „Bamboos of Jamaika" mit ihrem Drummer Jamaika Papa Curvin traf.
Die „Bamboos" spielten ausschließlich auf Trommeln des Allgäuer Herstellers Rimmel. Big Fletchit war sofort begeistert und spielte auf Rimmel bis zu seinem Tod am 15.09.1983.

Auf der Vintage Drum Show in Neu Isenburg hatte ich ein Poster von Big Fletchit ausgestellt.
Ein sicher 70-80 jähriger Mann erzählte mir darauf begeistert wie er zu Anfang der 50er Jahre mit Frau und Motorrad aufbrach, um Big Fletchit in der Stadthalle von Hanau zu sehen. Leider versagte die Maschine den Dienst und sie kamen zu spät an die Halle. Mittlerweile war das Konzert jedoch ausverkauft (!). Auf gutes Zureden ließen sich die Ordner dazu überreden, zwei Stühle in den Gang zu stellen.

Auf meine verwunderte Frage, ob denn dieser Drummer so bekannt gewesen sei, antwortete der
Mann: „der Campbell, das war doch der deutsche Krupa"!

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Die Trommel – ein simples Instrument
mit einem Hauch schwarzer Magie!

... und wieder auf dem Holzweg …

Ein Trommelkessel ist ein zylindrischer, offener Hohlkörper bestehend aus miteinander verklebten Sperrholzplatten.

Trotz dieses relativ simplen Aufbaus gehört noch eine ganze Menge mehr dazu, um eine hervorragend klingende Trommel daraus zu machen.


Physikalische Eigenschaften:

Abgesehen von einigen Versuchen mit Trommeln aus Acryl, Fiberglas und Edelstahl werden Trommelkessel zumeist aus sommergrünen Harthölzern mit mittleren bis hohem Härtegrad hergestellt. Die Härte des Holzes wird mit KG/m3 angegeben.

Die bekannten Hersteller verwenden hauptsächlich:
- die Angabe in Klammern gibt die ungefähre Dichte bei 15% Feuchtigkeit an –
Ahorn (550) Lauan (470)
Birke (570) Linde (400)
Buche (600) Pappel (420)
Esche (520) Meranti (470)

Diese Zahlen gelten natürlich nur als Richtwert, auch ist zu beachten, dass die meisten Trommeln aus Furnieren und nicht aus soliden Brettern gefertigt werden.
Als Furnier bekommen sie teilweise ganz andere Eigenschaften als wenn sie als massive Holzplanken verarbeitet würden.
Auch innerhalb der einzelnen Holzfamilien gibt es viele Unterarten, die sich teilweise in ihren Merkmalen stark unterscheiden. Chinesischer Ahorn ist nicht gleichzusetzen mit amerikanischen Rock Ahorn, daher klingt ein Einsteiger Set aus Ahorn noch lange nicht wie ein DW Collectors Kit.
Im Zusammenhang mit den Lichtverhältnissen ist im Allgemeinen Holz einer Art umso dichter, je näher es am Polarkreis wächst. Generell gilt je dichter das Holz umso höher ist der Grundsound, Ausnahme ist aber zum Beispiel die Eiche, die obwohl sehr hart, aufgrund ihrer relativ porösen Struktur einen tiefen Grundsound erzeugt.

Für diese großen Hersteller steht bei der Auswahl des Holzes im Vordergrund, dass die Hölzer in ausreichender Menge sowie in gleich bleibender Qualität zu beschaffen sind.
In früheren Zeiten wurden Hölzer verwendet, die in der Region um den Standort vorkamen;
daher weisen fast alle deutschen Hersteller vor Beginn der Globalisierung Buchenkessel auf, die asiatischen Hersteller setzten auf das dort günstige Lauan, amerikanische Trommeln wurden aus Ahorn hergestellt.

Mit dem Beginn der Beat Ära wurden amerikanische Drumsets weltweit sehr populär, was wiederum zur Folge hatte, dass alle Schlagzeughersteller auf Druck der Kunden ihre High End Sets ebenfalls aus Ahorn zu bauten, wobei Buche fast vollständig vom Markt verschwand.


Auch müssen die Hölzer bearbeitbar sein, einige sind einfach zu hart oder zu unflexibel, um zu Furnier verarbeitet zu werden. Bei der Bearbeitung kommt es jedoch nicht unbedingt nur auf die Härte des Holzes, sondern auch auf den Gehalt an Kieselsäuren an. Es gibt zum Beispiel relativ weiches Holz aus Asien, das einen so hohen Gehalt an Kieselsäuren hat, dass es die Werkzeuge schneller stumpf werden lässt als bei viel härteren Tropenhölzern. Andere Hölzer fasern aus, so dass sie keine Gratung tragen können.

Da die Trommeln kreuzverleimt sind, sollten die Hölzer sowohl horizontal als auch vertikal zur Maserung eine saubere Kante liefern. Auch ist von Ausschlag, dass bei der Verarbeitung nicht zuviel Verschnitt anfällt. Zwetschge zum Beispiel hat hervorragende Klangeigenschaft, auf Grund ihres knorrigen Wachstums ist sie jedoch im Schlagzeugbau kaum einzusetzen.

Die günstigeren Schlagzeuge aus Fernost wurden über Jahre aus dem so genannten phillipinischen Mahagoni gefertigt. Dies ist ein Sammelbegriff für Hölzer der Shorea Familie, die jedoch in ihren Eigenschaften kaum etwas mit dem afrikanischen Edelholz gemein haben.

Holz aus Malaysien wird dabei als Meranti, das aus Sabah im nordöstlichen Teil der Insel Borneo als Seraya bezeichnet. Auf den Philippinen heißt es Lauan. Indo ist der Name für Holz, das aus dem Großraum Indonesien kommt. Es ist ein helles bis dunkles, rötlich braunes, faseriges Holz mit kleinen Poren. Je nach Intensität der Färbung wird es nochmals in verschiedene Untergruppen geteilt.


Seitdem Custom Hersteller wie Pilze aus dem Boden sprießen und damit auch der Druck wächst, sich von anderen abzuheben, werden immer neue exotische Hölzer aus dem Hut gezaubert.

Eine Bereicherung für Leute, die Wert auf Individualität legen, allerdings sollte darauf geachtet werden, dass die Abholzung ökologisch unbedenklich ist. Den tatsächlichen Nachweis darüber zu erbringen, ist natürlich äußerst schwierig. Tama denkt über eine Zertifizierung nach, nachdem sie mit ihren Bubinga Sets in den Blickpunkt von Umweltaktivisten gerückt sind.

Der Ölgehalt des Holzes steht ebenso im Zusammenhang mit dem Klang wie auch der Trocknungsgrad. In früheren Zeiten, als Schlagzeuge im Vergleich zum Lebensstandard deutlich teurer waren als heute und daher auch viel weniger produziert wurde, bezogen die Hersteller weitgehend natürlich getrocknete Hölzer von lokalen Händlern.

Bei der heutigen Massenproduktion ist man jedoch darauf angewiesen, die Hölzer maschinell zu trocknen, was sicher auch Einfluss auf den Klang nimmt.
zwei mal Ahorn
Birke
Buche
Esche
zwei mal Eiche
Meranti
zwei mal Bubinga
Pappel
Sound:

Generell wird Ahorn mit einem runderen und fetteren Grundsound mit längerem Sustain beschrieben, Birke soll etwas knackiger und besser für Studioaufnahmen geeignet sein.
Wie man leicht erkennen kann, liegt der Härtegrad bei den hauptsächlich verwendeten Hölzern Ahorn und Birke ziemlich nahe beieinander und daher stellt sich die Frage: Kann man da überhaupt einen Unterschied hören?

Ray Ayotte, einer der angesehensten Experten auf dem Gebiet des Trommelbaus, sagt hierzu:
"Kennst du wirklich jemanden, der den Unterschied hört? Zwei gleich gestimmte Drumsets, eines aus kanadischem Ahorn und eines aus finnischer Birke, zwei Hölzern die praktisch den gleichen Härtegrad aufweisen –wenn dein Leben davon abhängen würde – könntest du wirklich einen Unterschied hören".

Einen Hinweis auf diese Aussage gibt auch die Tatsache, dass Yamahas Absolute Serie je nach Holzart mit einem völlig anderen Fell ausgeliefert wird. Der Verdacht liegt nahe, dass ausgestattet mit gleichen Fellen, der Klang für einen Endkunden zu nahe liegen würde.

Nach Aussage von Jim Haler, Produkt Manager von Yamaha, wäre diese Sorge jedoch unbegründet: „Die Mehrheit der Kunden kauft mit den Augen und nicht mit den Ohren"!
Felle spielen natürlich eine sehr wichtige Rolle, Ray Ayotte schreibt ihnen sogar die maßgebliche Rolle am Drumsound zu.

Meiner Ansicht nach ist grundsätzlich immer eine schlechte Trommel mit guten Fellen einer guten Trommel mit schlechten Fellen vorzuziehen!
Auch ist immer wieder das Phänomen zu beobachten, dass manche Drummer ständig über die optimale Trommel philosophieren, auf ihrem Set sich jedoch abgenudelte Pin Stripe Felle mit dicken Klebestreifen befinden.

Und natürlich spielt auch die Raumakustik eine entscheidende Rolle im Soundempfinden. Jeder kennt das, an einem Abend ist das Set dein Freund und an einem anderen dein Feind.
Die beste Trommel und das beste Fell nützt jedoch dem nichts, der nicht gelernt hat damit umzugehen und es ist erschreckend wie viele Drummer keine Ahnung davon haben, wie eine Trommel gestimmt wird. Nicht dass es an technischem know how fehlt, sie hören schlichtweg die Trommel nicht oder besser noch - sie spüren sie nicht.

Die Fähigkeit, eine Trommel gut zu Stimmen, fliegt den wenigsten einfach zu – man muss sie sich erarbeiten – auch wenn das den Meisten zunächst keinen Spaß macht.
Wichtiger Faktor, ist sich zunächst Gedanken zu machen, wofür man das Set überhaupt benötigt.
Für einen feuchten Proberaum mit schlechter Akustik braucht man kein High End Kit und auf großen Bühnen, wo die Toningenieure die Regie über den Drumsound haben, kann man auch mal der Optik den Vorrang geben.
Tommy Aldrige sagt in einem Interview dazu:
„Bei Whitesnake benutze ich Live größere Trommeln, 2 x 24", 12", 14", 16" und 18" einfach, weil es viel besser aussieht. Im Studio jedoch 22", 10", 12", 14" und 16". Viele Leute haben noch nicht begriffen, dass kleinere Trommeln viel fetter klingen als Große.
Hey Mann, eine 20" x 18" macht den allerbesten Kick Sound, eine 24" sieht aber doch einfach
besser aus."


Bearbeitung:

Sehr dünne Furnierschichten werden kreuzverleimt, was bedeutet, dass die Lagen sich im Verlauf der Maserung abwechseln, ein Prinzip, was von der Firma
Gretsch in den 20er Jahren eingeführt wurde und dem Kessel mehr Stabilität verleihen soll.
DW bietet mit dem „Vertical Low Timbre" System Kessel an, bei denen bei der inneren und äußeren Furnierschicht die Maserung vertikal verläuft. Nicht ganz neu diese Idee, denn dies war bereits bei Sonor Kesseln bis zum Ende der 90er Jahre Usus.
Hintergrund hierfür ist, dass es Belege dafür gibt, dass der Klang entlang der Maserung wandert, einen Effekt, den sich auch die Fassbauweise zunutze macht.

Eine andere Konzeption ist der auf der NAMM Show 2008 vorgestellte
XS Shell von DW, bei dem die Furnierplatten schräg zur Maserung geschnitten, dann kreuzverleimt sind und so zu einem weitgehend spannungsfreien Kessel und einem noch tieferen Grundsound führen soll.

Entscheidend für den Klang ist natürlich auch die Kesseldicke, sie beeinflusst stark die Stabilität und ob eine Trommel laut oder leise ist.
Grundsätzlich kann man sagen, dicke Kessel sorgen für einen höheren, fetteren und lauteren Grundsound, dünnerer Kessel für schnellere sensiblere Ansprache, sie sind aber auch leiser. Hierbei kommt es sicher darauf an, den richtigen Mittelweg für das jeweilige Holz zu gehen. Hier spielt aber auch Marketing eine Rolle. So ging der Trend in den 80er Jahren in Richtung extrem dicker Kessel mit Stärken bis 1,2 cm, während die Kesseldicke heute nur noch bei der Hälfte liegt.
Doch es kommt hier nicht nur auf das Material, sondern auch auf den an, der es bedient.
Große und dickere Trommeln erfordern einfach eine härtere Gangart. Ein Beispiel dafür:

In Herrn Vogelmanns wunderbaren Trommelladen, einem der bemerkenswertesten Trommelläden seiner Art, steht als Unterrichtsset ein Ludwig Stainless Steel in original Bonham Größen (!).

Ein interessierter Mitvierziger aus einer regionalen Top 40 Combo zeigte sich sehr interessiert daran und spielte einige Takte aus der Feder holländischer Blasmusikarrangeure. Das Set schepperte verheerend und alle Anwesenden zweifelten spontan an der Autensität des Bonham Sounds. Bis
Mike Terrana, der ebenfalls anwesend war sich hinter das Set begab und mit seiner Version von „Black Dog" zeigte, wie dieses Set mit der richtigen Bedienung klingen kann.
Sound kommt auch aus den Handgelenken.


Jon Hiseman sagte zum Spiel auf großen Trommeln mal:
" It´s like driving a lorry".


Einen unterschätzen Einfluss spielt die Innenseite des Kessels; hier gibt es viele Varianten, natur belassen, geölt, gewachst, lasiert und lackiert. Je nachdem wie sie auf die schwingende Luftsäule wirkt, verändert sie das Soundverhalten der Trommel. Manche Hersteller gaben an, dass die Lackierung den Schutz vor Feuchtigkeit diene. Legendär der Gretsch Silver Sealer, der einen großen Anteil am legendären Gretsch Sound haben soll. Beim Zola Coat, dem sich japanische und taiwanesische Hersteller in den 80er Jahren bedienten, liegt jedoch der Verdacht nahe, dass er hauptsächlich dazu diente, die üble Holzqualität dieser Sets zu kaschieren.
Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Innenseite zu gestalten und jeder Trommelbauer hat da sein Geheimnis; in einem sind sich jedoch alle einig, er sollte nicht zu glatt sein.

Es gibt Trommeln, die nie gut klingen können.
Das kann daran liegen, dass sich im inneren des Kessels poröse Holzplatten, die unter Umständen auch durch Krankheiten des Baumes verändert sind, verwendet wurden. Es ist sicherlich verlockend für den einen oder anderen (Billig-) Hersteller an den unsichtbaren Stellen günstiges (Abfall-) Holz zu verwenden, denn beweisen kann man es nur wenn man die Trommel zerstört, aber wer macht das schon.

Auch können Lufttaschen im Kessel den Klang störend beeinflussen.
Sie entstehen, wenn der Druck bei verkleben des Kessels nicht gleichmäßig ausgeübt wird oder nicht hoch genug ist.
Der Legende nach entdeckte John Good auf diese Weise das Timbre Matching. Denn in der Zeit, als die DW Kessel noch von einem amerikanischen Kessel-Hersteller geliefert wurden, klopfte er die Kessel ab, um Lufttaschen aufzuspüren.
Meiner Ansicht nach ist das jedoch heute ein zu vernachlässigendes Problem, da auf den modernen Pressen die Bildung von Lufttaschen weitgehend ausgeschlossen ist.

Natürlich sollte die Trommel auch schön anzusehen sein. Bis zu den 60er Jahren wurden die meisten Sets mit Folien bezogen. 1967 wurde die Firma Gretsch an den Klavierhersteller Balwin verkauft, der begann die Trommeln aufwendig wie bei Klavieren zu behandeln und kreierte damit den allgemeinen Trend zu Naturholoberflächen.
In den darauf folgenden 70er Jahren wurden dann auch viele Sets von den ungeliebten Folien befreit, was sie natürlich somit auch meist für den Sammler wertlos machte.
Problem war dabei oft, dass die Trommel ja nicht zum Strippen gedacht war und die Hersteller daher oft minderwertige Hölzer für die äußerste Schicht verwendeten, die nach dem Strippen zum Vorschein kamen.
Bis zum Ende der 90er Jahre hielt sich dann auch dass Gerücht, dass Folien grundsätzlich den Sound negativ beeinflussen, was nur teilweise richtig ist. Dies kann gelten, ist die Folie wie bei den meisten billig Sets nur an wenigen Punkten verklebt, oft nur mit Klebeband.

DW läutete mit ihren Finish Ply Sets dann die Renaissance der Folienfinishes ein und machte den Retro Look bei Drumsets modern. Bei dieser Bauart wird die Folie wie eine Holzlage behandelt und vollflächig mit dem Kessel verklebt. Heute gibt es neben den Folien, geölte offenporige Finishes, sowie eine endlose Zahl edler Furniere und lackierter Solid Finishes.

Manche sind jedoch schwierig zu lackieren.
Die Sets eines europäischen Herstellers waren zunächst mit Folie bezogen, doch man ersann eine Exclusiv Serie mit lackiertem Kessel. Ca. 6 Monate nach der Produktion begannen einige der Trommeln Blasen zu werfen. Zunächst konnte man es sich nicht erklären, bis man darauf kam, dass sich der Leim der Eukalyptusplatten und die Lösungsmittel des Lacks nicht vertrugen.
Daher ging man bei diesen Sets dazu über, sie mit einer Außenlage Birke zu versehen.
Das Tama Bubinga trägt in der Solid Version eine Außenlage Ahorn, da diese sich wesentlich besser lackieren lässt als das dunkle Bubinga.

Verstärkungsringe wurden zunächst angebracht, um die Stabilität des Kessels in Zeiten als noch nicht mit so modernen Fertigungsmethoden wie heute gearbeitet wurde, zu erhöhen.
Aber natürlich hatten sie auch einen starken Einfluss auf den Klang. Gerade in den letzen Jahren erlebte neben dem Vintage Look auch der Vintage Sound eine Wiedergeburt und mehr und mehr Hersteller haben wieder Linien mit Reinforcement Hoops im Programm.

John Good beschreibt den Effekt wie folgt:

"Der Ring verstärkt die Qualität des Anschlags. Er hält ihn für einen kurzen Moment und entlässt dann gleichmäßig die tieferen Frequenzen – voll und rund – thats the beauty".

Aber ob mit oder ohne Ring, einen der wichtigsten Einflüsse hat natürlich die Gratung.

Sie stellt den Kontakt zwischen Trommelfell und Kessel her und der sollte absolut perfekt ausgeführt sein, was eine gewisse Sorgfalt erfordert.
Raspel, Feile und grobes Schleifpapier sollten hier absolut tabu sein. Zunächst muss der Kessel völlig plan aufliegen ohne jegliche Unebenheiten. Mit einer Unterfräse wird der Kessel dann von innen nach außen rundherum mit dem jeweiligen Schnitt versehen.

Oft wird die Gratung auch mit einem Gegenschnitt auf einer der äußeren Lagen versehen. Dann wird sie mit feinstem Sandpapier ganz glatt geschliffen, damit das Fell sich beim Anschlagen darüber bewegen kann.
John Good demonstriert im DW Film „American Dream", wie man eine Kesselgratung überprüft. Der Kessel wird auf eine absolut ebene Fläche gestellt, mittels einer Lampe wird das Innere des Kessels ausgeleuchtet. Im Optimalfall kann kein Lichtstrahl unter dem Kessel nach Außen dringen.

Es gibt viele verschiedene Varianten.
Schnitte mit 45° Winkel sind sehr verbreitet, aber auch 30°, 60°, doppelte 45°oder auch abgerundete Gratungen sind (wieder) zu finden.
Selbstverständlich hat auch hier jeder Trommelbauer sein ganz eigenes Rezept. 45° ist stabil, einfach herzustellen und sorgt für ordentlich Attack.
Auch der doppelte 45° Schnitt hat seine Vorzüge, er ist einfach zu stimmen und gibt dem Fell größere Bewegungsfreiheit, bedingt durch den durch diesen Schnitt leicht verringerten Kesseldurchmesser.
In den letzen Jahren fand auch die abgerundete 45° Gratung wieder großen Zuspruch, sie sorgt für einen relativ großflächigen Fellkontakt und macht auf diese Weise den Klang weicher. Auch der 30° Schnitt beruhigt den Sound, während der 60° Schnitt den Anschlag verstärkt.
Sagt man!

Natürlich gibt es auch noch verschiedene Varianten einen Kessel herzustellen:
Ob aus einem gebogenen Brett, in Fassbauweise oder aus einem Baumstumpf rausgefräst. Für die massenweise ökonomisch sinnvolle Herstellung hat sich die Schichtbauweise jedoch klar durchgesetzt.


Holzkombinationen:

Verschiedene Hölzer miteinander zu kombinieren hat eine lange Tradition, so findet man bei vielen Vintage Drums in den mittleren Kessellagen oft Pappel oder Gumwood (Gretsch).
Dies hatte zunächst wirtschaftliche Gründe bei den nicht sichtbaren Lagen auf günstigere Hölzer zurückzugreifen.
Ein früherer Trommelbauer von Sonor erzählte mir jedoch, dass man damals auch ans Gewicht dachte. Im Einsteigerbereich aus Fernost war diese Bauart bis vor wenigen Jahren noch weit verbreitet.
Kessel aus einer Holzart wurden vom Marketing in den 80er Jahren entdeckt und nach und nach zog diese Bauweise vom zunächst High End über die Mittelklasse bis heute in den Entry Level.

Doch genau das bringt die großen Hersteller in Zugzwang, sich von diesen günstigen Produkten abzuheben.
Premier machte den Anfang mit der Gen X Bauweise, die Eigenschaften des fetten warmen Sound von Ahorn mit dem Attack der Birke verbinden soll. Tama kombiniert Birke mit Bubinga und Pearl Birke mit afrikanischem Mahagoni.

Wobei man bei der Kombination auch Vorsicht walten lassen sollte. Einige Hölzer haben ein so unterschiedliches Schwingungsverhalten, dass eine Kombination wenig Sinn macht.
Aber es gibt auch noch andere Probleme.
Ein europäischer Hersteller kombinierte in den 90er Jahren Meranti mit Eukalyptus. Zunächst verbindet man – jedenfalls ich – mit diesem australischen Hartholz sentimentale Gefühle wie darauf kletternde flauschige Koalas oder endlose Wälder.
Es handelte sich aber schlicht um das gleiche Material aus dem die Rückwände von Kleiderschränken gemacht sind – Platten aus leimgebundenem (Eukalyptus-) Sägemehl. In einer Einsteiger Serie hatte man diese Platten bereits über Jahre mit Meranti verbunden. Man verband sie dann mit Birke.
Doch der Versuch Eukalyptus auch mit Ahorn zu verbinden scheiterte. Meistens rissen die Kessel nach kurzer Zeit zwischen den Lagen an der Bass Drum


Hardware:

Ein großes Handikap für einen offenen Klang der Trommeln waren fest an den Kessel verschraubte Tomhaltesysteme.
Jeder kennt das Phänomen, man stimmt eine Trommel, hält sie am Spannreifen, schlägt sie an und sie erzeugt ein wunderbares Sustain. Montiert man sie jedoch auf einen Tomhalter, klingt sie stumpf und flach, als hätte man ihr die Kehle zugeschnürt, was am Haltesystem liegt.
Frühe Haltesysteme, wie die Rail Consolette boten zunächst wenig Auflagepunkte, doch nach und nach bildete sich eine Art von Rüstungswahnsinn, der in der Gretsch Monstertomhalterung mit Riesenlöchern im Kessel oder den Zentimeter starken Gussplatten und penetrierenden Tomarmen bei Sonor resultierten.
Gary Gauger schaffte mit seinem Rim System Ende der 80er Jahre den Durchbruch.
Gerade bei Vintage Drums wird es jedoch als optisch störend und beim Fellwechsel als unpraktisch empfunden.

Eine nahezu ideale Lösung bietet das Yamaha Enhanced Sustain System (Y.E.S.S.), das zwar an den Kessel gebohrt wird, sich jedoch soundtechnisch weitgehend neutral verhält und optisch unauffällig ist.

Eine weitere wichtige Erfindung zur Verbesserung des Sounds war die „Self-Alignig Swivel Nut" von Leedy.
Zuvor wurden die Spannschrauben in ein starres Gewinde der Böckchen eingeschraubt, was große Spannung auf den Kessel leitete. Bei der „sich selbst ausrichtenden schwenkbaren Gewindehülse" sitzt eine Gewindehülse locker im eigentlichen Spannbock und kann so die Kräfte der Schraube gleichmäßig verteilen. Sie ist heute Standard bei allen Trommeln.

Und auch die Spannreifen nehmen je nach Gewicht und Beschaffenheit großen Einfluss auf den Klang. (
mehr dazu im Artikel: „Herr der Ringe")

Aber auch die verbleibende Hardware hat einen großen Einfluss auf den Klang.
Ein bekannter Custom Drum Hersteller, der hier nicht genannt werden möchte, sagte mir: „Nimmt man einen handelsüblichen Kessel und montiert die Hardware der Firma A daran, wird er auch nach Hersteller A klingen. Nimmt man die Hardware der Firma B, wird er auch nach Firma B klingen. Also beeinflusst die Hardware den Sound.


Trommelgrößen:

Die traditionellen Trommelgrößen haben sich in mehreren Jahrzehnten entwickelt, was auch mit der Umstellung von cm auf Zollmaße in den 60er Jahren zu tun hat.
Über lange Zeit war 22" x 14"/ 12" x 8" / 13" x 9" und 16" x 16" das Maß aller Dinge.
Mit Beginn der 80er Jahre ging die Entwicklung zu quadratischen Größen und pendelte sich in den 90er Jahren bei den Accelgrößen 10 x 8, 12 x 9 und 14 x 11 mit langer Bass Drum ein.
Seit einigen Jahren geht der Trend eindeutig in Richtung 14" x 14" Floor Tom.

Momentan wird von einigen Seiten versucht, extrem kurze Kessel zu etablieren.
Ob die „X- tras" mit quadratischen Kesseln zu Beginn der 80er Jahre oder die Hyperdrive von 2008, Hintergrund hierbei ist es, einen neuen Trend zu kreieren.

Ob besser oder nicht, der Absatz zählt, denn es muss ja was verkauft werden.
Dazu werden natürlich auch Endorser eingesetzt, die diesen neuen Trend in der Öffentlichkeit präsentieren – was sie tatsächlich im Studio einsetzen steht wieder auf einen anderen Blatt.


Die Tonhöhe wird deutlich mehr vom Durchmesser als von der Tiefe beeinflusst. Je tiefer die Trommel ist, umso schlechter wird die Projektion und das Ansprechverhalten,  jedoch weist sie ein längeres Sustain auf.
Dies ist physikalisch einfach zu erklären: Es wird eine größere Luftsäule (respektive größere Masse) durch Anschlag des Schlagfelles in Bewegung gesetzt, welche weitere Wege zurücklegt und auf diese Weise auch träger reagiert. Die größere Masse speichert jedoch auch mehr mechanische Energie und gibt diese langsamer wieder ab.

Trommeln mit identischen Klangverhalten und sauberer Abstufung berechnen sich nach einem Verhältnis nach dem schon klassische Musikinstrumente berechnet wurden, so zum Beispiel Orgelpfeifen.
Der deutsche Custom Hersteller
Troyan-Zachow hat im Jahr 2002 ein solches Set vorgestellt. Die Toms haben die Größen 8" x 6,33", 10" x 7,94", 12" x 9, 51 und 14" x 11, 12"
(Test unter: http://www1.sticks.de/magazine/0304/troyan.htm)


Und die Magie?:

Es gibt heute kaum noch ein wirklich schlecht klingendes Schlagzeug.
Um den Sound noch einen kleinen Tick besser zu machen, muss man jedoch einiges Geld in die Hand nehmen.
Aber es gibt auch Dinge, die sich nicht mit Geld regeln lassen und auch schwer zu erklären
sind:

-
Sonor Schlagzeuge – jedenfalls die in Deutschland hergestellten – klingen immer noch nach Sonor und das, obwohl sich das Design und der Kesselaufbau über Jahrzehnte grundlegend verändert hat.


- Es hat bereits etliche Versuche gegeben, es ist aber bisher noch keinem Hersteller gelungen, den Klang der
Ludwig Supra Phonic Snare wirklich authentisch nachzuahmen – obwohl das mit der heutigen Technik spielend möglich sein sollte.


- Ich hatte schon Trommeln in der Hand, die überhaupt nicht hätten klingen dürfen, da sie entweder unrund, in sich verzogen, beschädigt, ohne Gratung oder alles von dem zusammen waren. Aber sie klangen phantastisch und das lag nicht nur an besser abgelagertem Holz früherer Zeiten.


Image:

Schlussendlich aber spielt - ob wir es möchten oder nicht - das Image eine ganz große Rolle beim Bau der perfekten Trommel.
Mythen und Legenden sowie sie sich zum Beispiel um den Namen Gretsch ranken sind dabei sehr hilfreich. Und natürlich spielen auch die Endorser einen wichtigen Part in diesem Spiel.

Wenn es nicht so wäre, würde eine so kleine Industrie wie die Schlagzeugindustrie nicht soviel Geld in die Hand nehmen, wie sie es tut. Auch wenn natürlich fast jeder von uns verneint, dass er sich von dieser Art der Werbung beeinflussen lässt.

Man sieht also, viele Wege führen nach Rom, aber wahrscheinlich hören viele sowieso das, was sie hören wollen.

Weitere Gedanken zum Trommel-Holz unter
„Auf dem Holzweg"




Dieses Ludwig Verkaufsdisplay von ca. 1965 zeigt, dass sich die Ideen der Werbefachleute von Heute kaum von denen von vor über 40 Jahren unterscheiden.
(eingesendet von Leser Michel Gisie aus Frankreich)


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How To Service A Premier Resonator Shell:
von Fritz Steger,
 
Die Resonator Serie wurde Ende der 70er Jahre vorgestellt und war damals das Flaggschiff der Firma Premier. Prinzip war es, dass auf den bei Premier üblichen Birkenkessel, mit Verstärkungsringen aus Buche, ein Innenkessel aus Birke eingefügt und so ein Resonanzraum zwischen diesen beiden Kesseln geschaffen wurde. Unstrittig - auch nach heutigen Maßstäben immer noch wundervoll klingende Trommeln.

Doch Kritiker fanden bald Gründe die gegen dieses Prinzip sprachen: " Wehe ein Böckchen löst sich mal oder man muss eine Gewindehülse wechseln. Selbstverständlich kannten diese Quellen stets Jemanden - oder auch Jemanden der Jemanden kannte - der versucht hat den Innenkessel zu lösen und dabei die Trommel total ruiniert hat, denn die Kessel sind ja verklebt, verschraubt, verschweißt oder festbetoniert....
Alles Quatsch, das System ist einfach, sowie genial und kommt ganz ohne Kleber aus. Denn der Innenkessel ist so genau gearbeitet, dass sich die beiden gestoßenen Enden gegeneinander abstützen.

Um nun den Kessel zu lösen, fahre ich zunächst mit einem Schillermesser der Naht entlang um sie von etwaigen Ablagerungen zu befreien. Dann schiebe ich das Messer am Rand zum Verstärkungsreifen in die Naht und kippe es vorsichtig zur Seite. Die Naht öffnet sich hier und ich fahre mit dem Messer vorsichtig der Naht nach bis der Kessel mit einem Schlag zusammenschnurrt.

Nun kann ich den Kessel herausnehmen und die benötigten Arbeiten durchführen.

Will man den Kessel wieder einsetzen, muss man darauf achten, dass die Naht auf dem dafür vorgesehen Stabilisierungs-Klotz verläuft.

Die Naht an einer Seite zusammenfügen und dann abermals mit der Klinge des Schillermessers verkannten. Wer möchte kann mit Holzleim eine dünne Spur auf die Naht aufbringen, die man sofort mit einem feuchtem Tuch abwischt.
In der Naht bleibt ein feiner Kleberfilm zurück, der die Naht zusätzlich stabilisiert.


Übrigens kann man an einem Stempel auf der Innenseite dieses Resonanzkessels sehen, dass damals kein Schmu betrieben wurde - Birke aus Finnland.

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"Meeting "Mr. Staccato"
Die Geschichte der Thunderhorn Drums (von Fritz Steger)

Sicherlich gehört der Musiker, Rennfahrer, Skulpturist, Maler und Bildhauer Pat Townshend zu den schillernsten Persönlichkeiten des Londoner Rock´n´ Roll Zirkus der 70er Jahre.

"Mr. Staccato", North London, 03. Juli 2006

Pat wurde in Chiswick West London am 4.November 1945 geboren. 1954 wanderten seine Eltern nach Süd – Afrika aus. Nach England kam er 1963 für 5 Monate zurück und sah die Rolling Stones in London. Dies beeindruckte ihn so sehr, dass er zurück in Johannesburg sofort zu „Marshall Music“ (Inhaber John Marshall spielt später noch eine Rolle) ging und sich eine Gitarre kaufte. Später spielte er Marschtrommel im Schulorchester. Seine ersten Bands hießen “The Staccatos” und „The A Cads ".

Bald entdeckte Pat seine Leidenschaft für den Rennsport. Bereits im Alter von 15 fuhr er sein erstes Motorradrennen. Später Autorrennen, zum Beispiel auch beim 24 Stunden Rennen von Le Mans. Er heuerte bei Jack Brabhams Formel 1 Rennstall an und ging nach London.

Dort ist er schon bald bekannt mit vielen Musikern und spielt selber als Gitarrist in verschiedenen Bands wie „Warlock“, „Berlin“ oder „Stallion“, bis er bei einem Motorradrennen den Mittelfinger seiner rechten Hand verliert.  Danach musste er mit der Musik für 5 Jahre pausieren, bis er einen alten Stil mit offener Stimmung erlernt.

Pat erzahlt mir: Die Idee für die Drums entstand aus einem seiner Gemälde in dem unter anderem ein Baumstumpf in der Form der späteren Trommeln dargestellt ist. In einer durchzechten Nacht machte wohl Clive Edwards (später Pat Travers, Wild Horses, Ufo, unter Anderen), der damalige Drummer in Pats Band „Stallion“ den Vorschlag, er solle doch ein Fell auf den Baumstamm machen, das gäbe eine Klasse Trommel.

Staccato Werbung von 1980

Pat baute einen Prototypen aus Holz und später mehrere Trommeln aus Fiberglas. Das Know How für den Umgang mit diesem Material hatte er bei Jack Brabhams Rennteam erlangt. Clive benutzte die Trommeln mit der Pat Travers Band und als er seinen Stuhl für Nicko McBrain räumte, wurde Nicko auf die Trommeln aufmerksam. Nicko war begeistert und nahm Kontakt mit Pat Townshend auf.
Nicko erinnert sich in einem Gespräch im November 2004 daran, dass er und Pat, Keith Moon eine Trommel zeigten und er die Idee gut fand. Keith sagte: „Kommt wieder wenn ihr eine Bass Drum habt". Bei ihrem Live Debut im „Golden Lion“ in Fullham wurden die Trommeln von keinem anderen als Mitch Mitchel gespielt. Pat entwarf dann die Bass Drum mit den zwei Schalltrichtern und ein Floor Tom. Die Toms dieses ersten Sets waren schwarz, die Bass Drum weiß. Es wurde verschiednen Drummern zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. Unter http://www.led-zeppelin.com/mm.html findet man auch einen seltenen Clip, in dem kein anderer als John Bonham dieses Staccato testet.

Die erste Produktionsstätte war in Notting Gate, verkauft wurden die Drums durch Rob Henrits Drumshop in der Wardour Street (gegenüber des legendären Marquee Club). Die Original Staccatos wurden mit Hayman Böckchen bestückt. Pat Towneshend erinnert sich: „Wir bekamen die Hardware der Konkurs gegangenen Hayman Fabrik in Munitionskisten der Britischen Armee. Als uns die Tom Böckchen ausgingen, nahmen wir Snare Böckchen und verschlossen das untere Gewinde, daran kann man die späten Modelle leicht erkennen.

1978 verlor Pat jedoch das Interesse an der Firma: „Ehrlich gesagt hatte ich eigentlich immer den Bau einer Gitarre im Kopf, aber die Trommeln waren einfacher zu bauen, hier konnte ich Erfahrungen sammeln. Er  schloss mit Chris Slade (damals Manfred Mann später, Uriah Heep, The Firm, AC/DC, Asia u.a.) einem Vertrag, der diesem erlaubte die Trommeln in Lizenz zu fertigen. Jedoch hatten auch zwei ehemalige „Geschäftspartner“ Interesse an der Firma was zu einigen juristischen Turbulenzen führte und sogar darin endete dass Pats Leben bedroht wurde. Nach dem Verkauf betätigte er sich wieder als Musiker. In dieser Band spielte Nicko McBrain die Staccato Drums, es wurde eine Single mit dem Titel "Shapes of things to come" aufgenommen. Diese Band hieß natürlich - „Staccato“.

Chris Slade verlegte die Produktion nach Redding. Mit einer guten Pressekampagne und Vertriebspartnern wie zum Beispiel dem damaligen PPC in München wurde die Firma bald in ganz Europa bekannt. Mit John Marshall  fand er einen zuverlässigen Außendienst. Dieser war von ca. 1978 bis Ende 1981 mit einem DAF Transporter in ganz Europa unterwegs und brachte die Sets zu den Kunden (Heute betreibt John wieder „Marshall Music“ in Johannesburg sowie den Europäischen Vertrieb für Vater Drumsticks).

Uriah Heep

Neben Chris, der Staccato bei Uriah Heep einsetzte, sah man sie auch bei anderen bekannten Drummern, wie Toshihiro Niimi von Bow Wow Wow, Gianco Fucito, Spliffs Herwig Mitteregger, Nicko McBrain mit der Französischen Gruppe Trust…

Die Nachteile von Staccato lagen jedoch auf der Hand, zum einem der sehr hohe Preis durch das teure Grundmaterial und die Fertigung in Kleinserie, sowie der immense Platzbedarf. Auch gingen die Soundvorstellungen Anfang der 80er Jahre in eine ganz andere Richtung. Concert Toms die Lieblinge der 70er waren out, in - die quadratischen X-tra Sizes mit dickem Kessel. Einen weiteren Nachteil kennt jeder der an solch einem Set mal gesessen hat. Zwar ist der Sound im Zuschauerraum bedingt durch die Hornform lauter als bei anderen Kits, der Drummer selber hört sich jedoch extrem viel schlechter, da der Sound ja von ihm weg projiziert wird. Das Set war zu Anfang ein absolutes Highlight, doch je mehr Bands es  benutzten, um so  uninteressanter wurde es. Chris Slade verlor ebenfalls die Lust und widmete sich wieder ganz der Musik.

Gianco Fucito
Für kurze Zeit wurden Staccato Drumsets von Ray Ayotte in Kanada mit den typischen Ayotte Böckchen in Lizenz gefertigt. Dann verschwanden sie für zwanzig Jahre von der Bildfläche.

Pat Townshand fand mit Mick und Chris Jagger sowie Bill Wyman zuverlässige Partner für die Staccato Gitarre. Konzept war eine aus Hightech Material aus dem Rennsport gefertigte Gitarre in unverwechselbarem Design. Der Clou war jedoch dass man durch ein von Pat entwickeltes System den Hals in Sekunden schnelle wechseln konnte. So war es möglich die gleiche Gitarre als Sechs-, Zwölfsaiter oder auch als Bass zu spielen. Neben den Stones wurde sie auch von Kiss eingesetzt. Große Stückzahlen konnte er jedoch nicht absetzen.




Mitte der 80er, Pat war zwischenzeitlich verheiratet und hatte Kinder, hatte er dann das Gefühl sein Leben sollte etwas in geregelten Bahnen laufen als im Rock ´n´ Roll. So kehrte er in den Rennsport zurück (!) und fuhr historische Motorradrennen. Auch entwirft er Transportkoffer für Motorräder aus Fiberglas, die in England bei Kurierdiensten eingesetzt werden.

Später siedelt er nach Spanien um und arbeitet an einem eigenem Motorrad Rennteam mit seinem Sohn als Fahrer.

Um den Namen seines Staccato Rennteams zu promoten stellt er 2003 einen Web Site ins Netz. Plötzlich erhält er Anfragen aus aller Welt von Drummern die ein Set kaufen möchten oder ihr Set mit Einzeltrommeln ergänzen wollen. Auch das Auftauchen eines Staccato Sets im Rammstein Video America, kurbelt die Nachfrage an. Pat erleidet 2005 einen Herzanfall und zieht sich erneut aus dem Rennsport zurück. Zurück in London beschließt er wieder Schlagzeuge herzustellen. Als größte Verbesserung wird das Design leicht verändert, so dass die Kessel ineinander passen. So wird ermöglicht, dass ein sechsteiliges Set in zwei Transporttaschen transportiert werden kann. Gefertigt werden sie nach wie vor aus Fiberglas, das in jeder erdenklichen Farbe hergestellt werden kann. Außerdem hat er einen Prototyp aus Carbon gefertigt, mit dem er den Lautstärkerekord für Schlagzeuge brechen will.

Aber das ist wieder eine andere Geschichte….

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AUF DEM HOLZWEG...

Gedanken zur Musikmesse 2005 (von Fritz Steger)


Hersteller von Schlagzeugen haben es nun mal schwer, das akustischem Schlagzeug immer wieder zu „verbessern" und damit ihre Kunden zu überzeugen in ein neues Instrument zu investieren.

Nach Experimenten mit Acryl in den 70er Jahren waren es dann die Tiefen der Trommeln um die es in den 80ern ging, bis heute haben wir nun alle denkbaren Möglichkeiten von X-Tras über Power bis Accel Sizes durchgespielt.

In den 90ern war dann der Durchmesser dran. So sind wir nun beim Standard Set 22"/20", 10", 12", 14" angelangt. Versuche mit dem sogenannten „Brit Pop Kit" 22", 10", 12", 16" werden, jedenfalls in Deutschland, nicht so recht angenommen.

Was also tun? Manche Hersteller wie Ludwig, Gretsch, und Premier sehen den Trend zu großen Toms und 26" Bass Drum. Die meisten setzen jedoch auf ein anderes Pferd, nämlich auf Holz.

Die Trommelkessel der legendären Amerikanischen Trommelhersteller der 50er bis 70er Jahre waren dünne Kessel aus verschiedener Holzarten, vornehmlich Pappel, Ahorn und Afrikanisches Mahagoni (nicht zu verwechseln mit dem recht günstigen Philippinischen Mahagoni, was ein Sammelbegriff für Asiatische Hölzer ist). Auch wurden Hölzer verwendet die in der Region vorkamen, daher weisen fast alle Deutschen Hersteller dieser Zeit Buchenkessel auf, die Japanischen Hersteller setzten auf das dort günstige Birkenholz, lange bevor Birke in den Klangeigenschaften als (fast) gleichwertig mit Ahorn galt.

Auch wurden z.B. bei Gretsch Gum Wood oder bei Sonor das so genannte Fliegerholz (Pappel) für den Kessel verwendet unter Anderen auch um das Gewicht zu reduzieren.
Aus Sicht des Marketing waren Hölzer in dieser Zeit kein Thema, da auch während der Produktion die Hölzer geändert wurden, je nachdem was gerade günstig im Einkauf war.

Die Marketingabteilungen entdeckten den Ahornkessel erst ca. 1980 mit XP8 Power Shell der kurz vor dem Ruin stehenden Firma Rogers. Eigentlich wollten die Ingenieure den Kesselaufbau geheim halten, was jedoch nicht bis in die Marketingabteilung vorgedrungen war. So wurden in allen wichtigen Fachzeitschriften ein Diagramm mit dem Kesselaufbau und den Vorteilen des „reinen Ahornkessels" geschaltet.

Mit Einzug der Globalisierung, „Alles, ist Überall, zu jeder Zeit, noch günstiger verfügbar" setzten fast alle renomierten Hersteller auf Ahorn und Birke für ihre High End Kits, wogegen Unter- und Mittelklasse weiterhin mit „ Mixed Shells" ausgestattet wurden.



Mit Verlagerung der Produktion nach China und dem Zugang zu Osteuropäischen Holzmärkten hält nun der Birke bzw. Ahornkessel auch Einzug in die Mittelklasse. Aber Vorsicht! Der geizgeile Kunde sollte sich hier nicht täuschen lassen. Chinesischer Ahorn erinnert in Struktur und Dichte eher an Pappel, ist also deutlich weicher als sein Kanadischen Artgenosse. Ein Set mit russischem Birkenkessel 3. Wahl klingt noch lange nicht wie ein Recording Custom und oft nicht mal besser als ein „Mixed Shell" 1.Wahl. Hier können also nur die Ohren entscheiden. Zudem kann ein Kunde erkennen was für ein Holz verwendet wird?


Pearl ging mit seinem Masterworks soweit, dass sich der Kunde den Kesselaufbau sowie die Holzarten selber wählen konnte, ein teures Experiment, wenn das Resultat nicht dem entspricht, wie man es sich vorgestellt hat.

Doch hat Pearl mit diesem Projekt einiges über Trommelbau hinzugelernt, nämlich, dass die erwünschte Klangcharakteristik eines 10" komplett verschieden von einer 22" Bass Drum ist. Verwendet man hier die gleichen Hölzer (wie seit über 100 Jahren) würde das einen Kompromiss bedeuten.

So finden bei ihrer neuen Reference Serie Ahorn, Birke und Mahagoni Verwendung. Ahorn wurde aus gutem Grund über viele Jahre als Holz erster Wahl im Trommelbau verwendet, da es einen weichen, ausgewogenen Ton produziert, perfekt für ein 12" Tom, dem einzigen dieser Serie bei dem nur eine Holzart verwendet wird.
Beim 8" und 10" kommt Birke hinzu, und für maximales Resonanzverhalten haben alle Toms kleiner als 13" um 45° abgerundete Auflageflächen..
Ab 14" wird Ahorn in Verbindung mit Mahagoni verwendet und die Auflagen sind komplett abgerundet, für noch mehr Fellkontakt.

In jedem Fall interessant, aber auch hier müssen letztendlich die Ohren entscheiden.

Dass war aber auch schon eine der wenigen Inovationen auf dieser Messe. Auf der einen Seite werben eine große Anzahl kleiner „High End Hersteller" , in dem immer kleiner werdenden Markt (da die Mittelklasse ja inzwischen bereits alle Features der Top Serien bieten), um die Gunst der Kunden. Auf der anderen Seite tobt der Preiskrieg in Mittel und Einsteigerklasse (eine bösartige Spirale, wie einer der großen Hersteller es nannte).



Sicherlich bekommt man oberflächlich betrachtet mehr für sein Geld als noch vor 5 Jahren, doch die Qualität gerade bei der Holzauswahl und der Metallfertigung hat darunter gelitten.
Vor allem aber geht, seitdem auch die letzten Europäischen Hersteller in Fernost produzieren, die Eigenständigkeit dieser Traditionsmarken verloren.

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Cozy Powell, 400 drums in 1 Minute


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Leser Manuel aus Freiburg schickt diese Bilder einer Exotin

Hallo Fritz,

anbei ein paar Bilder für Deine Raritätensammlung.
Diese "gretsch-style" Snare ist made in Japan, schätzungsweise irgendwo frühe 70er.
Dieses komische finish habe ich bisher kein 2. Mal gesehen.
Der Kessel besteht aussen aus phil. Mahogany, innen jedoch aus Birke und ist damit recht stabil. Die Spannreifen sind aus Guss, was auch recht ungewöhnlich ist. Leider ist der Hebel der Abhebevorrichtung anbgebrochen.
Einen Hersteller kenne ich nicht.

Viele Grüße aus Freiburg
 
Manuel

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Unser Leser Alain Polidori aus Frankreich schickt diese schönen Bilder des Italienischen Herstellers "Finest Drums".
Offensichtlich stark von Gretsch Kits der 70er Jahre beeinflußt:
Monster Tomhalterung mit stilisierten Diamond Plates, Wanut Finish sowie ein Stopsign Badge "The Real Sound" (That Great Gretsch Sound). Der Hammer sind jedoch die eigenwilligen Böckchen eine Kreuzung aus Hayman und Imperial Lug.
Auch schön die Eierkartons an der Wand, die Wollknäul in der Bass Drum sowie das das alte Leslie. Da wird mir doch klar warum Gott in Frankreich lebt...


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Das 1.000 000 $ Problem
Der Ausverkauf einer Legende (Teil 1).

Das Jahr 1948 gilt als das Gründungsjahr der Firma Rogers. Für mehr als 100 Jahre blieb die Firma ein Familienunternehmen mit meistens nicht viel mehr als einer handvoll Angestellter. Nicht desto trotz wurde Rogers zu einem der bekanntesten Hersteller von Fellen auf dem boomenden Banjo Markt.

In der kurzen Zeit von nur 12 Jahren führten Henry Grossman, Joe Thompson und Ben Strauss Rogers von 1954 bis 1966 vom kleinen Fellhersteller zu einer der größten und großartigsten Schlagzeughersteller.
Die letzten 19 Jahre von 1966-1985 unter der Führung des Unterhaltungskonzern CBS führten jedoch leider zum Untergang dieser traditionsreichen Firma. Gründe dafür gibt es verschiedene, von schlechter Konjunktur, den Erfolg japanischer Hersteller, Managementfehler bis zu Vermutungen über eine geplante Zerstörung. Sicherlich einer der Hauptgründe jedoch war das Scheitern der Rogers „Series II“.

Vermutlich zu spät wurde die Gefahr erkannt, die von Japanischen Herstellern ausging. Dies war ein allgemeines Phänomen unter den amerikanischen Herstellern, die der Invasion aus Fernost mit unglaublicher Arroganz entgegentraten. Als es sich bis in die Chefetage von CBS herumgesprochen hatte, dass man dem Trend aus Fernost etwas entgegenzusetzen hätte, beauftragte man Dave Donahoe, den Erfinder der Memriloc Hardware mit folgender Aufgabe:
Geringe Kosten – aber sehr massiv, leicht im Gewicht – aber extrem belastbar.

Leider verließ Donahoe noch während der Designphase das Projekt. Heute reflektiert er: „Hätte man es richtig gemacht, hätte es sogar erfolgreich werden können. Doch man muss bedenken, dass die Japaner gutes Material zu gutem Preis lieferte, wir hätten es nur unwesentlich billiger oder besser machen können.“

Doch die Series II entwickelte sich zum wahren Monster, die Vorgaben wurden immer wieder zu noch günstigeren Kosten geändert. Zum einen ging das auf Material und Konstruktion, zum anderen bediente man sich des Instruments, Kosten durch höhere Produktionszahlen zu verringern. So wurden Mengen von Drumsets (man spricht von Tausenden) produziert. Die Verkaufsprognosen stammten jedoch nicht von erfahrenen Marktanalytikern, sondern von einem bekannten Rogers Endorser. Der Legende nach wurde er von CBS Managern zu einer Aussage über die zu erwarteten Verkäufe genötigt – also warf er mal eine Zahl in den Raum.

Zusätzlich zerfiel der Prototyp eines Series II Pedals buchstäblich vor den Augen der angereisten Journalisten – daher erfolgte der erste Auftritt der Serie auf der Namm Show ganz ohne Glanz und Glamour in einer ruhigen Ecke des Rogers Stand. Nur widerwillig wurden ein paar Bestellungen entgegengenommen und schon bald bestätigten sich die schlimmsten Befürchtungen: Die Hardware löste sich nach kurzer Zeit in ihre Bestandteile auf.

Abteilungsleiter Ed Lewelleyn betrat ein Meeting mit führenden CBS Managern mit einem Zettel mit der Aufschrift 1.000.000 an seiner Stirn geheftet. Augenzeugen berichten, dass er mit der Faust auf den Tisch schlug und rief: „Ich habe ein Problem, ein 1.000 000 $ Problem“.

Kenner der Szene sind der Meinung, dass das Scheitern der Series II auch das Schicksal von Rogers besiegelte.
Vielleicht hat aber auch die Fraktion derer innerhalb des Konzerns, die der Meinung war, dass die Produktion von Gitarren sowieso viel profitabler wäre als die von Drumsets, dieses Debakel auch bewusst nicht gestoppt – doch das ist nur meine Spekulation.

Mehr zu diesem Thema und anderen Themen um die Firma Rogers findet ihr in dem hervorragenden Buch:
„The Rogers Book by Rob Cook“,
zu beziehen unter www.rebeats.com

Rogers, der Ausverkauf einer Legende (Teil 2).

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Die DeArmond Trem-Trol Tremolo Box

Fasziniert hat mich schon immer der Tremolo Sound von Duane Eddy. Ich kenne viele elektronisch erzeugte Tremolos, aber dieser Sound war einfach völlig anders. Als ich herausfand wie dieses einzigartige Tremolo funktionierte war das doch eine Story wert:

Die originale DeAmond Tremolo Control (Trem-Trol) tauchte irgendwann zwischen 1946 and 1948 auf dem Markt auf. Entgegen anderer bekannter Tremolos erzeugt dieses seinen Klang auf rein mechanische Weise. Der Tremolo Effekt entsteht durch die Reduzierung der Lautstärke des angeschlossenen Instruments mehrmals pro Sekunde. Dies geschieht durch die Erdung des Eingangssignals mit Hilfe einer Flüssigkeit. Diese Methode erzeugt das im wahrsten Sinne des Wortes – „flüssige Tremolo".

Und das funktioniert so:

Das Instrument wird an die Tremolo Box angeschlossen.
In der Box befindet sich ein zur Hälfte mit einer speziellen Flüssigkeit gefüllter Behälter aus mit Messing ummantelten Glas. Dieser Behälter ist geerdet, während sich im Inneren eine vom Behälter isolierte Nadel befindet. Diese ist mit dem ankommenden Signal des Instruments verbunden.
Ein Motor schüttelt den Behälter, und durch diese Erschütterung schwappt die Flüssigkeit gegen die Nadel und erdet das Signal, was zu einer Verringerung der Lautstärke führt. Dies geschieht um so öfters je schneller der Behälter geschüttelt wird.

Die Flüssigkeit:

Um diese Flüssigkeit ranken sich viele Sagen und es wird wohl nie geklärt werden, was es genau war. Ganz sicher war es jedoch nicht Quecksilber, was fälschlicher Weise immer wieder behauptet wird.
Daher findet man immer wieder defekte Geräte bei denen der Behälter mit einem Quecksilberschalter ausgetauscht wurde, was natürlich nicht funktioniert.
Versierte Bastler, die versuchen den Behälter mit flüssigem Quecksilber aufzufüllen, ruinieren neben ihrer Gesundheit auch die Tremolo Box – Das letzte Tremolo - quasi!
Es gibt jedoch zahlreiche Hinweise, dass es sich bei der Flüssigkeit um das Produkt "Windex" handelte, vergleichbar mit einem handelüblichen Scheibenreiniger.

Auch wenn man denkt, aus diesem geschlossenen Behälter könnte keine Flüssigkeit entweichen, so tut sie es über die Jahre oder Jahrzehnte doch (Quecksilber würde das nicht tun).

Die Geschwindigkeitseinstellung:

Dies ist der andere wundervolle, mechanische Teil dieses Gerätes. Ein Motor wird verwendet um den Behälter zu schütteln. Auf der Welle dieses Motors, der immer in der gleichen Geschwindigkeit läuft, sitzt eine konisch geformte Spitze. Gegenpart dazu ist ein gummiummanteltes Rad, welches mit dem besagten Behälter verbunden ist und gegen die Spitze gedrückt wird. Diese Verbindung des Rades zum Behälter liegt jedoch etwas außerhalb der Mitte des Rades und läuft somit leicht unrund, was wiederum dazu führt, dass sich der Behälter hin und her bewegt. Die Geschwindigkeitsregelung schiebt nun das Rad entlang der konischen Spitze. Befindet sich das Rad an der äußersten Spitze, wird der Behälter langsamer bewegt. Je weiter sich das Rad zum dickeren Ende der Spitze bewegt umso schneller wird die Bewegung.


Zeit mal wieder eine Scheibe vom alten Duane aus dem Schrank zu holen.

Herzlich danken möchte ich gerne Dan Formosa, der mir Informationen und Fotos für diese Story lieferte. Dan ist Produktdesigner und war unter vielen anderen Projekten auch an IBM´s erster PC Entwicklung beteiligt. Zudem ist er auch Sammler historischer Gitarren.

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LUDWIG vs. SLINGERLAND


Ein Garant für verrückte Geschichten war die lang anhaltende Fehde zwischen William F. Ludwig und Henry H. Slingerland bzw. ihren Söhnen Bill Ludwig II und Bud Slingerland.


Das ganze begann der Legende nach dadurch, dass die Ludwig und Ludwig Drum Company der Meinung war, sie müsse Banjos bauen, was zur Folge hatte, dass die Slingerland Banjo Company damit begann Schlagzeuge zu bauen.

Die Ironie des Schicksals war aber, dass als der Banjomarkt zusammenbrach, Ludwig fast daran zerbrach, wobei Slingerland durch die Schlagzeugproduktion überlebte und zeitweise Ludwigs härtester Mitbewerber wurde.

William F. Ludwig H.H. Slingerland
Bill Ludwig II Bud Slingerland

Hier einige Highlights dieses Familienkrieges:

„The Great Crosstown Head Race"

Über die gesamten 50er Jahre lieferten sich Bill Ludwig II und Bud Slingerland ein Rennen quer durch Chicago. Die beiden Hauptlieferanten, die American Rawhide Manufacturing Company (AMRAWCO) und White Eagle Rawhide Manufacturing Company, hatten die Vereinbarung getroffen, die beiden Konkurrenten zeitgleich bei Fertigstellung einer Produktion zu informieren.

In dieser Zeit war die Auswahl der Felle ein beachtliches Kriterium für den Klang einer Trommel. So ließen die beiden Streithähne alles liegen und stehen, um als erstes bei der Fellgerberei einzutreffen. Der Sieger konnte gemütlich die besten Felle auswählen, während der Unterlegene in der Rezeption warten musste bis sein Widersacher seine Auswahl beendet hatte.
Natürlich versuchte dieser möglicht viele fehlerhafte Felle mit Salzflecken und Minnilöchern zurückzulassen. Mit der Einführung der Kunststoffelle kam das Ende der Naturfelle schneller als es sich irgendjemand erträumt hätte. Damit hatte auch dieses besondere Ritual ein Ende, was Bill Ludwig II jedoch später bedauerte, da er die Auswahl der Felle als einen großen Vorteil gegenüber seiner Mitbewerber sah, den es nicht mehr gab.


Der Besuch in der Schweiz

Es ist immer wieder eine heiß diskutierte Frage, wer die Kunststoffelle zuerst erfunden hat. Bis heute nimmt die Firma Evans für sich in Anspruch, die ersten gewesen zu sein. Vermutlich kann man das auch so stehen lassen, da es wohl die erste Konstruktion war, die sowohl technisch als auch kommerziell funktionierte.
Sicher haben schon Andere vor Chick Evans in verschiedenen Teilen der Erde mit alternativen Bespannungen experimentiert, so gibt es Patentschriften aus der frühen Zeit des 19. Jahrhunderts von zum Beispiel einer Bespannung aus doppellagigen Leinen, getränkt in einer Wasser abstoßenden Substanz sowie einer aus einer dünnen Metallschicht .
Gerichte kamen schlussendlich zur Erkenntnis, dass mehrere Erfinder zur gleichen Zeit an einer Idee unabhängig voneinander arbeiteten.

Eine weitere interessante Frage ist jedoch die, nach der Befestigung dieser Fellfolie, da beim Spannen der Felle eine Zugbelastung von 1000 Kilo und mehr auftreten kann. Hierbei herrschen zwei Methoden vor:
Zum einen die, dass die Fellfolie in einen Metallreifen gelegt wird und mit Gießharz ausgegossen wird. Diese Methode wird nach wie vor von Remo favorisiert, die Deutsche Firma RKB (Reichelsheimer Kunststoffbetriebe Dingeldein & Grosh OHG) beantragte für dieses Verfahren 1961 ein Gebrauchsmuster beim Deutschen Patentamt.
Die andere Methode ist die, die Folie um einen Stab zu wickeln und sie in einem Ring rein mechanisch gegeneinander zu verschränken. Dieses Verfahren wird bis Heute von Ludwig verwendet. Ludwig meldete diese Methode 1959 in den USA zum Patent an.


Diese ersten Ludwig Kunststoffelle hießen zunächst „Ludwig Playon".
Die zweite Generation wurde 1961 unter dem Namen „Weather Master" eingeführt.

Nun kopierte Mitte der 60er Jahre die Firma Solar, eine Tochterfirma von Slingerland genau dieses Verfahren. Bill Ludwig II zog selbstverständlich 1965 vor Gericht. Im Verfahren selber versuchte Bud Slingerland nachzuweisen, dass Ludwig überhaupt kein gültiges Patent für dieses Verfahren besitze, da er diese Erfindung im Juni 1958 im Musikgeschäft Hug in Zürich, in der Schweiz gesehen hätte. Die beiden Felle die er dort gekauft hatte, trugen den Stempel Imperial.

Die Firma Imperial Schlagzeuge gehörte dem ehemaligen Schreibmaschinenmechaniker Oskar Bauer. Herr Bauer wiederum hatte die Idee Bespannungen aus Kunststoff zu fertigen. Er beauftragte damit den Metalldrücker Walter Gassmann.
Metalldrücker stellten zum Beispiel Siebe oder Lampenschirme her. Sie waren somit Profis in Sachen Folien oder Netze in Metallreifen zu drücken.

Ludwig leugnete selbstverständlich seine Anwesenheit in der Schweiz für den betreffenden Zeitraum. Er argumentierte, dass er durch ein Verfahren aus dem Zugbau inspiriert wurde, bei dem die Fenster nach einem ähnlichen Prinzip befestigt wurden.

Sein Pass wurde beschlagnahmt, mit dem Ergebnis, dass er sich in dem betreffenden Zeitraum tatsächlich in der Schweiz aufgehalten habe. Herr Gassmann musste vor Gericht seinen ersten Lieferschein an Bauer vorzeigen.
Die Diskussion über Mr. Ludwigs Schweiz-Aufenthalt zog sich über mehr als ein Jahr hin, was auch eine beträchtliche Summe an Geld verschlang.

Schlussendlich entschied der Richter gegen Bill Ludwig II, nicht so sehr wegen Herrn Bauer, sondern weil es das Prinzip schon Lange vorher in anderen Bereichen, wie zum Beispiel dem Zugbau oder bei Oma´s Kaffeesieb gab.




The Schuessler „Case"

Die Schüssler Case Company belieferte mehrere Schlagzeughersteller, darunter auch Ludwig und Slingerland. Zum Ärger von Bill Ludwig II, kam es immer wieder vor, dass wenn eine Größe ausgegangen war, eine längere Lieferzeit entstehen konnte, da Schuessler wartete bis eine ausreichende Menge an Bestellungen für diese Größe zusammenkam.
Ludwig war zu diesem Zeitpunkt größter Schlagzeughersteller, Harold Schuessler im entsprechenden Alter sich zur Ruhe zu setzen. So einigte man sich über den Verkauf an Ludwig.
Über das was dann geschah gibt es zwei Versionen.

Version 1: Bud Slingerland rief nach bekannt werden der Transaktion beim neuen Besitzer (Ludwig) an und erkundigte sich nach dem Status seiner noch ausstehenden Lieferung. Ludwig erwiderte darauf, dass in Zukunft nur noch Cases für ihre eigene Produktion gebaut würden.
Sligerland quittierte das mit dem S-Wort.

Version 2: Die Tinte unter dem Vertrag war noch nicht richtig trocken, als Bill Ludwig II zum Telefonhörer griff und Bud Slingerland mitteilte dass seine Bestellung storniert sei. Bevor Slingerland reagieren konnte hatte Ludwig bereits aufgehängt. Mr. Ludwig persönlich sammelte darauf alle Werkzeuge die zur Kennzeichnung der Slingerland Cases nötig waren ein um sie mit auf eine Ausfahrt auf den Lake Michigan zu nehmen und sie dort genüsslich über Bord gehen zu lassen.
Welche Version auch die richtige war, in jedem Fall war es ein süßer Sieg für Ludwig.



Dank sei an dieser Stelle Schlagzeughistoriker Rob Cook gesagt, der viele dieser Geschichten in mühseliger Arbeit recherchiert hat.


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Eine kleine Anekdote über John Bonham:

Zu aller Erst möchte ich sagen, dass ich John Bonham unendlich vermisse. Zum ersten Mal traf ich ihn 1970 in einem Club namens „Mother´s" in Birmingham. Wir hatten dort mit „Trapeze" gespielt, er kam in unsere Garderobe und ging völlig ab wie gut wir gewesen seien. Es ergab sich eine immerwährende Freundschaft. John war ein extrem großzügiger Mensch, und er liebte es, sich auf einen Drink zu treffen.
Einige Male, wenn „Trapeze" in England spielte, stieg er ein. Normalerweise wollte er den Song „Jury" vom Album „Medusa" spielen. Jedes mal zerbrach er einige Drumsticks und war sowieso der lauteste Drummer den es je gegeben hat.
Nach einer Show in London, gingen wir ins "Speakeasy" (ein beliebter Club in den 70ern). Ich fuhr in Johns neuem Jaguar mit. Normalerweise hatte er immer einen Fahrer aber dieses Mal fuhren wir alleine. An diesem Abend war John sehr müde und schlief während des Essens ein. Niemandem der Angestellten gelang es, ihn aufzuwecken – er schlief wie ein Baby.

Irgendwann wachte er auf und ich fragte ihn, ob ich ihn nach Hause fahren solle. Aber er bekam kaum etwas mit und sagte nur: „Onwards".
Es war ca. halb sieben in der Früh und es wurde bereits hell auf dem M1 Motorway. Wir waren ungefähr eine halbe Stunde unterwegs. Ich muss wohl eingeschlafen sein. Jedenfalls landeten wir in einer Mauer. Wir waren nicht sonderlich verletzt, jedoch etwas verstört. Wir stiegen aus dem funkelnagelneuen Jaguar. John sah mich an und lächelte, warf die Schlüssel in die Luft und sagte: „Lets go". Wir machten uns zur nächsten Tankstelle auf von wo wir uns ein Taxi riefen.
Die nächste Woche fuhr er einen anderen Jaguar, gleiches Modell aber andere Farbe. Ich fragte ihn was aus dem anderen Jaguar geworden sei und er antwortete „welcher andere"?
Wir mussten beide so lachen.
Ich vermisse dich Bonzo. Danke dass du mein Freund warst.

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Ludwig Phase II

Bei deinem Gerät handelt es sich wieder um ein Gerät aus der Gitarrenwelt, durch seinen Hersteller besteht jedoch eine direkte Verbindung zu Schlagzeugen.
Ludwig war Ende der 60er Jahre weltweit größter Hersteller von Schlagzeugen.
Diversifikation, also die Erweiterung in andere Geschäftszweige, war zu dieser Zeit extrem populär. Zuerst erwarb Ludwig den Case Hersteller Schuessler.

Die Erkenntnis dass in der extrem populären Rockmusik Elektronik die ausschlaggebende Rolle spielte, brachte Ludwig zunächst dazu, den Vertrieb von Elektro Voice Produkten zu übernehmen. Kurz danach lies man sich auch noch auf das Projekt „Phase II“ ein. Ein verlustträchtiger Fehler, wie sich später herausstellte.

Bereits die Produktinformation, zur Vorstellung des Gerätes, bringt so manchen Musiker mit langjähriger Erfahrung im Bereich Elektronik ins grübeln. Vollmundig wird verkündet: „ Nur durch Elektronik hat ein Musiker die Möglichkeiten, sich und seine vielen originellen Ideen auszudrücken. Aber die Elektronik wie wir sie heute kennen, ist nur die erste Phase. Mit dem Ludwig Synthesizer, gelangst man jedoch in die viel lebendigere und kreativere Phase II!“


Doch handelte sich bei diesem Gerät um gar keinen Synthesizer, da man mit ihm keinen neuen Sound produzieren konnte, sondern lediglich Sounds modifizieren konnte. Die Bezeichnungen hierfür wie etwa „Formant Trajectory Modulation“, „Voice Fuzz“ oder „Animation“ bleiben bis heute einzigartig. Ebenso einzigartig, die aufwendige, bunte Beleuchtung des Gerätes, die den Betrieb im Dunkeln zu einem wahren Erlebnis werden lassen.

Bedingt durch vergleichsweise hohe Entwicklungskosten, war das Gerät von Anfang an recht teuer (~ 400,-$), so dass es sich auch nur schleppend verkaufte. Konstruktionsfehler (Steckverbindung zur Platine) machten das Phase II leider nicht nur teilweise unbrauchbar, sondern auch noch gefährlich für den Benutzer. So ist es nicht verwunderlich, dass von den wenigen die verkauft wurden, viele wieder zu Ludwig, zwecks Reparatur, zurückkehrten. Es dauerte dann auch nicht lange, bis Bill Ludwig II, diesem Projekt im wahrsten Sinne des Wortes den Stecker zog. Nur wenige Exemplare überlebten, Kenner der Szene sprechen hierbei von höchstens 50-100 funktionsfähigen Exemplaren. Umso erstaunlicher, dass sich das Phase II, 35 Jahre nach seiner Einführung, zu einem Geheimtipp unter Gitarristen avanciert. Bands wie Sonic Youth (Titel Diamond Seas) und Beck (Titel Cold Brains), benutzen das Gerät, nach verschiedener Modifikationen, wie etwa der Anhebung des Output Levels und des Verlötens der Verbindungen auf der Platine. Kein anderes Gerät hat solch einen Sound und leuchtet dazu noch so schön im Dunkeln. Zum Zeitpunkt dieses Artikels wurde gerade ein Phase II auf Ebay für über 3000,- $ versteigert. Ein Schock für den, der sein Phase II auf den Sperrmüll geworfen hat.

Bill Ludwig II sagte später über seinen Ausflug in die Welt der Elektronik:
„Ich musste auf schmerzliche Art die Lektion lernen,
Lass die Finger von allem was du in die Wand stecken musst“!


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Winterimpressionen aus dem MOOSWALD

Der liebe Hiram (Tipps & Tricks) hat bei seinen Streifzügen durch den Freiburger Mooswald diese Sonor Trommel entdeckt.

Wie lange sie da wohl schon liegt?

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New Sound
Eines der verrücktesten Sammelsurien!

Die drei bekannten japanischen Hersteller, Pearl, Tama und Yamaha, haben in ihren jeweiligen Anfangsstadien gerne amerikanische Marken wie Ludwig, Rogers oder Slingerland kopiert. Jedoch beschränkte sich das darauf, dass sie sich verschiedene Ideen „ausliehen" und im Design ähnlich waren. Mit Ankunft der New Sound Enterprise & Musical Instrument MFG ,Co., LTD. mit Sitz in No.9 Lane 32 Chi-Chian St. Taichung Taiwan begann jedoch ein neues Kapitel im Schlagzeugbau.

Eines der verrücktesten Sammelsurien von Hardwareteilen, verschiedener Hersteller sind die NewSound Kits der frühen 80er Jahre.

New Sound wurde nach eigenen Angaben bereits 1951 von Rong Bin Chang als Werkstatt zur Herstellung von Jazztrommeln gegründet. New Sound war sowohl Hersteller, als auch Großhändler für Musikinstrumente aller Art. Sie ließen nach ihren Vorstellungen Instrumente in verschiedenen Fabriken Taiwans bauen und vertrieben neben Schlagzeugen zum Beispiel auch Blasinstrumente. Nach Deutschland kamen sie, als der Importeur und Beckenhersteller, Roland Meinl zur Ergänzung seiner Produktpalette, Schlagzeuge im günstigsten Preisbereich, noch unterhalb des Tama Swingstars, das sie ebenfalls importierten, suchten. Meinl behielt New Sound bis Ende der 90er Jahre im Programm und brachte vor allem große Stückzahlen an günstiger Hardware an den Mann. Über die Jahre wandelte sich das Erscheinungsbild und brachte Newsound ein wenig Eigenständigkeit. Heute werden die Schlagzeuge unter New Sound, Action und Shine angeboten. Das Action Drum Pedal sieht jedoch wie eine 1:1 Kopie der Tama Iron Cobra aus.
Hier möchte ich mich mit einem New Sound Katalog aus den frühen 80er Jahren beschäftigen.
Er trägt die schlichte Bezeichnung „New Sound Drum Set". Auf den 4 Farbseiten kann man jedoch nur wenig über diese seltsam zusammengestellten Trommeln erfahren.
Auf der Titelseite ist ein goldenes Schlagzeug abgebildet, Es besteht aus einer 22" x 14" Bass Drum 10, 12, 13, 14, 15, 16 Concert Toms, einem 18" Floor Tom sowie einer 14" x 6,5" Stahlsnare mit 5 Siecken. Die Hardware besteht aus 3 doppelstrebigen Galgenbeckenständern, deren Gegengewichte ein Meinl Aufkleber ziert. Ein etwas seltsam anmutender Doppel-Beckenständer, Hi Hat, Snareständer und Pedal.
Die goldene Folie stammt vermutlich vom gleichen Hersteller wie sie auch Tama verwendete.
Auf der Seite 4 befindet sich eine Farbtafel, bestehend aus 9 aufeinander geschichteten Trommelkesseln. Neben Metallic-, Black, Silver, Gold, Red und Blue, finden sich noch vier Pearl Finishes. Unter den Kesseln sind nochmals 5 Sparkle Finishes abgebildet.

Leider haben es die Pearl und Sparkle Finishes meines Wissens nie nach Deutschland geschafft, was vermutlich daran lag, dass in Europa diese Farben Anfang der 80er Jahre völlig out waren. Später gab es noch ein Dark Blue Metallic, wie es ebenfalls Tama verwendete, beim Topmodell New Sound Deluxe noch ein Weinrot mit Goldhardware sowie viele weitere Versionen. Die Kessel waren aus Pressholz, das mit einer grauen Farbe, ähnlich Tama´s Zola Coat, gestrichen wurde, um das Holz vor Feuchtigkeit zu schützen. So jedenfalls die offizielle Version. Vielleicht wollte man jedoch auch nur die miserable Holzbearbeitung verbergen.

Bestückt waren die Trommeln mit taiwanesischen CS Fell Kopien mit kleinerem Punkt als bei Remo üblich. Das Böckchendesign stammte von Rogers. Dieser traditionsreiche US Hersteller war Jahre zuvor an den Unterhaltungskonzern CBS verkauft worden, genauso wie Fender und Rhodes. CBS trennte sich Anfang der 80er Jahre von dieser Instrumentensparte.

Die neuen Besitzer interessierten sich jedoch nur für Fender, so wurden unter dem Namen Rogers nur noch Billigsets aus Fernost vermarktet. Die Gießformen gingen an New Sound. Als Tomhalter dienten beim Set auf Seite 1 und 2 Kopien des Rogers Swiv-o-matic, den Pearl Anfang der 70er Jahre auf den Markt gebracht hatte. Nachdem Pearl dann ihr eigenes System entwickelt hatte, ging es an Pearl Tochter Maxwin und dann an New Sound.


Die Rosetten an den Toms und auf der Bass Drum waren 1:1 Kopie derer von Yamaha, jedoch bei weitem nicht so stabil, bei vielen gebrauchten Sets sind sie daher gerissen. Ebenfalls von Yamaha stammen die Füße und die wiederum sind fast genauso gut wie das Original und inzwischen ein gesuchtes Teil. Die Spannklauen an der Bass Drum sind einfache Blechteile, wogegen die T-Rods von Rogers stammen, jedoch wurde das „Big R" durch ein „Big N" im gleichen Design ersetzt. Die Rosetten der Floor Toms sowie die Innendämpfer sind wiederum Tama Kopien.

Über die Snare braucht man keine Worte verlieren, es ist das übliche Billigteil der frühen 80er Jahre, heute wieder am Aldi Set zu finden.
Die gesamte Hardware ist doppelstrebig nach Tama Vorbild, wobei man das Rogers Memorylock System mit eingebaut hat. Auch von Rogers die Schrauben, Fußplatten der Pedale und der Korb des Snareständers. Auch hier wurde das „R" gegen ein „N" ausgetauscht.
Auf Seite 2 sitzt ein freundlich dreinblickender Asiat hinter dem Schlagzeug und bearbeitet dieses im traditional Grip. In der Bildunterschrift erfahren wir mehr: „ The Drummer is Mr. Ruey-Feng Hwang who ist the best one of famous drummers in Taiwan, his Drum outfit set is only „New Sound" products. He organized many Drum Studing Centre in every city of Taiwan. All of his students also play "New Sound" drum.


Auf Seite 3 sitzt ein anderer Drummer am goldenen Set. Auf den ersten Blick sieht es so aus als sei es das gleiche Set mit zusätzlichen 6"+ 8" Concert Toms. Bei genauerem Hinsehen erkennt man jedoch, dass es anders als das Set von Seite 1+2 mit dem Tama Tomhalter, den sich diese von Ludwig ausgeliehen hatten, bestückt ist, samt zugehöriger L-Arm Rosetten.
Der Drummer scheint Linkshänder zu sein, am Schriftzug auf der Bass Drum kann man jedoch erkennen, dass das Bild Seitenverkehrt abgedruckt wurde.
Über dieser Drummer erfahren wir in der Bildunterschrift: „The drummer is Mr. Jyh-Kuen Cheng who is one of famous drummers in Taiwan. He also use our „New Sound" Drum.

Schade einfach, dass solche Prospekte der Vergangenheit angehören.

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