Tama Starphonic
Der Trick mit der Sicke

Das Naheliegende ist oft sehr weit entfernt, das gilt auch im Schlagzeugbau.
Automatismen verhinderten mitunter wichtige Innovationen.
Nach dem Motto:
„So wie es ist, ist es gut und so soll es bleiben"!
So hielten sich manch eher unglücklich gewählte Lösungen
über lange Zeit.


Schon lange war es ein Ziel der Drumdesigner, den Fellwechsel gerade auf der
Snare schneller zu gestalten. Ray Ayotte zum Beispiel mit seinem
TuneLock Tension System oder später Yamaha mit den Noveau Lugs
waren dem ganzen recht nahe, doch die entscheidende Idee fehlte.

Das Ganze scheiterte daran, dass man das seit Jahrzehnten vertraute Design
der Spannreifen nicht in Frage stellte bis .... ja bis Tama alles Bewährte über den Haufen warf.

Der neue
Tama „Grooved Hoop" ist mit einer Sicke ausgestattet,
in die Clips, die die Spannschrauben führen, eingehängt werden.
Zum Fellwechsel werden dann die Spannschraube mit wenigen
Umdrehungen gelockert und auf den drehbaren Lugs vom Spannreifen weg geklappt.

Momentan sind vier Modelle in der Starphonic Serie erhältlich, alle haben die Größe 14“ x 6“ unterscheiden sich jedoch in den Materialien des Kessels. Lieferbar ist ein Maple, ein Bubinga ein Aluminium und ein Brass Kessel. Das macht es natürlich recht einfach diese Trommeln direkt zu vergleichen.

Als erste der vier zur Zeit lieferbaren
Starphonic Modelle möchte ich hier die (Chrome over) Brass Version testen. Freundlicher Weise hat die Firma Meinl, der Importeur für Tama, exklusiv für den ersten Test dem Drummermagazin ein Exemplar zur Verfügung gestellt.

Konstruktion und Verarbeitung:

Die Chromqualität des 1,2mm starken 14" x 6" Messingkessels ist tief und erinnert fast an die unvergesslichen Sonor Ferro Mangan Snares der 80er Jahre.
Vertikal ist die Trommel – klassisch - mit einer breiten Sicke versehen. Unterhalb von ihr befindet sich links von der Abhebung ein relativ großes Luft-Ausgleichsloch, sauber von einem Chromring umschlossen.
Das runde Badge befindet sich oberhalb der Sicke. Es ist relativ dezent ausgefallen und wirkt - vielleicht gerade durch diesen Umstand - recht edel.

Die Position ist jedoch eher ungewöhnlich:
Wenn die Abhebung wie üblich links positioniert wird, dann zeigt das Badge zum rechten Knie des Spielers und nicht wie üblich zum Publikum.

Die Naht im Inneren des Kessels ist sauber dargestellt und nicht verschliffen.

Die Gratung ist nach außen relativ rund gehalten, der Scheitelpunkt liegt ca. 2,5mm vom Kesselrand entfernt. Von dort fällt sie steil zur Innenseite des Kessels ab.

Die neuen
„Freedom Lugs" haben ein völlig eigenes Design und sind in dieser Form weder bei Tama noch bei einem anderen Hersteller zu finden.
Es handelt sich um 20 trapezförmige, abgerundete Mickroböckchen, in die drehbar und gummigelagert die Gewindehülsen eingebettet sind. Diese Böckchen sind miteinander nach dem
Tube Lug System verbunden und mit Dichtungen gegen den Kessel isoliert. Das System funktioniert einwandfrei, das Design ist eigenständig, für den konservativen Trommler ist es vielleicht etwas zu modern.

Auch der „Linear Drive Strainer" erfreut sich eines völlig neuen Designs. Jedoch seine wahren Vorzüge sind nach außen hin kaum erkennbar. Er funktioniert zwar nach dem Prinzip eines P83 mit einem Hebel, der von der linken Seite nach oben gezogen wird. Er ist jedoch exzentrisch übersetzt - ähnlich wie bei vielen Fußmaschinen. Das bewirkt, dass egal wie schnell man den Hebel hochzieht, der typische „Schlag" des Snareteppichs gegen das Resonazfell weitgehend abgemildert ist.
Eine weitere clevere Idee ist, dass der Einstellknopf des Strainers mit einer Art Rätsche ausgestattet ist, was eine eigenständige Verstellung verhindern soll und so zu einer noch präziseren Einstellung ermöglicht.
Das Buttplate, das ebenfalls mit einer Einstellschraube versehen ist, kann durch das Lösen von zwei Vierkant Schrauben komplett abgenommen werden. Da der Resonanz Spannreifen den Teppich nicht durch Bügel abtrennt, ist es möglich, nach Wechsel des Resonanzfells das Buttplate samt Teppich mit der gleichen Spannung wie zuvor zu fixieren.

Wie bereits erwähnt, sind die neuen Tama „Grooved Hoop" mit einer umlaufenden Sicke versehen.
Die Grooved Hoops sind im
„Stick Saver" Design gehalten, das heißt die Reifen sind nach innen geflanscht, was eine bessere Fokussierung des Sound zum Spieler hin gewährleisten soll. Dieses Design wurde von Slingerland bereits in den späten 50er Jahren entwickelt und bis Ende der 60er Jahre von mehreren – gerade auch deutschen – Herstellern, verwendet. Anfang der 70er Jahre setzten sich jedoch die von Ludwig favorisierten „Triple Flanged Hoops" am Markt durch.

Die Clips werden mit Gummiblöcken gegen den Hoop isoliert, die Kontaktfläche ist minimal, was sich auch auf den Sound auswirkt – dazu mehr an späterer Stelle.
Der Fellwechsel funktioniert völlig problemlos und ist mit ein wenig Übung unter zwei Minuten zu bewerkstelligen.

Beim „Super Sensitive Hi-Carbon" Snareteppich bedient sich Tama nicht nur neuer Materialien, auch die Laschen an denen die Snares angelötet sind wurden überarbeitet. Dadurch liegt der Teppich noch sauberer am Fell an.


Sound:

Die Trommel ist als Schlagfell mit einem Evans G1 und einem Hazy 300 als Resonanzfell ausgestattet. Es wird noch ein Dämpfring mitgeliefert, aber es stellt sich schnell die Frage, wozu eigentlich?
Ohne Probleme und mit wenig Aufwand, lassen sich so gut wie alle störenden Obertöne raus stimmen.
Das Brass Modell hat einen warmen satten Klang mit viel Punch sowie satte und kompakte Bässe im Sustain.
Die Trommel zeigt sich extrem flexibel, kann sowohl hohe knackige Töne erzeugen, aber auch „patschigen" Balladen Sound hervorbringen. Dabei bleibt sie aber in jedem Stimmbereich immer sehr klar fokussiert.

Da sie bereits mit den werksseitigen Fellen ungewöhnlich leicht zu beherrschen ist, kommt der Verdacht auf, dass die neuen Groved Hoops nicht nur praktisch bei einem Fellwechsel sind, sondern sich auch noch zusätzlich auf den Klang auswirken.

Daher interessiert mich weniger, wie sich die Trommel mit verschiedenen Fellen anhört, sondern vielmehr wie sie sich mit
anderen Spannreifen anhört.
Daher statte ich die Trommel mit herkömmlichen Triple Flanged Hoops aus. Der Verdacht bestätigt sich. Zwar ist das Brass Modell immer noch recht präzise, weist jedoch mit den herkömmlichen Reifen ein deutlich größeres Spektrum an diffusen Obertönen auf.

Dies ist damit zu erklären, dass die herkömmlichen Reifen über die Spannschrauben und Böckchen mehr Obertöne zum Kessel übertragen als das bei den Grooved Hoops der Fall ist. Sie weisen zwischen Sicke und Klammer nur eine minimale Auflagefläche auf, die dazu noch mit Gummipuffern abgedämpft wird.


Die Super Sensitive Carbon Snare Teppich ist von hoher Qualität, jedoch auch nicht unbedingt super sensibel. Ghost notes kommen zwar bei sauberer Spielweise gut zur Geltung, wer jedoch noch etwas "mehr Teppich" bevorzugt, sollte noch mit anderen Teppichmodellen experimentieren.




Als zweite der vier momentan lieferbaren Starphonic Modelle habe ich die
Aluminium Version zum Test
bekommen.

Konstruktion und Verarbeitung:

Der nahtlos gezogene Aluminium Kessel weist wie auch das Brass Modell eine Stärke von 1,2mm auf. Auch die Gratung stimmt mit der des Messing Modell überein. Ebenso ist die Trommel mit einer breiten Sicke versehen.
Sie sieht eigentlich völlig identisch aus, außer dass sie das typisch matte Finish von Aluminium aufweist.
Die Verarbeitung ist auch hier völlig makellos und der Kessel wirkt durch die leicht gebürstete Oberfläche extrem edel.


Sound:

Tama verspricht im Pressetext: „Diese Trommel ändert zweifellos ihre Meinung über Aluminium Trommeln“.
Auch diese Snare lässt sich mit den werksseitigen Fellen ohne Probleme und mit wenig Aufwand in die richtige Stimmung bringen.

Der Klang ist erwartungsgemäß warm und weich und hat einen größeren Anteil an Bässen dafür weniger Mitten als das Messing Modell, auch wenn sie – und das ist in der Tat untypisch - deutlich mehr Obertöne aufweist als die Brass Version.

Im Live Vergleich am Drumset setzt sie sich aufgrund ihres Frequenzgangs nicht so stark durch wie das Messing Modell und eignet sich somit gerade für diejenigen unter uns, die einen eher dezenteren Snaresound bevorzugen.

Auch bei diesem Modell verändert sich der Obertonbereich bei Benutzung von normalen Spannreifen, allerdings nicht so signifikant wie bei dem Messing Modell.




Als dritte der vier momentan lieferbaren Starphonic Modelle habe ich die 
Bubinga Version zum Test
bekommen.

Konstruktion und Verarbeitung:

Der 8-lagige Bubinga ist mit einer Außenlage matten, stark gemaserten Cordia Holz versehen. Der Kessel weist eine Stärke von 7mm auf, was dünner als die regulären Bubinga Snares ist. Das matte Cordia Holz läßt auch diese Trommel edel daher kommen und das Finish erinnert ein wenig an die Sonor Palisander Snares der 70er und 80er Jahre - ein Klassiker unter Sammlern.

Wie bei den beiden Modellen aus Metall ist die Gratung nach außen relativ rund gehalten und auch hier ist der Scheitelpunkt ca. 2,5 mm vom Kesselrand entfernt, der von dort ebenfalls steil zur Innenseite des Kessels abfällt. Was zu einem optimalen Sitz des Fellkragens und damit zur verbesserten Ansprache und besseren Resonanzverhalten führen soll.
Nicht nötig zu sagen, das auch hier die Holzverarbeitung makellos ist.


Sound:

Wie bereits gewohnt, lässt sich auch diese Trommel mit den werksseitigen Fellen ohne Probleme und mit wenig Aufwand in die richtige Stimmung bringen.

Der Klang ist erwartungsgemäß extrem  warm und weich und hat einen größeren Anteil an Bässen. Im mittleren und hohem Stimmbereich spricht sie sehr sensibel an und sie verbindet dabei, vemutlich auf wegen des dünner gehaltenen Kessels, die besten Anteile einer Metall und einer Holz Snare. Ohne Teppich gespielt klingt sie wie eine fetzige Timbale, die jeden Schlag in höchsten Tönen singen lässt.

Im mittleren bis tiefen Stimmbereich wird sie dann ganz fett, warm und voll und auch auch ziemlich laut .
Mit normalen Spannreifen verliert diese Trommel - gerade im oberen Stimmbereich - extrem an Kontrolle über die Obertöne. 



Als viertes und letzes der momentan lieferbaren Starphonic Modell habe ich die
Maple Version zum Test
erhalten.

Konstruktion und Verarbeitung:

Der Kessel besteht aus 6 Lagen Ahorn mit einer äußeren Lage satinierten Mappa Burl, das dem Vogelaugen Ahorn recht ähnlich ist - sehr Edel in jedem Fall!  Der Kessel weist eine Stärke von ca.6mm auf und ist damit noch dünner als der des Bubinga Modells. Die Gratung entspricht in Form und Qualität der des Bubinga Modells.


Sound:

Und natürlich auch hier lässt sich auch die Trommel mit den werksseitigen Fellen ohne Probleme und mit wenig Aufwand in die richtige Stimmung bringen.

Im Vergleich zum Bubinga Modell wartet das Maple Modell mit einer noch etwas besseren Focusierung im Tief- bis Mittenbereich auf - vermutlich auch bedingt durch den noch etwas dünneren Kessel. Der Klang ist vielleicht in tiefer Stimmung nicht ganz so fett wie bei der aus Bubinga, ist aber einfach ein Quentchen präsenter und weist eine fast unglaubliche erweiterter Frequenzbreite auf!

Auch das Maple Modell verliert mit normalen Spannreifen an Kontrolle über die Öbertöne.
 
Fazit:

Auch wenn die vier Starphonic Modelle mit Preisen zwischen ca. 500,- bis 700,- Euro je nach Modell nicht zu den ganz günstigen Angeboten auf dem Markt zählen, so warten sie mit einer ganzen Reihe technischer Innovationen auf.

Kessel sowie alle Hardwareteile sind absolut sauber verarbeitet und bewegen sich auf höchstem Qualitätsniveau.

Der Sound des
Brass Modells ist äußerst vielseitig und zudem sehr leicht zu variieren. Das ideale Allroundmodell für diejenigen, die einen in jedem Stimmbereich guten Sound mit minimalem Stimmaufwand erreichen möchten.

Das
Aluminium Modell ist weich und basslastig im Sustain mit einem ausgewogenen Anteil an Obertönen. Es eignet sich besonders für Drummer die einen zurückhaltenden warmen Sound bevorzugen.

Das
Bubinga Modell ist ebenfalls äußerst vielseitig, jedoch gerade im tieferen Stimmbereich noch einiges voller und weicher als das Brass Modell.

Das
Maple Modell ist nochmal einen Tick vielseitiger. Sie hat einen unglaublich (erweiterten) Frequenzbereich und verbindet das beste von Holz und Metall. 
Mein absoluter Favorit - hier im Test und auch bei allem, was ich in den letzten Jahren an Holzsnares gehört habe.


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Update: Di, 18. Mai 2010