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"HERR DER RINGE"
Gusspannreifen Pro und Kontra
Während Gusspannreifen über Jahrzehnte hinweg lediglich eine Domäne der Firma Gretsch war, haben die Hersteller Tama und Pearl Ende der 90er Jahre diese aufwendiger zu produzierenden und damit wesentlich teureren Spannreifen auch als Verkaufsförderung für ihre High End Kits für sich entdeckt.
Anfang des Jahrtausends begann der chinesische Hersteller Boga, Zulieferer für z. B. EMD (Stagg) sowie auch anderer renommierter Schlagzeughersteller mit der Massenfertigung, so dass Gusspannreifen erschwinglich wurden und jetzt sogar schon bei Sets unter 1000,- Euro angeboten werden.
Doch was haben Gusspannreifen eigentlich für Vorteile?
In den frühen Zeiten des industriellen Trommelbaus verwendete man einen gebogenen Flachstahl der an den Enden verschweißt wurde. Die Spannschrauben wurden am Reifen mit Metallklauen befestigt, ähnlich wie heute noch die Bass Drum Spannreifen. Dieses Prinzip kann bei einigen Modellen noch bis in die 50er Jahre beobachtet werden. Bei der sich ändernden Spielweise, bei der immer mehr Rim Shots eingesetzt wurden, verschlissen zunehmend die Stöcke an der scharfen Kante.
Slingerland löste dieses Problem, indem sie den Reifen nach innen bogen. Dieser so genannte Stick Safer Hoop war folglich ein Double Flanged Hoop (zweifach geformt, nach oben und nach innen). Um das häufige Durchrutschen des Reifens zu vermeiden, wurde um ihn ein Profil geformt. Der Tripple Flanged Hoop (dreifach geformter Reifen, nach oben, nach innen, nochmals nach oben und dann entweder nach innen oder außen) war geboren.
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Während Slingerland, sämtliche deutschen wie auch einige japanische Hersteller das nach innen gebogene Modell favorisierten, setzten Ludwig, Rogers und Camco auf die nach außen gebogene Version. Diese setzte sich auch ab Anfang der 70er Jahre endgültig durch.
Gretsch experimentierte mit dem Stimmverhalten von Trommeln und entwickelte den gegossenen Spannreifen, den „Die Cast Hoop". Guss ist wesentlich verwindungssteifer als der geformte Stahlreifen, woraus ein besseres Halten der Stimmung resultiert. Genau darin kann jedoch auch ein Problem liegen, denn Guss verzeiht beim Stimmen keine Fehler, die ein Stahlreifen durch seine Neigung zum Verwinden ausgleichen kann. Auch kleine Fehler in der Konstruktion der Trommel (Gratung) oder des Fells können beim Gussreifen kaum „rausgestimmt" werden.
Vielleicht wären die Gussreifen schon bald wieder auf Grund ihres höheren Preises vom Markt verschwunden, hätten sie nicht noch einen Nebeneffekt gehabt. Gussreifen tendieren auf Grund ihrer höheren Masse dazu, einen hohen singenden Ton zu produzieren, der von den Gussböckchen - die damals selbstverständlich nicht gegen den Kessel isoliert waren - auf die dünnen Gretsch Kessel übertragen wurden. Gerade bei hoher Stimmung wie im Jazz verwendet, kommt dieser Effekt besonders gut zum Tragen. Natürlich muss man berücksichtigen, dass die Jazz Drummer der damaligen Zeit die Trommeln auch gerne im Randbereich, mit viel Kontakt zum Spannreifen anspielten, was heute nicht unbedingt jeder tut.
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Bei der Snare ist ein ausgeprägter Rim-Click jedoch immer noch beliebt.
Bei heutigen Schlagzeugen werden die Böckchen durch Gummi isoliert! Ich befrage hierzu Gene Okamoto, Produktspezialist bei Pearl USA: "Natürlich war uns klar, dass wir konsequenter Weise auf die Unterlagen hätten verzichten müssen, jedoch hätte man uns in jedem Testbericht vorgeworfen, dass wir die Unterlagen schlicht vergessen hätten. Außerdem wollen Rockdrummer ja gar nicht diesen singenden Kesselton. Die Möglichkeit die Unterlagen optional anzubieten war in der Praxis nicht zu realisieren."
Unter Umständen kann der höheren Masse des Reifens ein gewisser percussiver Attack zugeschrieben werden, jedoch hängt dieser auch ganz entscheidend von Kesselmaterial, Gratung und Fellen ab.
Nicht zu Vernachlässigen ist auch das höhere Gewicht der Gussreifen, denn auch der Sound ändert sich, je mehr Gewicht auf dem Kessel lastet, ganz zu schweigen, dass der Drummer auch mehr zu schleppen hat, Yamaha versucht das mit leichteren Aluminium Gussreifen auszugleichen.
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Klar punkten Gussreifen in der Optik, denn sie sehen einfach Klasse aus. Besonders elegant die klassischen Premier Gussreifen (nicht zu verwechseln mit den chinesischen Modellen des Cabria XPK) mit dem die Premier Series Elite ausgerüstet wird.
Und wie sieht es mit der Haltbarkeit aus?
Bei normaler Behandlung kein Problem, doch fällt eine Trommel auf den Gussreifen so kann dieser brechen, bzw. bricht beim Versuch ihn wieder gerade zu biegen. Stahlreifen sind da aufgrund ihrer Beschaffenheit nicht so empfindlich.
Auf das Zusammenspiel aller dieser Komponenten kommt es an. Es ist ein Irrglaube, dass mit Gussreifen ausgestattet eine Trommel sofort auch besser klingt.
Spaßeshalber habe ich eine Pearl Chad Smith Signature Snare mit Gussreifen bestückt. Das Ergebnis ist ernüchternd. Das ausgewogene Klangspektrum dieses Bestsellers verschiebt sich tonal um eine ganze Ecke in höhere Frequenzen, sie knallt dass einem die Ohren klingeln. Auch die Ludwig Supra Phonic verliert deutlich mit Gussreifen, was erklärt, dass es eine ganze Reihe Snares in der Oberliga gibt, die mit Stahlreifen ausgestattet werden. Hier haben sich die Produktspezialisten einfach was dabei gedacht.
Auch für John Good spielt nicht nur der Preis eine Rolle, DW Schlagzeuge (außer der neuen Jazz Serie) mit Triple Flanged Hoops auszurüsten.
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Fazit:
Gussreifen sind kein Garant für besseren Sound, daher wird es auch weiterhin Sets mit Stahlreifen geben. Die leichten Vorteile in Optik, besseres Halten der Stimmung sowie beim Attack werden durch ihre Nachteile in schlechterem Stimmverhalten und Haltbarkeit sowie höherem Preis und Gewicht ausgeglichen.
Ein guter Mittelweg können die etwas stärkeren 2,3mm Stahlspannreifen (Powerhoop / Superhoop etc…) sein, die bei geringen Gewicht und guter Haltbarkeit auch das Halten der Stimmung sowie Attack leicht verbessern können.
Grundsätzlich gilt aber auch hier:
Die Ohren entscheiden lassen, denn es wird weiterhin Schlagzeug ohne Gussreifen geben die super klingen und auch welche, die trotz Gussreifen nicht überzeugen können.
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