Der Flug des Phönix

Die neue Yamaha PHX Serie

PHX steht für den Namen Phönix, ein wunderschöne Bezeichnung für ein Schlagzeug.
Bereits in der ägyptischen Mythologie gibt es Benu, meist dargestellt in Form eines Reihers, der im Abstand von mehreren hundert Jahren erscheint, bei Sonnenaufgang in der Glut der Morgenröte verbrennt und aus seiner Asche verjüngt wieder aufersteht.
Im Antiken Griechenland wurde er als Phönix überliefert.
In der Spätantike wurde der Phönix dann zum Symbol der Unsterblichkeit, da er die Fähigkeit hatte, sich zu regenerieren, wenn Feinde ihn verwundet hatten.
Bei den Christen schließlich war er Sinnbild der Auferstehung. (
Quelle Wikipedia).

Man kann spekulieren warum Yamaha gerade diesen Namen für ihr neues Flagschiff ausgewählt
hat.
Soll es die Wiedergeburt nach dem Weggang des Chefdesigners Takashi „Hagi" Hagiwara
darstellen oder die Unsterblichkeit dieses Konzepts widerspiegeln.


Wie schon in der Artikelreihe auf dem Holzweg angedeutet, ist es für einen renommierten Hersteller keine Herausforderung mehr einen einfachen Ahorn oder Birke Kessel im High End Bereich anzubieten, da diese Hölzer durch die Öffnung des chinesischen Marktes bereits im gehobenen Einsteigerbereich zugänglich sind.
Ausnahme ist hier
DW, die noch immer fast ausschließlich mit Ahorn arbeiten, sich jedoch auf alternative Verarbeitungsmethoden eingeschworen haben. Tama bietet Bubinga, Pearl afrikanisches Mahagoni und Sonor hat die Buche wieder entdeckt.

Yamaha bringt ganz neue Hölzer ins Spiel, die bisher kaum im Trommelbau verwendet wurden.
Die Kessel der Phönix Serie bestehen aus einer 11-lagigen hybrid Konstruktion. Sie bestehen aus dem hauptsächlich in Süd-Amerika vorkommende
Jatoba, sowie Kapur, einem Holz der Shorea Familie, gepaart mit geknoteter Esche und Ahorn. Der Kessel wird von seinem sehr harten inneren Jatoba Kern nach beiden Seiten progressiv weicher.

Jatoba (Hymenaea courbaril) kommt hauptsächlich in den Regenwäldern von Brasilien, aber auch in Mexiko, Westindien und Bolivien vor und wird auch südamerikanische Kirsche genannt.
Es hat eine Rohdichte, 950 kg / qm bei 15% Feuchtigkeit, ist also deutlich härter als Ahorn oder Birke und auch etwas teurer. Es wird jedoch nur für die mittlere Kernlage des Kessels verarbeitet. Es kann leicht mit Jaboty oder Jutai (auch Jatai genannt) verwechselt werden und man geht davon aus, dass es sich bei 20% der verkauften Jatoba Menge um das minderwertige (wegen verstärkter Rissbildung) Jutai handelt, da die Endabnehmer kaum den Unterschied erkennen können. Es wird normalerweise hauptsächlich im Parkett und Treppenbau verwendet.
Aus der Rinde des Baumes gewinnen übrigens einige Indio Stämme einen Aufputsch-Tee.

Kapur (Dryobalanops aromatica) hat eine rotbraune, einheitliche Farbe und ist mit einer Rohdichte, 850 kg / qm bei 15% Feuchtigkeit ebenfalls härter. Yamaha gibt in seiner Pressemitteilung an, dass es zur Mahagoni Familie zählt, was jedoch nicht ganz korrekt ist. Zwar wird es im Holzhandel dem „philippinischen Mahagoni" zugeordnet (Federal Trade Commission § 250.3), hat jedoch botanisch nichts mit dem afrikanischen Edelholz (Khaya ivorensis) gemein. Dieses gradfasrige, grobporige Holz, ist dem Meranti nahe verwand, einem Holz, das seit Jahrzehnten hauptsächlich bei Einsteigersets aus Fernost verwendet wird. Es wird wegen seines aromatischen Geruchs auch als "Borneo Kampherholz" bezeichnet.


Der Kesselaufbau sieht wie folgt aus (siehe auch Grafik):

Burled Ash Finish: Außen 1 x geknotete Esche, 1 x Ahorn 3 x Kapur, 1 x Jatoba, 4 x Kapur, 1 x Ahorn

Maple: 1 x Ahorn, 4 x Kapur, 1 x Jatoba, 4 x Kapur, 1 x Ahorn.

Dabei erreicht der Kessel eine Stärke von mehr als einem Zentimeter, Dimensionen wie wir sie seit Mitte der 90er Jahre kaum noch kennen. Trotzdem empfand ich den Sound sehr musikalisch und transparent, was auch der Frequenzvergleich zwischen einem Maple Custom Absolute (siehe Diagramm) bestätigt. Lediglich im Frequenzbereich zwischen 50-100 Hz sorgt der PHX Kessel für deutlich mehr Druck.

Alle Trommeln sind mit einer 30° Kante ausgestattet, einen Winkel, der den Sound etwas weicher macht.
Jedoch ist die Gratung bei Bass Drums, Floor Toms und Toms leicht unterschiedlich ausgeformt. Die Bass Drums haben eine etwas schärfere Kante in Richtung der äußeren Schichten, was zu mehr Attack und einen schnelleren Ausklang führen soll.

Die Floor Toms haben leicht abgerundete Kanten um eine perfekte Balance zwischen Attack und Sustain zu gewähren. Die Toms haben sogar ein noch runderes Profil für sehr viel Wärme und Sustain.

Maple Innen und Maple oder Esche Außen – warum?
Zum einen spielt Ahorn beim Klang eine Rolle, es macht den Sound runder und fügt Mitten und Höhen dazu.
Zum anderen dient es der Verbesserung der Optik, denn die Esche hat eine sehr schöne Maserung, die bei transparenten Lacken sehr gut zur Geltung kommt. Es kann auch damit zusammenhängen, dass Kapur je nach Trockenheitsgrad zum "Bluten" neigt, d.h., es werden wasserlösliche Inhaltsstoffe ausgeschieden, die sich bei Regen in der Oberfläche des Holzes anlösen, was zum Problem bei der Lackierung werden kann.

Die Böckchen sind eine Weiterentwicklung der Noveau Lugs, in rechteckiger Form und optisch viel ansprechender als die runde Ausführung. Auch haben sie laut Yamaha den Vorteil, dass sie im Gegensatz zur runden Version mit einer Hand stimmbar sind.


Als Spannreifen werden die aus der Absolute Serie bekannten Aluminium Druckgussreifen verwendet. Sie sollen für einen offenen Sound herkömmlicher Stahlreifen in Verbindung mit Stimmstabilität von normalen Gussreifen sorgen (siehe auch Artikel: „Herr der Ringe")

Wie ja schon öfters angemerkt, bin ich ein Anhänger des Yamaha YESS Systems, das ich optisch als auch technisch für die perfekte Lösung halte. Sicher gibt es Lösungen die in Messversuchen noch ein wenig mehr Sustain unterstützen, aber Hand aufs Herz, wer braucht wirklich mehr Sustain als beim YESS.
Die neue Version II besteht aus einer schwarzen Holzplatte, die oben und unten am Kessel mit speziellen Gummipuffern, bei denen keine Metallverbindung zum Kessel besteht, befestigt ist.
Optisch schöner wäre das ganze vermutlich, wenn die Holzplatte die Kesselfarbe hätte, was jedoch vermutlich produktionstechnisch kaum zu realisieren wäre. Im Messversuch lässt sich ein etwas besseres Sustain feststellen (siehe Diagramm), wobei ich optisch dem originalen YESS klar den Vorzug gebe.

Die Trommeln sind je nach Dimension mit einem bis zu zehn Resonanzlöchern ausgestattet.
Die PHX Serie ist bei einer Außenlage Ahorn in den Farben Matte Natural, Matte Black, Polar White, and Cherry Sunburst, mit einer Außenlage Burled Ash in Garnet Fade, Sapphire Fade, Turquoise Fade, Textured Amber Sunburst, und Textured Black Sunburst erhältlich.
Es gibt die Wahl von Chrome oder Gold Hardware.



Aber nicht nur Kesselaufbau und Kesseldicke stellen eine neue Dimension dar.

Auch die
Preise haben eine neue Dimension erreicht.
Zwar gibt es noch keine offizielle Preisliste, inoffiziellen Angaben zufolge soll aber zum Beispiel eine 22" Bass Drum ca. 2800,- Euro kosten.


Seitenanfang/top


© drummermagazin.de
Update: Di, 18. Mai 2010