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Beat It - Onkel Bob’s Aug- und Ohrenschmaus
Wer weiß schon, wo Calgary liegt?
Nicht umsonst heißt dieses große Dorf bei den Kanadiern immer noch >Cowtown< - weil dort nämlich früher die Rinderherden aus der Prärie in die Schlachthöfe getrieben wurden. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde ein bißchen Öl entdeckt, entfachte einen großen Boom, und dann ging’s unaufhaltsam aufwärts.
Inzwischen hat die Stadt traurige Bekanntheit erlangt mit der äußerst umweltschädlichen Erdölgewinnung aus dem Sand im hohen Norden der Provinz Alberta.
Und obendrein die schwindelerregende Größe von über EINER Million Einwohner erreicht, wer hätte das je gedacht? Ganz Kanada hat doch bloß schlappe 33, und das auf einer Fläche, in die das bunte Lena-Ländle Deutschland leicht 40mal hineinpassen würde.
Ziemlich leer hier.
Ach ja, und dann hat doch uns’ Kati da mal ihre Jungmädchen-Pirouetten gedreht, Anno ’88? Ansonsten ist aber nicht viel los im Wilden Westen, höchstens mal’n besoffner Bär beim Steppversuch.
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Aber halt: mittendrin im Getümmel, an einer richtig belebten Straße, steht da plötzlich ein zermartertes Schlagzeug auf dem Bürgersteig herum, und wer sich die Mühe macht, erst durch das große Fenster zu linsen und anschließend die kleine Türe durchschreitet steht plötzlich im Schlaraffenland!
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Nein, es fliegen einem keine gebratenen Tauben in’s staunend aufgerissene Maul hinein, aber man ist auch ohne solcherlei Delikatessen sofort mit der Frage beschäftigt: erst den Geifer abwischen oder doch lieber die Freudentränen eindämmen?
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Man ist in Bob Everett’s >BEAT IT< gelandet, einem kleinen und äußerst feinen Trommellädchen, wo manch einer zuerst gar nicht glauben mag, dass wirklich fast alles auch zu verkaufen ist.
Eher will man doch annehmen, es handle sich um ein privates Museum, eine Geheimaddresse die nur reputablen Sammlern und Genießern verraten wird. Da hilft nur: kräftig in die wirbelgestärkten Unterarme kneifen, jede Seite bitte zweimal. Und dann kann die Besichtigung losgehen.
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An fünf Tagen pro Woche ist der gute Bob nun in seinem Emporium anwesend, um mit Freunden und Sammlern, Neugierigen und auch jeder Menge Kinder und Jugendlichen die Ohren & Trommelfelle zu traktieren.
Es gibt guten Kaffee für jeden, der seinen Weg bis an den hinteren Verkaufstresen findet aber das ist schon der erste Hindernislauf: ein knappes Dutzende Schlagzeugen ist in der Mitte des Ladenschlauches aufgebaut, hinzu kommen weitere Preziositäten auf den Regalen rechts und links. Im unteren Teil auch neue und edle Trommeln, von der kanadischen Firma Ayotte (in kleinen Stückzahlen in der Nähe von Vancouver produziert) bis hin zu billigen Trixon-Nachbauten, natürlich aus Cheap-Cheap-China; darüber jedoch die allerfeinsten Raritäten.
Zum Teil auch nur ausgestellt und nicht zum Verkauf, aber das trifft gerade einmal auf 10% des umfangreichen Inventars zu.
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Und was findet man da so alles?
Ludwig, Gretsch, Slingerland, Rogers, Hayman, Milestone die amerikanischen Klassiker an erster Stelle natürlich.
Desweiteren Sonor, Premier, Fibes, Camco und Consorten.
Aber es steht auch mal was „Modernes“ dazwischen, ein riesengroßes Tama Superstar aus den frühen 80ern mit vier Hängetoms, fast schon die Billy Cobham-Version, nur nicht in gelb; seines hatte fast die doppelte Anzahl an bodenlos-tiefen, noch besseren Monsterkesseln.
Yamaha und Pearl natürlich, Masterseries plus weitere Leckerbissen. Nix von DW. Dutzende von älteren Pedalen, Hihats, Snare Drums, Beckenständern, Zubehörteilen in den hohen Regalen hinter’m Tresen, eine Ecke voller gebrauchter und neuer (türkischer Agean-) Becken aller Art und Größe.
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Und untendrunter geht’s ganz munter - weiter.
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Dort im Keller ist ganz hinten eine Bühne aufgebaut, mit einem weiteren, noch größeren Tama-Set (2 BD hello, Billy!), original Hammond B3, Röhrenverstärkern, Boxen usw. ready to rock, just bring your stix or guitar. Natürlich wird dort gejamt, auch so manches Konzertchen abgehalten, aber vor allem: Unterricht. Bis zu 8 Kinder können gleichzeitig die Felle traktieren, auf allerlei gemischten Kits. Das sind dann kleinere Schlagzeuge, die in der klassischen Jazzkonfiguration aufgebaut sind (18/20-13-16), genau richtig für die den Rabatznachwuchs zwischen 6 und 14 Jahren.
Einige kaufen sich auch gleich so ein Set für zuhause, andere probieren erstmal ein paar Wochen lang aus, ob die Trommelei zusagt für 100 Bärentaler (ca. 70 Euro) pro Monat kein schlechter Deal; Musikschulen fangen meist beim Doppelten an.
Zum Glück gibt es hier in fast jedem Eigenheim einen Keller, dazu noch eine kleine Garage, und da wesentlich mehr Leute garnicht erst in Mietwohnungen oder sonstig einschränkenden Asylen hausen müssen, wird auch bei der ersten zarten Äußerung eines Sprößlings, der doch mal bißchen trommeln will, nicht sofort mit Ruhestörung, Lärmverordnungen, genervten Nachbarn oder der geschlossenen Anstalt gedroht.
Im Gegenteil, es gibt viel mehr Kinder als in Europa, die schon mal die Stöcke geschwungen haben und natürlich auch entsprechend viele gebrauchte Kits auf dem Markt. Von daher ist Nordamerika ein Kaufparadies, und Onkel Bob’s Emporium eines der absoluten Highlights.
Ähnliche Läden findet man ansonsten nur in den amerikanischen Großstädten, vor allem an der Ostküste, z.B. Philadelphia, NY und Chicago, oder über’s WWW - Stichwort: Vintage Drums.
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Tja, und wie kommt man nun in diese Kuhstadt, warum überhaupt und wieso?
Weil dieses Städtchen nämlich noch Einiges mehr zu bieten hat: da ist zum einen die jährliche Stampede, das angeblich größte Rodeo der Welt (nur - wer will sich schon tottrampeln lassen von müden Rindern und überzuckerten Kindern?), dann noch die Rockie Mountains in Steinwurfnähe, samt Banff und Lake Louise. Für die Fans der rasantesten Puderzucker-Abhänge. Natürlich ist die medizinische Versorgung auch erstklassig, Spezialität: Hals & Beinbruch.
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Aber soweit muß man es garnicht erst kommen lassen, eine Sommerreise ist genauso vergnüglich. Lusthanse oder Air Canada fliegen von Frankfurt in neun Stündchen (dicke Socken mitnehmen die kürzen über den Nordpol ab!) herrüber, und anschließend sucht man sich ein Mietgefährt und gondelt gemütlich bis an die Westküste, schaut sich Vancouver mit seiner interessanten Musikszene und die Inseln an, und alles was dazwischen liegt. Die Rundfahrt lohnt sich, wenn man 2-3 Wochen Zeit hat, und mindestens 3000 km abspulen will.
Natürlich darf’s auch gern ein bisschen mehr werden, da ist ja noch der Yukon ...sein Motorrad kann man übrigens auch bequem rüberfliegen lassen.
Die AC hat recht gute Tarife.
Obendrein gibt es sogar zwei nette BMW-Gebrauchthändler in Calgary und Vancouver, die immer schöne Böckchen aus den 70er bis 90er Jahren zum Verkauf herumstehen haben, für relativ wenig Geld (kann man auch re-importieren, per Luftfracht begleitend zurückschicken, oder bis an die Ostküste durchkullern und sich dann samt Zweirad auf einem Containerriesen einschiffen. Alles eine Frage der Zeit und guten Laune).
Und wie bringt man nun die Traumtrommeln, denen man im BEAT-IT-Wunderland nicht widerstehen konnte, nach Hause???
Ganz einfach: alles auseinanderschrauben, mit viel Luftpolsterfolie und Pallet-Wrap (30-50cm breite professionelle Schrumpffolie aus dem Verpackungsladen >Shipping Supplies<) ineinander schieben, und als große Gepäckrolle aufgeben - je nach Menge der schon erstandenen Souvenirs (was willst Du eigentlich mit dem Elchgeweih gibt’s bei Euch kein Ikea?) klappt das ganz gut.
Ist der Einkauf ein bisserl umfangreicher, tut’s auch die Luftfrachtabteilung (übrigens: Lufthansa und AC sind Partnergesellschaften) ohne zwingende Zuhilfenahme einer teuren Spedition. Das läßt sich relativ leicht am hiesigen Flughafen in der Frachtecke abwickeln.
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Falls jemand wirklich mal sowas vorhat, stehe ich gerne mit Rat und Tag zur Verfügung.
Meine kleine Einmannfirma importiert wöchentlich Maschinen und Teile aus olle Germansky, da lernt man schnell die Tricks.
Und bei Gelegenheit wird auch mal über weitere Trommel-Aficionados hier drüben berichtet, da gibt es manch private Sammlung, einen jungen Mann der wunderbare Restaurierungen ausführt, und mehr.
Aber nun erstmal viel Spaß beim Anschauen der Fotos!
(Alle Bilder von "Beat it" in Calgary ansehen)
Leon Esch
(leaux@telus.net)
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Premier 80's Soundwave
An dieser Stelle möchte ich von einem ganz außergewöhnlichen Drumset berichten.
Es handelt sich um ein Premier Soundwave aus dem Jahr 1981.
Die Soundwave Reihe tauchte zum ersten Mal neben der Resonator und Elite Serie im Katalog von 1978/1979 auf. Sie ist zunächst in den Standard Finishes - vornehmlich Folien - erhältlich.
Die Kessel sind Premier typisch aus Birkenholz mit Buchen Verstärkungsringen. Die Böckchen beschreibt Premier als "smart designed" aus heutiger Sicht würde ich sie eher als etwas schrullig, jedoch 100% eigenständig beschreiben wehalb Viele den britischen Hersteller lieben gelernt haben.
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1981 kam dann eine 4-Seitige Broschüre, in der die New Soundwave Serie vorgestellt wurde. Neuerung waren die leicht unterdimensionierten Kessel, die ein besseres Aufschwimmen der Felle ermöglichte und nach und nach in allen Premier Serien Einzug hielt. Auch Heute bestimmt diese Bauart den Premier typischen Sound.
Auf dem Deckblatt dieser Broschüre war ein ST1 Outfit (22"x 14"/13x 9"/14"x 10"/16"x 16" + 14"x 5" Snare) im Finish Birch/Rosewood/Birch abgebildet. Die beiden inneren Seiten zeigen in schwarz/weiß verschiedene Konfigurationen und Hardwareoptionen.
Auf der Rückseite waren die vier erhältlichen Finishes sowie fünf Premier Endorser Phil Collins, Carl Palmer, Kenney Jones, Harvey Mason und John Coglan abgebildet. Die New Soundwave Serie war in den Finishes Birch, Rosewood, Birch/Rosewood/Birch sowie Rosewood/Birch/Rosewood erhältlich. Die beiden Letzen sind ein Zeugnis von aufwendiger Handarbeit, wie sie zu dieser Zeit in Europa noch möglich war, denn die verschiedenen Rosewood Streifen wurden mit Hilfe von Klebefolien aufwendig auf den Kessel aufgebeizt.
Bei dem Set über das hier schreibe, handelt es sich um ein Premier New Soundwave ST1 in der Farbe Rosewood/Birch/Rosewood, gekauft am 14. 04. 1981 in Alex Mühlbauer's PPC in München.
Alex erinnert sich auch noch daran, dass er nur ein paar wenige dieser Sets in Birke und eben diesem Rosewood/Birch/Rosewood bei Premier geordert hatte.
Die Soundwave Serie wurde dann auch bald durch die Projector Serie abgelöst.
Das Set ist aus 1.Hand und in einem dem Alter entsprechend gutem Zustand. Die Chromqualität ist von vorzuglicher Qualität und es ist kein Geheimnis, dass sich sämtlicher Schlagzeughersteller dieser Zeit - auch Sonor - daran orientierten. Die Oberfläche ist abgesehen von einigen wenigen Kratzern, die in so einem langen Schlagzeug Leben selten ausbleiben, immer noch ein beeindruckender Anblick. Der Sound ist warm, mit einer guten Portion an Attack, sowie lang anhaltendem Sustain. Er steht in keiner Weise den High End Schlagzeugen der heutigen Tage nach. |
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Es zeigt einmal mehr, dass man weder Rimsystem noch CNC Fräsen benötigt um gute Trommeln zu bauen.
Etwa 1 Jahr später orderte der Besitzer eine zweite Bass Drum nach, die leicht an der etwas dunkleren Rosewood Beize zu erkennen ist. Ein sehr seltenes Drumset aus der guten Zeit für Premier.
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