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Interview mit JON HISEMAN
Jon Hiseman gehört immer noch zu einem der einflussreichsten Drummern im Europäischen Raum. „Phänomenale Technik ist mit unglaublicher Musikalität und großem Showtalent verbunden" wurde ein Artikel über ihn überschrieben. Gerade in Deutschland ist er eine lebende Legende, was nicht zuletzt auch mit seiner Präsenz durch das United Jazz and Rock Ensemble zusammen hängt. Im Gegensatz hierzu ist er im Amerikanischen Raum so gut wie unbekannt und taucht bei Umfragen, zum Beispiel des Modern Drummer nicht einmal unter den ersten 50 auf. Neben seiner Tätigkeit als Bandleader und Schlagzeuger bei Colosseum und Barbara Thompsons Paraphernalia ist Hisemean heute ein äußerst erfolgreicher Musikproduzent, unter anderen auch für Filmmusik. Ich hatte die Möglichkeit in verschiedenen Gesprächen seinen Werdegang aufzuzeichnen.
DM: Jon, wie hat das bei dir mit dem Schlagzeugspiel angefangen?
JH: Ich erinnere mich, dass ein Freund und ich an einem verregneten Nachmittag mit Stricknadeln auf einer Plastikschüssel rumtrommelten. Als ich an diesem Abend nach Hause ging hatte ich einfach das Gefühl ich müsse eine Trommel haben. Mein Vater baute mir darauf ein Set aus Farbdosen und Kartons und schnitzte mir ein Paar Stöcke das war 1953. Später bekam ich ein Waschbrett auf dem ich mit Besen spielte. Jemand von der örtlichen Kirche hörte mich und fragte ob ich nicht in ihrer Skiffle Band spielen wolle.
Dort lernte ich Dave Greenslade und Tony Reeves (später Colosseum) kennen. Wir spielten u. A. unter dem Namen THE WES MINSTER FIVE. Danach begann ich mich für Jazz zu interessieren und spielte mit Mike Taylor, dort lernte ich bereits Jack Bruce kennen. Wir nahmen zwei Platten auf. Mit 18 verließ ich die Schule und schaute mich nach einem Job als Drummer um. Den bekam ich in der Begleitband eines Londoner Clubs. Wir spielten dort mit den Jazzgrößen der damaligen Zeit. Mit Jack Bruce gründete ich dann die Band „Group Sounds Four". Innerhalb kürzester Zeit wurden wir eine der bekanntesten Jazzbands in England obwohl wir keine Platte hatten, denn gerade als wir ins Studio wollten, wurde Jack gefragt ob er bei Cream einsteigen wolle. Das war alles noch Semi - professionell. Kurz darauf rief mich Graham Bond an, denn Ginger (Baker) war ja auch zu Cream gegangen. Ab diesem Tag 1966 war ich Profi Musiker.
DM: Kannst du die Zeit mit Graham Bond beschreiben?
JH: Graham war ein ganz außergewöhnlicher Mensch ziemlich verrückt … in positivem Sinn. Eben die Geschichte vom Kühlschrankvertreter der ganz nebenbei zum besten Nachwuchsmusiker gewählt wird und eine der einflussreichsten Bands dieser Zeit gründet. Was er leider nie verstanden hat war, dass wenn du viel verdienen willst, du die Musik spielen musst, die die Leute hören wollen. Das größte Problem war aber seine Heroinsucht. Wir nahmen eine Single auf. Graham bekam dann Geld für weitere Aufnahmen. Wir gingen um Mitternacht ins Studio und beendeten die Aufnahmen morgens um sechs Uhr. Den Vorschuss ging für seine Sucht drauf und die Tapes landeten im Archiv. Später wurden die Aufnahmen auf „Solid Bond" veröffentlicht. Ich habe nie einen Penny dafür gesehen aber was willst du dich wegen sechs Stunden Arbeit aufregen. Graham ging dann zum kalten Entzug nach Irland aber danach ist er nie mehr der Alte gewesen aber er hat immer wundervoll gespielt.
DM: Danach spieltest du mit Georgie Fame
JH: Ja, wir machten viel Kabarett, John McLaughlin war auch dabei. Georgie beschloss dass sich die Band aufwärmen sollte bevor er auf die Bühne kam. So spielten wir fünfzehn Minuten verdammt gute Musik und Georgie liebte es. Vier Monate nachdem ich Graham Bond verlassen hatte bekam ich einen Anruf von ihm, er brauche dringend einen Drummer für einen Gig. Wir spielten zweieinhalb Stunden Non Stopp, ich meine wirklich ohne Unterbrechung, schade dass das niemand aufgenommen hat. John Mayall war im Publikum. Als ich um zwei Uhr morgens nach Hause kam saß John bereits seit Stunden vor der Tür und wartete auf mich. Er sagte: "Right, you're going to join THE BLUESBREAKERS". So verließ ich Georgie Fame und ging zu den Bluesbreakers. Ich spielte dort ein halbes Jahr bis ich John sagte, es würde besser zu ihm passen er würde ohne Schlagzeug spielen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er jedoch noch nicht den Mut dazu. Seine erfolgreichste Zeit hatte er dann jedoch später ohne Schlagzeuger.
DM: Er galt als harter Bandleader, kannst du das bestätigen?
JH: Nein, ganz und gar nicht. Er war einfach nur gradlinig. Das ist besser als jemand der schlechte Stimmung verbreitet und hinter deinem Rücken schlecht über dich redet. Ich fand ihn wundervoll.
DM: Wie entstand dann Colosseum?
JH: Geplant war ein zweiwöchiger Urlaub, danach sollte ich mit John nach Amerika gehen. Ich war mit meiner Frau Barbara (Thomson) in Italien. Eines morgens schaute ich von einem Hügel auf das Colosseum und sagte plötzlich zu ihr: „ Ich werde nicht nach Amerika gehen, ich mache meine eigene Band und die heißt Colosseum, das heißt ich sagte Jon Hisemans Colosseum." Sie erwiderte so was wie:"Aha, so so". Und wir sprachen nicht mehr darüber. Zurück in London rief ich John an dass ich nicht mit nach Amerika gehen würde.
DM: Der erste den du anriefst war Dick Heckstall Smith, was hatte er das dich glauben ließ mit ihm könntest du es wagen eine eigene Band zu gründen?
JH: Well, Dick war ein sehr gradliniger, bodenständiger Typ. Ein intelligenter sowie Interessanter Mann mit einer einzigartigen Art das Saxophon zu bedienen. Ich dachte mir dass er gut in einer Rock Band mit Gesang harmonieren würde.
DM: Laut Dick hattest du ursprünglich vor eine Band mit ihm zu machen, dann fragtest du ihn ob er bei deiner Band mitmachen würde. Wie kam es hierzu?
JH: Ich kann nicht sagen was wir meinten, wir würden eine Band zusammen machen. Finanziell war Colosseum immer eine Partnerschaft. Wir haben immer jedes Einkommen geteilt. Jedoch sollten die Leute das machen worin sie gut sind. Dick war immer darin gut auf der Bühne zu stehen und zu spielen, er war jedoch sicherlich kein Organisator das ist meine Stärke, dafür hat Dick einige fantastische Stücke geschrieben. Jeder trägt seinen Teil zum gelingen bei und nur so funktioniert es.
DM: Colosseum war ein Stilmix suchtest du danach?
JH: Ich mochte einige amerikanische Jazzbands sehr aber denke als Europäischer Drummer der Jazz spielt bist du immer zweitklassig. Ich spielte zum Beispiel mit Jack Bruce und John McLaughlin, das ging ich mit einem Jazz-feel an. Wir spielten Sachen die später Mahavishnu machte, aber es war erst Billy Cobham der das Potenzial erkannte und die Funky Note dazu brachte. Als Panamese konnte er was ganz anderes beisteuern als ich mit meinem damaligen Backround. Es ist einfach eine amerikanische Kunstform. Ich wollte was Eigenes machen.
DM: War es nicht sehr schwer, sich mit dieser Art von Musik zu etablieren?
JH: In jenen Tagen war das so einfach, wir probten in einer alten Halle und hatten einige Stücke. Ein Freund empfahl mir Gerry Bron (Bronce records, Juicy Lucy, Uriah Heep, Motörhead), ich rief ihn an und er kam am nächsten Tag zur Probe. Vier Stunden später hatte ich 5000 Pfund (ca. 30.000 Euro) in der Tasche um Equipment zu kaufen. Wir hatten zwei ältere Männer die die Bookings machten. Am Montag bekamen wir die Termine für Donnerstag und die darauf folgende Woche. Das gab uns drei Tage Zeit uns vorzubereiten wo wir die nächste Woche spielten. Das waren auch keine Touren, wir fuhren kreuz und quer, wie gestörte…eine ganz andere Zeit. Nach unserer ersten LP spielten wir ein paar Gigs in Dänemark. Als wir zurück kamen sollten wir in einem kleinen Ort in der Nähe von Dover spielen. Seltsamer Weise war die gesamte Innenstadt abgesperrt und wir waren sauer, weil wir dachten sie hätten uns mit einem Top Act wie The Who oder ähnlichen gebucht und wir könnten nur 45 Minuten spielen. Als wir aber in die Halle kamen waren nur unsere Roadies da. Es stellte sich heraus, dass wir der Top Act waren, da wir inzwischen in den Charts waren. Es ging alles wie von selbst.
DM: Den Durchbruch in Amerika habt ihr jedoch nicht geschafft.
JH: Unsere einzige US Tour war eine große Enttäuschung! Der erste Gig war in Brigewater (Maine) aber der Gig war am Abend vorher. Der zweite Gig war „The Boston Teaparty" und wir hatten einen riesen Erfolg. Wir dachten jetzt haben wir es geschafft: „We cracked America". Von da wurde es von Gig zu Gig schlechter. Wir spielten Filmore West und unser Support war Chicago Transit Authority". Zu diesem Zeitpunkt spielten sie noch drei Harmonien Pop. Sie meinten was für eine interessante Idee, Jazz Solos mit Gesang und Rock-Rhythmus zu kombinieren. Neun Monate später nannten sie sich Chicago, der Rest ist (Rock-) Geschichte.
DM: Was war das größte Problem mit Colosseum?
JH: Wir haben nie den richtigen Mix in der Besetzung gefunden. Mit James Litherland unserem ersten Gitarristen und Sänger sind einige schöne Sachen entstanden, trotzdem hatten wir das Gefühl, dass was fehlt. Dave (Clemson) der ihn ersetzte konnte ebenfalls den Gesang manchmal nicht bringen. Als Chris (Farlowe) als Sänger kam dachten wir er wird uns den großen Durchbruch bringen. In Deutschland war das auch so, da uns die Leute erst mit „Live" entdeckten, aber in Gegenden wo wir bereits erfolgreich waren mochten manche den Wechsel nicht, da Chris zum Beispiel in England ein Pop-Sänger war. Natürlich wurde es bei jedem Wechsel stabiler, da wir ja wieder mehr darüber wussten wonach wir eigentlich suchten, den optimalen Mix haben wir damals jedoch einfach nicht gefunden.
DM: Denkst du in Hinblick auf den vergleichsweise großen Erfolg in Deutschland und Italien, dass der „Prophet im eigenen Land" nicht so erfolgreich ist?
JH: Wir hatten auch Erfolg in England, jedoch vergessen die Engländer schneller, was vielleicht der Grund dafür ist, dass dort ständig neue Trends entstehen. (!!)
DM: Hat sich das Publikum verändert?
JH: Zu Beginn haben alle getanzt, nach neun Monaten jedoch saßen die Leute und hörten zu. Wir wurden eine Concert-Band ohne es zu merken.
DM: Was führte zum endgültigen Split?
JH: Nach einem Jahr mit Chris bekamen wir Zweifel ob er der richtige Mann für uns wäre, es war so als würde er das Interesse für die Band verlieren. Vor einer Schweden Tour rief er an, dass seine Stimme weg sei. Also suchten wir nach einem neuem Sänger. Auf halber Strecke kam Clem und sagte er hätte ein Angebot von Humple Pie, er sagte er würde 200 Pfund (ca. 1000 Euro) pro Woche und einen Bentley bekommen. Ich sagte: „ Mach es". Nun musste ich einen Gitarristen und einen Sänger finden. Ich rief die anderen zusammen und sagte: „Fellas, I've had enough."
DM: War kein Potenzial mehr da?
JH: Wir waren drei Jahre ständig auf Tour, 300 Tage im Jahr, oft haben wir über den Tag aufgenommen und abends gespielt. Wir haben 10 Jahre in drei gepackt. Wir waren ausgebrannt. Außerdem war alles gesagt. Nach „Live" hätten wir uns nur wiederholen können. Ich merkte auch schon dass sich etwas veränderte. Wir haben mit fünf Zuhörern angefangen und uns bis in die Royal Albert Hall gespielt, aber außerhalb Londons nahmen die Zuschauerzahlen ab. Es trat ein Wandel ein, die Leute wendeten sich von der Jazz orientierten Musik ab.
DM: Was für eine Geschichte steckt hinter „A Pirates Dream" von Dick Heckstall-Smith´ Solo Album „A story ended".
JH: Wir hatten das Stück in Proben aus verschiedenen Fragmenten zusammengesetzt. Wir haben es live bei unserem Abschiedskonzert in London gespielt. Dick war der Meinung es wäre das letzte Vermächtnis von Colosseum und müsse unbedingt aufgenommen werden. Daher nahm er es auf seine Solo Scheibe. „Upon Tomorrow" von Tempests ersten Album war ebenfalls ein Stück an dem wir vor der Trennung arbeiteten.
DM: Was war das Konzept deiner nächsten Band Tempest?
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Tempest Mark II
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JH: Es sollte sehr viel geradliniger sein als Colosseum, weniger jazzig. Aber weder mit Alan Holdsworth noch mit Ollie Halsall war es simpel genug. Außerdem fehlte der kommerzielle Erfolg obwohl ich die Band musikalisch sehr genossen habe.
DM: Es gibt BBC Aufnahmen mit Alan und Ollie, wie kam es dazu.
JH: Alan hatte mich informiert, dass er die Band verlasen wolle, aber er hatte den Radio Gig zugesagt. Nach diesem Gig verließen Alan und später auch Paul (Williams) die Band und wir machten wir als Trio weiter.
DM: Colosseum II hieß ursprünglich „Ghosts", wie kam es zu diesem Sinneswandel.
JH: Ich wurde von vielen Seiten bedrängt irgendetwas in Richtung Colosseum zu machen, lehnte aber immer ab. Irgendwann rief mich Gary Moore an wir sollten was zusammen machen.
Ursprünglich waren noch Graham Bell, Mark Clarke, and Duncan Mackay dabei, die später durch Mike Starrs, Neil Murray (bzw. John Mole) und Don Airey ersetzt wurden. Jedoch unter dem Namen „Ghosts" wollte uns niemand „kaufen". Ich hatte bereits 7000 Pfund (40.000 Euro) in das Projekt investiert und rief Gerry Bron an. Er lud uns ins Studio ein. Und sagte: „Great, I love it", aber ihr müsst euch COLOSSEUM-something nennen, sonst kann ich das nicht verkaufen. Ich rief also die Anderen und fragte ob es O.K. wäre, wenn ich den Namen benutze und sie waren einverstanden.
DM: Warum haben sowohl Tempest als auch Colosseum II nicht funktioniert?
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Colosseum II
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JH: Basically, wendeten sich die Leute in den 70ern der Pop Musik zu. Und dann kamen diese furchtbaren zehn Jahre die 80er das war echter Mist! Das war die einzige Zeit seit nach dem Krieg, dass die Musik bis auf wenige Ausnahmen schlecht war. Ich merkte das schon wie gesagt am Ende von Colosseum und ich hatte Recht, denn sowohl mit Tempest als auch mit Colosseum II hatten wir eine verdammt harte Zeit. Musikalisch sehr befriedigend aber kommerziell sehr schwierige Jahre, weil die Welt sich bewegt hatte, die Leute wollten damals diese Musik nicht mehr hören. Colosseum II hatte zudem das Problem, dass wir fürchterlich laut waren, alte Fans trugen Ohrenstöpsel, wobei wir den jungen, die eigentlich auf laute Musik stehen, zu kompliziert waren. Aber Gary wollte einfach nicht leiser drehen.
DM: War das der Grund warum du dich in eine ganz andere Richtung bewegt hast?
JH: Nicht nur, aber auch. Mein Musikgeschmack hatte sich über die Jahre ebenfalls geändert. Zunächst spielte ich in einem Trio mit Alan Holdsworth und Jack Bruce zusammen. Meine Vorstellung war mittellaute Rock-Jazz Musik mit der man die gut die 800 SitzplatzClubs, gerade in Deutschland hätten füllen können. Aber erzähl mal einer Plattenfirma du willst viel Geld für Instrumentalmusik und so kam das Projekt nicht zu Stande.
DM: Und dann kam Pat Metheny und machte genau das…
JH: Exactely. Die Band meiner Frau Barbara kam gerade in Fahrt und durch meine Kontakte endete es darin, dass ich die Organisation für die Band zunächst übernahm und schließlich selber einstieg, ein weiterer Vorteil war, dass ich mit meiner Familie zusammen sein konnte. Der Witz daran ist, dass wir mit dieser Band vor mehr Publikum über einen längeren Zeitraum gespielt haben als in jeder anderen Band in der ich war, einschließlich Colosseum.
DM: Wie kam es zu deinem Engagement im United Jazz und Rock Ensemble.
JH: Ich spielte in Wolfgang Dauners Band Et Cetera zusammen mit Larry Coryell, ich mochte es nicht sonderlich, denn die Band hatte einen zweiten Drummer und ich mag es nicht mit anderen Drummern zu spielen. Ich spielte mal in einer Session mit Ginger Baker und das war eine schreckliche Geschichte, denn Ginger hatte eine viel „steifere" Vorstellung von Timing als ich. Anyway, Wolfgang hatte die Idee der „Band der Bandleader". Wir spielten in den SDR Sendungen „Halb Elf" und „Goldener Sonntag", nahmen alle drei Monate Stücke für die Sendungen auf bis wir anfingen Konzerte zu geben, was ein großer Erfolg wurde.
DM: Du hast auch für Andrew Loydd Webber gearbeitet.
JH: Ja, Andrew hörte uns bei Aufnahmen mit Colosseum II und rief mich an, er könne so eine Band bei einem Projekt für seinen Bruder Julian gebrauchen. Ich fuhr zu ihm nach Hause und er erklärte mir das Konzept am Klavier. Ich ging also zu Gary (Moore) und sagte: „ Dieser Typ weiß wovon er spricht und wir sollten da mitmachen." Gary fand das ein wenig verrückt aber er machte bei dem Album Variations mit, nicht zuletzt weil dafür auch bezahlt wurde. Gary ging dann seinen eigenen Weg, ich blieb und arbeitete an „Cats ,Tell me on a Sunday, Starlight Express und Requiem" und spielte auch meistens die ersten Wochen der Show, bis das Leute übernahmen, die davon lebten!
DM: Kommen wir zu deinem Equipment, kannst du dich an dein erstes Schlagzeug erinnern.
JH: Das war eine gebrauchte Sammlung von Premier und Olympic Trommeln mit Zyn Becken, das muss 1958 gewesen sein. Als ich 1962 die Schule verließ, kaufte ich mir ein Premier Set in Aquamarine Pearl. Irgendwann 1964 kaufte ich dann ein Silver Sparkle Ludwig Set mit zwei Bass Drums und einigen Toms. Ich benutze die zwei Bass Drums um einen Grundton zu erzeugen und darüber mit den Händen verschiedene Pattern zu spielen. Zuerst hatte ich eine 22" sowie eine 20", merkte jedoch schon bald, dass die Idee nur funktioniert, wenn man sie als eine Trommel mit dem identischen Sound betrachtet, daher legte ich mir eine zweite 22" zu. Das Silver Sparkle Finish war übrigens leicht entflammbar und bei einem Gig hat eine Bass Drum Feuer gefangen. Ich spielte dieses Set bis zur Mitte von Colosseum, da dann nur mit zwei Hänge Toms, dann legte ich mir das Burgundy Sparkle Gretsch zu (was auf Fotos immer wie Braun aussieht).
DM: Ich hab mal gehört, du hättest Ginger Baker inspiriert zwei Bass Drums zu benutzen, stimmt das?
JH: Wer ihn dazu inspiriert hat weiß ich nicht, aber Tatsache ist, dass ich bei Graham Bond mit zwei Bass Drums vorspielte. Graham war recht verärgert, dass Ginger ihn verließ. Er rief ihn an, dass er einen neuen Drummer mit zwei Bass Drums hätte. Ginger ging sofort zu Drum City (Drumshop von Ivor Arbiter) und spielte noch am selben Abend mit einer zweiten Bass Drum.
DM: Du warst zu Colosseum Zeiten auch in Hayman Katalogen als Endorser präsent.
JH: Ivor Arbiter (Drum City, Importeur von Ludwig) hatte sich mit Bill Ludwig überworfen und beschloss nun mit einem Partner eigene Drums nach Ludwig Art zu bauen. Eben Hayman. Ein Mann in der Produktion hieß George Haymon, von dem liehen sie sich den Namen, zunächst hießen die Drums auch George Hayman. Ich war zu diesem Zeitpunkt mit Colosseum in Italien auf Tour. Wir sollten zu den Aufnahmen von Daughter of Time nach London fliegen. Da ich mein Set nicht mitnehmen konnte rief ich Ivor an ob er mir ein Set leihen könne. Er sagte er hätte diese wundervollen Hayman Drums im Programm und stellte mir ein Set nach meinen Vorgaben ins Studio. Nach einer Weile kam ein Fotograf ins Studio und machte eine Menge Fotos. Ich habe die Drums jedoch nie live benutzt, da ich die Trommeln wegen dem Sound nicht mochte, den sie nicht produzieren konnten, sie klangen recht trocken und leblos, was aber im Studio O.K. war.
Hayman war sehr aggressiv am Markt und gab fast jedem ein Set nur um sich am Markt zu etablieren (das gibt’s doch auch heute…). Irgendwann kamen sie in finanzielle Schwierigkeiten und ein Mann von der Bank kam in die Firma und verlangte nach der Buchhaltung. Man sagte ihm, dass man nicht so genau Buch geführt hätte sondern das Ziel hatten, die Trommeln etwa billiger als Ludwig anzubieten. Der Mann von der Bank sammelte dann die Zahlen und kam zum Schluss, dass jedes Set 50 Pfund (ca. 250 Euro) zu billig verkauft wurde.
DM: Fand das Gretsch O.K., dass Hayman mit dir warb?
JH: Ich hatte zu diesem Zeitpunkt kein Endorsement, da ich auch keine Verpflichtungen eingehen wollte. Mein erstes Endorsment war bei Tempest, da spielte ich ein Silver Sparkle Rogers auch mit zwei Toms. Ivor Arbiter vertrieb zu diesem Zeitpunkt Paiste mit denen ich eng zusammen arbeitete und auch Rogers, später baute er die Arbiter Autotune Drums mit Fiberglas Kessel, die ich bei Colosseum II und zu beginn von Barbara Thomson spielte. Auch Heute rechne ich sie zu den best klingenden Drums, die ich je gespielt habe. Ich mag auch die Idee der Concert Toms immer noch - jedenfalls fürs Studio.
DM: Was war dann der Nachteil?
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Arbiter "Autotune"
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JH: Sie wurden ohne Böckchen über eine zentrale Stimmschraube gestimmt. Was den Fellwechsel und die Stimmung extrem vereinfachte. Wir machte viele versuche damals mit einlagigen Fellen, was auch recht gut funktionierte. Als das Set dann in Serie ging, kamen gerade die doppellagigen Felle auf den Markt, die zu diesem Zeitpunkt nicht exakt genug gearbeitet waren, und da es ja auch keine Spannschrauben gab konnte man auch an der Stelle wo es Wellen gab nicht Nachstimmen. Arbiter hatte dann zwar eine Lösung aber CBS (die Muttergesellschaft) hatte bereits beschlossen die Linie sterben zu lassen leider. Ich spielte dann noch eine Zeitlang Rogers bis CBS auch die sterben ließ. Ich kaufte mir dann ein Pearl Set fürs Studio und fragte dann ob ich weitere Sets - ich habe immer drei Sets, eines fürs Studio und zwei für Live, eines in England und eines in Deutschland - günstiger bekommen könne, bekam ich sie sogar umsonst, obwohl ich gleich sagte ich wolle keine Clinics machen. Seit es funktionierende Double Pedale gibt spiele ich nur mit einer Bass Drum, da man zwei nie so hinbekommt, dass sie völlig identisch klingen. Bei Colosseum habe ich zwar immer noch eine zweite, jedoch nur um die Hi - Hat daran zu befestigen, ich spiele da auch mit Doppelpedal, aber bei Colosseum gehört die zweite Bass Drum einfach dazu.
DM: Du spielst schon lange Paiste Becken.
JH: Sei Mitte der 60er Jahre. Zuvor spielte ich Zildjian, das waren schöne Becken, aber als die Musik immer mehr verstärkt wurde, hörte ich sie nicht mehr. In Drum City hatten sie Paiste Becken und sie kamen mir viel lauter vor. Ich kaufte ein Crash und ein Ride und hörte sie viel besser, vor allem das Ride. 1974 entdeckte ich meine Zildjian wieder und nahm sie mit zu einem Gig. Nach zwei Songs musste ich sie wieder abhängen, weil ich keinen Ton hörte. Paiste Becken klingen im Laden oft nicht besonders, jedoch am Set mit einer Band sind sie einfach phänomenal.
DM: 1994 gab es dann die Reunion von Colosseum, (Premiere war das Freiburger Zelt Musik Festival), gab es davor schon Angebote?
JH: Ja, einige, aber die Zeit war da noch nicht reif dafür. Wir hatten auch nie das Gefühl, sonderlich erfolgreich gewesen zu sein. Wir hatten mit dieser Band unter dem Strich auch nie Geld verdient. Schlussendlich ging auch noch die Plattenfirma Pleite (Bronze Records). Erst als eine andere Firma die alten Rechte vermarktete floss plötzlich Geld, was ich an die anderen Mitglieder verteilte. So kamen wir wieder ins Gespräch. Ich fragte meinen Deutschen Agenten ob er glaube, dass es Bedarf für diese Band gäbe. Was dann ablief war dann völlig verrückt, denn nur als durchsickerte, dass wir über eine Reunion nachdächten stand das Telefon nicht mehr still.
DM: Wie hat sich das angefühlt, nach 27 Jahren wieder vereint?
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Colosseum mit Barbara Thompson und Dick Heckstall (†)
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JH: Es war wie nach einem kurzem „Lunchbreak", unglaublich, die anschließende Tour war wie ein Urlaub, an dem wir an jedem Abend vor 2500 Leuten spielen durften, die scharf auf unsere Musik waren. Und wir spielten besser als damals (der einzige Punkt wo ich Jon widerspreche: Sie spielen genauer, kontrollierter und mit weniger Alkohol im Blut aber nicht besser).
DM: Nach zwei ausgedehnten Tourneen sowie etlicher Festival Auftritte verstarb Dick Heckstall Smith Weihnachten 2004, deine Frau Barbara, die bereits in den 60ern ihren Teil (im Studio) zu Colloseum beisteuerte wurde vom temporären Platzhalter zum festen Mitglied. Wie fügt sie sich ein und welche Lücke hat Dick hinterlassen?
JH: Dick war ein raubeiniger Tenor Sax Spieler, getrieben von Dämonen, neidisch auf Gitarristen die bei ihren Phrasierungen nie Luft holen mussten und immer auf der Suche nach dem ultimativen Mundstück. Er spielte nie, was du von ihm erwartetest, was oft auf Kosten der Band ging. Aber zu seinen Besten Zeiten, einzigartig absolut unverkennbar und die beste Art von Musiker die es nur geben kann! Barbara spiegelt die Schönheit und die Magie dieser Band wieder jetzt hat die Band mehr Licht und auch mehr Schatten.
DM: Wie sieht die Zukunft aus?
JH: Momentan versuche ich alle Aufnahmen, die ich je gemacht habe zu digitalisieren.
Außerdem plane ich mit Barbara eine Studio und eine Live CD, mit Colosseum eine Live CD und nicht zuletzt: „Staying alive long enough to do it all over again!"
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