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Interview mit Bill Ludwig III
geführt und notiert von Herrn Vogelmann
Bill Ludwig der Dritte, 1955 geboren, ist der Enkel des Firmengründers Wilhelm Friedrich Ludwig, einem deutschen Auswanderer aus Nenderoth in Hessen, der 1909 zusammen mit seinem Bruder Theobald in einer alten Holzbaracke in Chicago die „Ludwig Drum Company" ins Leben rief.
Da der gute Wilhelm Friedrich ein braver Amerikaner werden wollte, nannte er sich alsbald William Frederick, und nach alter deutscher Unternehmertradition erhielt der erstgeborene Sohn, der dann den Familienbetrieb später übernehmen sollte, den selben Vornamen wie sein Vater. Noch Anfang der siebziger Jahre arbeiteten 3 Generationen Ludwig, Bill 1, Bill 2 und Bill 3 unter einem Dach im Familienbetrieb in der N. Damen Avenue in Chicago.
Allerdings hatten die drei Bills ihre Büros nicht mehr in einem alten Holzschuppen.
Ludwig war mit indirekter Hilfe von Herrn Starkey, besser bekannt als Ringo Starr zum größten Schlagzeughersteller der Welt gewachsen. Wer Ende der Sixties ein Mann sein wollte, musste auf ein Ludwigtrömmelchen draufklopfen und so nahm die Popularität der Marke mit immer mehr bekannten Endorsern stetig zu.
Und um genau diese Leute kümmerte sich unser Bill 3. Als er 1976 das College beendet hatte, wurde er zum Künstlerbetreuer und war gleichzeitig für die Werbung der Company zuständig. In dieser Zeit entstanden viele schöne Kataloge, Poster und Zeitungsanzeigen, die der Ludwigfan heutzutage schmerzlich vermisst, hat es doch die Firma seit Jahren nicht hinbekommen, einen vernünftigen Katalog zu drucken.
Diesen Job als Artist Relations- und Advertisement- Manager behielt Bill bis 1990, also auch nach dem Verkauf aus Familienbesitz an den Selmerkonzern. In dieser Zeit hatte er auch die unangenehme Aufgabe, die Ludwig-Endorser zu feuern, ein Schritt, den die Selmer- Verantwortlichen innerhalb von kürzester Zeit bitter bereuten, denn die Japaner schliefen nicht.
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Auf der Yacht vor Hawaii, mit Ginger Baker
und dessen etwas jüngeren Gefährtin |
Später versuchte er sich als Betreiber eines Liveclubs auf Hawaii, im Prinzip ein grossartiges Projekt, das leider nach nur eineinhalb Jahren, mit schweren finanziellen Verlusten, scheiterte. Der Club war beeindruckend eingerichtet, strotzte nur so von über Jahre gesammelter Ludwig-Memorabilia, Backline- und PA-System vom Feinsten und natürlich Ludwigdrums von 6 bis 40 Zoll in Silver Sparkle, so dass sich jeder Drummer, der im Club auftrat, sein persönliches Setup zusammenstellen konnte.
Bill´s Idee war gut, durch seine exquisiten Kontakte zur Künstlerszene bot er Bands, die auf Tour waren, „Urlaub gegen Gig" an. Mancher schwerarbeitende Rockstar, der inmitten einer anstrengenden US-Tour Bock auf ein paar Tage Relaxen auf Hawaii hatte, nahm das Angebot gerne wahr. So begab es sich, dass in Bill Ludwigs Club machmal Mitglieder von Santana und Journey mit Ginger Baker jammten, oder aber YES und Aerosmith spielten mit Steely Dan am selben Abend.
Leider endete das Ganze im bitterbösen Streit mit seinem damaligen Partner.
Heute ist Bill Ludwig der Dritte Herausgeber des „Not so modern drummer"- Magazins, einer Fachzeitschrift für Vintage Drums, die inzwischen auch in Deutschland erhältlich ist. (E-mail: nsmd-germany@trommelladen.de).
Wer sich von Bill seine Supraphonic signieren lassen will, oder einfach nur einen netten Plausch mit ihm halten möchte, sollte auf die Ludwigsburger Trommeltage kommen, die dieses Jahr vom 28. 30. September stattfinden. Er ist ein wirklich netter Kerl und sein Fundus an Geschichten ist natürlich nahezu unerschöpflich. Die Bilder, die ihr hier seht, hat Bill aus seinem Familienalbum herausgerissen, und nach Deutschland geschickt. Im September möchte er sie dann wiederhaben…
HV: Bill, wann hast du das erste Mal für die Firma gearbeitet?
BL: Als ich 9 Jahre alt war, fuhr ich immer am Samstag mit meinem Opa und meinem Vater ins Werk. Die beiden versuchten liegengebliebene Büroarbeit übers Wochenende zu erledigen. Mein erster „Job" war, mit einem riesigen Stempel „received" auf Berge von eingegangenen Briefsendungen zu drücken, ich kam mir unheimlich wichtig vor. Manchmal durfte ich auch die vorsintflutliche Telefonanlage bedienen, ich stöpselte Klinkenstecker hin- und her, um zum Beispiel die Kesselfertigung mit der Endmontageabteilung zu verbinden, stellte mir aber vor, ich wäre auf einem U-Boot, und stelle die Funkverbindung für zwei Geheimagenten her.
Später arbeitete ich immer in den Ferien in unseren verschiedenen Abteilungen, und manchmal auch bei den Zulieferfirmen, um den ganzen Betriebsablauf bis zur fertigen Trommel kennenzulernen. Als mein Dad Ringo eine vergoldete Snaredrum überreichte, weil er so viel für uns getan hatte, durfte ich nicht zur Pressekonferenz mit den Beatles mitkommen, ich musste um acht ins Bett. Meine Schwester Brooke, die schon 16 war konnte hin und ich war stinkesauer.
1967 war ich das erste Mal mit zur Messe in Frankfurt.
HV:
Habt ihr zuhause manchmal deutsch geredet?
BL: Nein, eigentlich nicht, mein Vater (Jahrgang 1916) fühlte sich als 100- prozentiger US- Bürger, aber mein Großvater fluchte gerne auf Deutsch. Besonders, wenn er sich über seinen Erzrivalen Bud Slingerland aufregte, und das tat er oft und gerne, brüllte mein Opa deutsche Schimpfworte durchs Haus. Während des 2. Weltkrieges war es natürlich nicht gerade förderlich fürs Geschäft, wenn man deutscher Abstammung war. Besonders in Chicago, wo sehr viele Polen lebten. Es flogen einige Pflastersteine durch die Scheiben unserer Trommelfabrik.
HV: Ihr habt früher eigentlich alles im eigenen Werk hergestellt ?
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Bill II und Bill III laden mit dem
Gabelstapler Material ab, 1965 |
BL: Aber es gab auch Zulieferer. Wir hatten Metallverarbeitung, aber viel Hardwarematerial wurde für uns gefertigt, wir besaßen auch keine eigene Galvanik, und keine Gießerei. Das besorgten zuverlässige Firmen in Chicago, nur zwei Blocks von uns entfernt. Als dann alles so groß wurde, arbeiteten wir mit verschiedenen Verchromereien zusammen, und die Probleme, die dann in den Siebzigern mit unseren Chromteilen anfingen, kennt ja jeder. Die Holzkessel wurden bei uns hergestellt, genauso wie die Acrylkessel für die „Vistalite"- Serie. Das war eine eigene Abteilung mit gigantischen „Pizzaöfen", um die Plastikplatten in Form zu bringen. Metallkessel für Snares und Pauken entstanden auch in Chicago, nur die „Stainless Steel" Edelstahlkessel wurden für uns angefertigt. Wir bekamen die Trommeln fertig mit Bearing Edge, nur die Löcher für Böckchen, Beine und Tomhalterungen wurden bei uns gemacht. Wir benötigten dazu speziell angefertigte Stanzmaschinen, da unsere Bohrwerke mit dem zähen Material nicht fertig wurden.
HV:
Wie bist du zu deinem Job als A&R- ,plus Advertisement- Manager gekommen?
BL: 1976 habe ich meinen College- Abschluss gemacht, ich war kaum fertig mit feiern, als ich Montagmorgen im Werk anzutreten hatte.Mein Vater schubste mich ein paar Treppen hoch, und sagte: „Bill, das ist dein Büro, hier ist dein Schreibtisch und dein Telefon, oben liegt eine Liste mit unseren Endorsern, viel Glück." Dann verschwand er, und ich dachte erstmal, das darf alles gar nicht wahr sein. Ich habe mich schnell eingearbeitet, ich hatte ja von Kindesbeinen an besondere Beziehungen zu unseren Künstlern, wie gesagt, es lief alles sehr familiär ab, wir hatten ja oft auch Besuch zu Hause, Joe Morello samstags, und am Sonntag Buddy Rich zum Mittagessen, der Umgang mit solchen Ausnahmemusikern war für mich nichts Besonderes. Da mein Vater ein sparsamer Mensch war, dachte er sich, das bisschen Endorser betreuen ist nicht so viel Arbeit, da kann der Junge sich nebenher noch um die Werbung kümmern, so hatte er zwei Manager zum Preis von einem.
HV:
Und Buddy Rich. Wie kamst du mit ihm zurecht?
BL: Mein Vater, Bill II, und Buddy lieferten sich regelrechte Kleinkriege, meinen Grossvater verehrte er. „Old Ludwig knew how to build a snaredrum", sagte er über Opa, aber mein Dad musste sich des öfteren übelste Beschimpfungen von Buddy anhören. Er wurde mit Vorliebe „Birdbrain" von Mister Rich genannt. Einmal musste ich 50 Paar Sticks wiegen und sortieren, sei sorgfältig, die sind für Buddy, wies mich mein Vater an, und ich tat mein Bestes. Dad brachte die Sticks persönlich zum Konzert, und Buddy warf, nachdem er zwei, drei Paar probiert hatte, das ganze Bündel meinem Vater an den Schädel. „Ludwig, deine Sticks sind Schrott, dein ganzes Equipment ist Schrott!". Wenn Buddy nicht auf der Bühne war, war er wirklich sehr nett und umgänglich, er explodierte halt gerne.
HV:
John Bonham?
BL: Ich habe Bonzo nur einige Male in Chicago getroffen, bei uns in der Fabrik. Er war immer sehr einfach zu bedienen, er nahm die Drums aus der Verpackung, schlug dreimal drauf und sagte: "Klasse Material, Bill, los, lass´uns ein Bier trinken gehen." In London, 79 oder 80, waren wir zum Essen verabredet, da erhielt ich einen Anruf von Rex King, seinem Assistenten, dass John nicht kommen würde. Ich war auch leider nie bei einem Konzert von Led Zeppelin.
HV:
Rex King war der Mann, der Bonham bei seinem allerletzten Saufgelage chauffierte…
BL: Stimmt, Mann….er hat später für Joey Kramer von Aerosmith gearbeitet. Ich war bei einem Gig, da brach der Strainer seiner Snare, ich wollte auf die Bühne, um dem Drumtech zu helfen, und in der Zeit, in der ich mich vom Mischpult zur Bühne bewegt hatte, war die Abhebung schon von Rex gewechselt worden, und die Trommel neu gestimmt. Rex King hatte wirklich eine Ahnung von dem was er tat. So einen Tech kann sich ein Drummer nur wünschen.
HV:
Du hattest ein gutes Verhältnis zu den meisten eurer Endorser, als die Firma dann verkauft wurde war es deine Aufgabe, alle zu feuern. Wie bist du damit umgegangen?
BL: Das war wirklich ein schwarzes Kapitel. In meinem Büro lag die Aufforderung vom Verantwortlichen bei Selmer, ich solle eine Schriftstück aufsetzen, das alle Vereinbarungen mit unseren Künstlern aufkündigt. Ich rief den Selmermann an, und sagte "aber doch nicht Onkel Joe (Morello), er kommt jeden Samstag zu uns zum Essen, wenn er in der Stadt ist, ausserdem ist er der Trauzeuge meiner Eltern", worauf dieser entgegnete: „wenn du nicht deinen Onkel Joe feuern kannst, bist du selber gefeuert!", und legte auf. Das ist mir sehr schwer gefallen, wie gesagt, es war bei vielen Drummern mehr als nur eine Geschäftsbeziehung. Binnen weniger Monate sind alle bei anderen, meist japanischen Firmen untergekommen, ich meine, wir hatten ja die Top-Leute damals.
HV:
Du hast auch Jeff Porcaro gefeuert, was meinst du, wie viele Porcaro-Racks und Signaturesets Ludwig verkauft hätte. Das hat ja dann Pearl erledigt.
BL: Da hast du Recht, es gab eine Fehlentscheidung nach der anderen. Die Krönung war, einige Monate nachdem ich alle hinausgeworfen hatte, wurde mein Vorgesetzter bei Selmer versetzt, und dann gekündigt. Sein Nachfolger rief bei mir an, und fragte, warum wir eigentlich keine Endorser für Ludwig hätten. Weil ich vor zwei Monaten alle gefeuert habe, entgegnete ich ihm, worauf er mich fragte, ob ich eigentlich noch ganz dicht sei, so könne man auf keinen Fall Werbung für ein Produkt machen. Die Japaner haben klug erkannt, wie wichtig berühmte User für die Marken sind, und sind da mit richtig viel Geld voll eingestiegen. Cozy Powell liebte unsere Drums. Er war stolz, zur Ludwig Endorserfamilie zu gehören. Als er mit Ritchie Blackmore´s Rainbow auf Japantournee war, belagerten ihn Vertreter der Schlagzeugmarke, die er bis zu seinem allzu frühen Tod spielte, und boten ihm einen Sack voll englischer Pfund an, wenn er wechseln würde. Eines abends sass er in der Hotellobby bei seinem Gin, und die fleißigen Japaner machten ihm neue Offerten. Cozy war Motorradfreak, und aus der Gin-Laune heraus sagte er zu den Leuten: „Wenn alle die bei der Tour mitmachen, jeder Roadie, Techniker und Musiker ein Bike geschenkt bekommen, und ich zwei, plus die Kohle, dann spiele ich Y….!" Einige Wochen später lud ein Sattelschlepper 35 Dirt Bikes, in Kisten verpackt, vor dem Büro des „Rainbow"- Managements in London ab.
HV:
91 oder 92 habe ich mit meiner Band Support für „Cozy Powells Hammer" gespielt, Cozy selig erzählte mir damals genau diese Geschichte, nachdem ich ihn nach einigen Bier zuviel als „Verräter" bezeichnet habe, nur hat mir 10 Jahre lang niemand geglaubt.
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Bill mit Carmine Appice,
auf der Frankfurter Messe 1979 |
BL: Aber es stimmt. Die Japaner sind damals wirklich offensiv in die Endorsergeschichte eingestiegen und es hat sich für die Companies ausgezahlt. Überleg´mal, ich musste Carmine Appice ´rauswerfen, einen loyaleren Ludwigbenutzer gab es nicht, er hat Bonham zu Ludwig gebracht, wirklich alles, was wir auf die Beine gestellt hatten, wurde in ein paar Wochen ausradiert.
HV:
War es jemals im Gespräch, dass du deinen Vater ablöst, und du Ludwig als Familienunternehmen weiterführst?
BL: Selbstverständlich, wie gesagt, die ganze Familie hing mit drin, und es war auch eine Entscheidung der Familie, dass wir verkaufen. Mein Vater wollte alles in USA produzieren, was aber schon damals aufgrund der hohen Kosten nicht mehr möglich war. Sieh dir an, was mit Rogers passiert ist, Rogers hat seine Billigserien damals von Yamaha bauen lassen, er gab ihnen Werkzeug und Know how, die Tomhalterung mit dem Sechskant von Yamaha ist eine verbesserte Kopie der Rogers „Swivomatic". Wir waren damals die größte Schlagzeugfirma der Welt, mit 1200 Beschäftigten, heute sind es gerade noch 50. In Fernost wurden immer bessere Produkte zu immer niedrigeren Preisen produziert, und die Brands wurden von Billig- zu Markenprodukten. Wir und später Selmer haben die Entwicklung bei Hardwareteilen und Ständern verschlafen und die gesamte Qualität wurde bei Ludwig in den 80ern definitiv schlechter. Was heute passiert ist wesentlich besser, mir gefallen die neuen Ludwigdrums, sie haben wieder fähige Leute und bauen gute Instrumente. Ich glaube, die Drums die unseren Namen tragen, sind wieder voll da! Sieh dir das neue Edelstahlset an, das ist doch grandios, und mutig, so was in Kleinserie zu bauen.
HV:
Dein Herz schlägt immer noch für die Firma?
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| Familienbild mit dem alten Freund Ringo, 2006 |
BL: Klar, es ist mein Leben, überleg mal, wie ich aufgewachsen bin, mit all´den berühmten Drummern, die bei uns zuhause privat ein und aus gingen, überall im Haus lagen irgendwelche Erfindungen oder Prototypen von meinem Großvater herum. Wir trommelten schon als Kinder, auch meine Schwester Brooke kann super spielen. Ringo Starr besucht uns, wenn er in Chicago ist, auch der Kontakt zu allen anderen Schlagzeugern ist nie abgerissen, es war wirklich wie eine große Familie.
HV:
Bill, wie geht es deinem Vater?
BL: Mein Vater erlitt einen Schlaganfall, er muss im Rollstuhl sitzen, ist aber mental noch voll da. Es ist natürlich schwer für ihn, er war sein Leben lang aktiv, ein Macher, immer aufgedreht. Jetzt will der Körper nicht mehr so richtig mitmachen, er ist 90 Jahre alt, aber besteht immer noch darauf, dass ich ihn mit seinem Rollstuhl zur Chicago Vintage Drum Show schiebe. Gerade lerne ich von ihm seine „History of Percussion Show", ein Workshop, in dem die Entwicklung des modernen Drumsets von Effektinstrumenten, die zur Untermalung von Stummfilmen benutzt wurden, bis zur Snaredrum wie wir sie heute kennen, eine lustige Geschichte mit „Horsetraps" und allerlei Schepper- und Rasselzeug. Dad war mit diesem Programm bis vor wenigen Jahren noch weltweit in Universitäten und Drumshops unterwegs. Er war mit seiner Historyshow auch bei Fentex, dem jetzigen Ludwigvertrieb in Holland, der Chef, Edwin Ka,s übersetzte für´s Publikum.
HV:
Dann können wir ja die History of Percussion Show im September in Ludwigsburg auf den Trommeltagen erleben? Ich übersetze liebend gern für dich.
BL: Well, wenn mein Vater es bis dahin für gut befindet, wie ich es mache. Er ist immer noch Perfektionist, möchte am liebsten alles selber machen. Auch bei meiner Zeitung, die glaube ich in seinem Sturkopf seine Zeitung ist, verbessert er immer herum, Bill, das ganze musst du so und so machen, los, wir machen das anders, der Artikel muss umgeschrieben werden, und so weiter.
Andererseits brauche ich oft sein messerscharfes Gedächtnis, Bill II kann sich an Dinge erinnern, die lange vor meiner Zeit passierten. Er kann nicht locker lassen, nicht umsonst wurde er von unseren Mitarbeitern immer „Chief" genannt. Letztes Jahr haben sie bei Ludwig eine limited Edition Snaredrum ihm zu Ehren gebaut. Sie besitzt einen Titankessel, und Dad´s
Konterfei ist auf einem gegossenen Keystonebadge abgebildet. Sehr schöne Trommel, das hat ihn gefreut. Sie heißt auch „The Chief".
HV:
Bill, du bist seit 2 Jahren der Herausgeber des „Not so modern drummer", wie kam es dazu, dass du die Zeitung von John Aldridge übernahmst?
BL: John „Black Beauty" Aldridge ist ein Snare-Maniac. Er ist einer der wenigen Meister, die Trommeln von Hand gravieren können. Er hat alleine die 100 Black Beauties für Ludwig graviert, baut eigene NSMD-Snares, John hat einfach unglaublich viel zu tun. Vor zwei Jahren bin ich dann eingestiegen, mich reizte die Aufgabe, eine Sache neu aufzubauen und irgendwie ist es ähnlich dem, was ich früher bei Ludwig machte. Meine guten Kontakte, und natürlich auch mein Name, helfen mir bei dieser Geschichte. Ich denke, jeder Topdrummer hat irgendwelche Vintagedrums im Keller, die Szene der Liebhaber solcher Teile wird immer größer, und um die alten Drums ranken sich tausende von Stories. Letzten Sommer versprach ich meiner Frau und meinen Töchtern, dass wir nach Disneyland fahren, schön gemütlich mit dem Auto. Sie waren begeistert, bis ich erklärte, dass wir unterwegs in ein paar Schlagzeugläden anhalten müssen. Wir waren 3 Wochen unterwegs, und klapperten sämtliche Drumshops die auf dem Weg lagen, ab. Viele waren vom Not so modern drummer angetan, ich erhielt viele Bestellungen. Ich fühlte mich in die Zeit Anfang der siebziger zurückversetzt, als man mich mit unseren Außendienstlern auf Tour schickte. Mein Grossvater sagte ihnen immer: „Don´t leave a shop without an order!". Und in Deutschland habt ihr das Blatt jetzt ja auch. Ich bin auf allen Messen und Vintage Shows in USA, aber möchte auch mehr in Europa machen. Letztes Jahr war ich mit Alan White, dem Drummer von YES, in Amsterdam und ich freue mich schon auf LUDWIGsburg, im September.
HV:
Spielst du heute noch Schlagzeug?
BL: Ja, ich übe immer noch, habe aber keine Band. Es ist immer ein kleines Set aufgebaut, ich kann nicht ohne trommeln. Als ich noch den Liveclub hatte, gab es die „Ludwig All Stars", wir haben dann immer als Opener für die Top acts gespielt. Das Ludwig-Drummer-Erbgut setzt sich fort: meine Tochter war keine 2 Jahre alt, als sie begann, Rhythmen mit Drumsticks auf allem zu klopfen, was ihr in die Quere kam, inklusive meines Schädels. Mal sehen, was aus ihr wird. Ich würde mir für mich in Zukunft wünschen, doch wieder mehr bei der Company involviert zu sein, als eine Art „Botschafter", wie mein Vater, Clinics und Workshops zu betreuen, und natürlich das Not so modern drummer-Magazin auf dem gleichen hohen Niveau weiterzuführen, wie es John Aldridge vor 15 Jahren begonnen hat.
HV:
Von welchem Hersteller ist dein kleines Übungsset im Keller?
BL: Rate mal, du Narr!?!?
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