Krabbenbaum?
Joe Crabtree, der neue Mann bei Wishbone Ash.


Original Drummer von Wishbone Ash war Steve Upton und er gehört zu der Reihe der völlig unterschätzten Drummern, zu denen Lee Kerslake von Uriah Heep oder auch Brian Downey von Thin Lizzy gehören. Seine leichten Grooves prägten den Sound der Band und seine Shuffles suchen noch Heute ihres Gleichen.

In den 90er Jahren übernahm dann Mike Sturgis den Drumpart, ebenfalls ein brillianter Drummer.

Seit ein paar Jahren schwingt nun Joe Crabtree sehr beeindruckend die Stöcke. Grund genug, ihm ein paar Fragen zu stellen.

DM: Wann und wie hast du mit den Drums angefangen?

JC: Ich begann im Alter von 11 Jahren, eigentlich hat sich wohl mein Bruder dafür interessiert, woran ich mich allerdings nicht mehr erinnern kann. Er hatte dieses Spielzeug, ein paar Plastik Sticks die durch Kabel mit einem Lautsprecher verbunden wurden. Die Stöcke hatten Sensoren und wenn du auf irgendetwas drauf gehauen hast, spielte es Drum Samples. Ich war nicht so beeindruckt vom Sound, aber ich liebte es auf Dinge zu schlagen. So baute ich ein Set aus Mülleimerdeckeln und Kissen und spielte zu „Heat" von Peter Gabriel. Vermutlich waren es auch Peter Gabriel Alben, die mich zu aller erst zum Spielen brachten – so viele coole Tom Grooves auf den frühen Alben,… „very tribal".
Zu Weihnachten wünschte ich mir ein Drumset, ich stellte klar, dass ich kein elektronisches wollte - zum Beispiel diese Dinger mit 8 Pads, die du auf die Knie legen konntest.

Ich wollte ein echtes Set haben und ich dachte nicht wirklich, dass ich eines bekommen würde, aber ich erinnere mich, wie ich das Set eine Woche vor Weihnachten im Gästezimmer unter einem Betttuch fand. Ich war so aufgeregt. An Weihnachten musste ich dann so tun als sei es eine Überraschung.

Ich bekam Unterricht bei einem Typen namens Harry Hindle. Er war Autodidakt. Ich tauchte eines Tages vor seiner Tür auf und seine erste Frage war: „Was ist deine Lieblings Band? Ich antwortete: „New Kids on the Block" und er seufzte. Er fragte mich ob ich auch die Beatles mochte, was ich tat und von da an kamen wir gut miteinander aus. Er wusste nicht viel über Technik und ließ mich eigentlich nur zu Beatles und Barry White Platten spielen. Ich danke ihm noch Heute dafür, weil hätte er mich an ein Practice Pad gesetzt und mich Paradiddle spielen lassen, hätte ich vermutlich die Flinte ins Korn geworfen. Er war sehr enthusiastisch und entzündete den Funken in mir, der nie mehr verschwand

Einmal kam ich zu früh zum Unterricht, er war noch beim Essen, so setzte er mich vor den Fernseher und schaltete Dave Weckl's „The Next Step" Video an. So etwas hatte ich noch nie gesehen und es klang für mich nicht einmal nach Schlagzeug. Ich war von da an fasziniert von Dave und ich schaute mir bevor ich zu Bett ging die DCI Videos an (Dave Weckl, Gregg Bissonette, Dennis Chambers, Omar Hakim) in der Hoffnung, ich könne das während des Schlafs einsaugen. Ich legte mehr wert auf die Solos und Songs als auf den Unterrichtsteil. Das war viel lässiger. Ich versuchte herauszufinden, was diese Typen taten und fand einen eigenen Weg es zu üben.

Später dann entdeckte ich Vinnie, (nachdem ich ihn auf dem Zildjians Day in New York gesehen hatte) und veränderte meine Technik grundlegend. Ich machte es völlig falsch aber es brachte mich schlussendlich dazu, darüber nachzudenken, auf welche Arten man einen Stick anfassen und seine Arme bewegen kann.
So begann ich mich für die Feinheiten der Technik zu interessieren, was ich immer noch tue.Neulich bekam ich Jojo Mayers DVD welche fantastisch ist. Ich hab so viele neue Sachen davon mitgenommen und ich weiß, dass wenn ich sie in 6 Monaten noch mal ansehe ich ne ganze Ladung an neuen Sachen entdecke die mir in der ersten Runde durch die Lappen gegangen sind.

DM: Erinnerst du dich an dein erstes Set?

JC: Es war ein rotes Kestrel Set mit Lazer Cymbals. Ich habe diese Marke seit dem nie mehr gesehen. Es war am Weihnachtsmorgen da und ich erinnere mich, dass als ich es aufbauen wollte, ich nicht wusste in welche Reihenfolge die Toms gehören - unvorstellbar, das gehört doch zum Natürlichsten der Welt, wie kann man so etwas nicht wissen.

Nachdem klar war, dass ich bei den Drums bleibe, ging mein Vater mit mir in einen Musikladen um neue Becken zu kaufen. Da sah ich ein paar schwarze 8" und 10" Premier Toms auf einem Ständer. Die bekam ich und stellte sie zu meinem Kestrel Set.
Sie hatten Pinstripe Felle drauf und klangen viel besser als der Rest. Der Unterschied war so deutlich, dass wir die nächste Woche zurück in den Laden gingen, um ein neues Kit zu kaufen. Wir gaben die Premier Toms zurück und kauften ein Ludwig Super Classic 80s Kit, das vom Drummer von Count Basie Orchestra benutzt wurde, als er in der Gegend spielte.
Es hatte die Größen 22" Kick, 10,12,13,16 Toms und ein paar Istanbul Cymbals -I was a „Lucky Boy"! Ein paar Jahre später kam noch ein 8" Tom dazu es war ein wundervolles Set, das ich spielte bis ich mit 15 anfing mit Bands zu spielen.

Ich spielte es auf zwei Gigs – zwischenzeitlich hatte ich es auf ein Rack montiert – danach war klar, dass es nicht geeignet war es rumzuschleppen. Es sah super aus, aber die Hardware war nicht gut und das Rack war unhandlich, außerdem wollte ich es nicht andauernd auf und ab bauen.
So kaufte ich ein grünes Yamaha Stage Custom für die Bühne. Ich benutzte es für den Rest der Schulzeit und während meiner Zeit auf der Universität.

DM: Wann strebtest du eine professionelle Karriere an?

JC: Im Jahr 2005 beendete ich die Uni - ich machte einen Abschluss in Physik, verbrachte aber die meiste Zeit mit spielen in Bands, ich wohnte bei meinen Eltern, arbeite in der IT Branche, unterrichtete und spielte an den Wochenenden, und fühlte dass mein Traum ein Profi Drummer zu werden immer weiter in die Ferne rückte. So sparte ich ein wenig Geld, gab meinen Job auf und zog nach London. Ich fand das Yamaha echt nicht mehr Pro genug für die Londoner Szene so kaufte ich ein Pearl Session Custom von einem Freund der gerade einen Drumshop eröffnet hatte. Ich hab dieses Set bis zur zweiten Wishbone Ash Tour benutzt.

Das erste was ich tat als ich in London ankam, war mir eine Tanzband zu suchen, damit ich meine Rechnungen bezahlen konnte. Ich begann mit Unterricht bei Bob Armstrong der Wunderwerke mit meiner Technik und meinem Spiel vollbrachte. Durch diese Erfahrung wurde mir erst klar wie wichtig es ist einen Lehrer zu haben, dem man vertraut. Videos bringen einen nur bis zu einem bestimmten Punkt und nicht weiter. Ich geh immer noch zu Bob für eine Stunde immer wenn ich in der Stadt bin.

Ich wollte es schaffen. Ich dachte mir ich müsse jetzt ein „Press Pack"
zusammenstellen, einen Agenten einstellen und einige Auditions spielen. Das schaffte
ich nicht wirklich, die meiste Zeit verbrachte ich damit auf „Drummer Wanted" Anzeigen
zu antworten und jede Gelegenheit für eine Audition zu nutzen. Die meisten Angebote
kamen von Bands, die in den Startlöchern steckten, sie suchten einen Schlagzeuger mit
Transporter und waren nicht wirklich viel versprechend. Ich traf eine Handvoll talentierter
Musiker in dieser Zeit, die dann zu ein paar Jobs hier und da führten.

Der Durchbruch für mich kam als ich folgende Anzeige sah: "Ex King Crimson Violinist
sucht Drummer". Immerhin hatte ich von dieser Band bereits gehört und es ging in
meine Richtung, ich war ein großer Fan von Prog-Rock und komplexer Musik. Ich rief an
und sprach mit dem Basser Mick, der mir erzählte, dass sie eine Band für einige Gigs in
Japan zusammenstellen würden. Es klang fantastisch also ging ich zur Audition. Mick,
David Cross von King Crimson und ich jammten eine Zeit lang und sie ließen mich
einen 13/16 Groove spielen, den sie auf eine Serviette notiert hatten. Meine Fähigkeit
Noten zu lesen ist nicht besonders gut aber es reichte den Rhythmus in meinen Kopf
zu bekommen. Ich weiß nicht wie viele Leute in die engere Auswahl kamen aber ich
bekam den Job. Ich probte mit der Band über 2 Jahre, wir spielten aber glaube ich nur 8 mal.

Man sagt: Es geht nicht darum was du kannst sondern wen du kennst. Mick der Basser war ein echt netter Typ und er mochte wie ich spielte. Er brachte mich zu der Band Jade, die noch aus den 70ern stammte. Sie machten einige Reunion Gigs und bei dieser Gelegenheit lernte ich James Litherland von Colloseum kennen, er mochte ebenfalls mein Spiel und machte ein wenig Werbung für mich.


Eines Tages bekam ich aus heiterem Himmel einen Anruf von jemanden, der eine Band um eine Sängerin zusammenstellte. Er hatte durch James von mir gehört, meine Website gecheckt und wollte mich.

Dies war der Gig mit dem ich offiziell professionell wurde. Ich wurde für Auftritte und Proben bezahlt und glaub mir da waren jede Menge Proben. Bald darauf kam ich zur Band Pendragon. Ich hatte nie von ihnen gehört aber sie boten mir eine Tour an und ich brauchte das Geld. Es war Prog-Rock, Ich lernte das Set in 3 Tagen und ging einen Monat mit ihnen auf Tour. Es war meine erste Tour- Erfahrung, wir waren mit dem Bus unterwegs und spielten in einem anderen europäischen Land jede Nacht.

DM: Wie hast du von dem Job bei Wishbone Ash erfahren?

JC: In der Zeit in der das Projekt mit der Sängerin endete und meinen Einstieg bei Pendragon war es recht ruhig und ich schaute mich nach Arbeit um. Ein Freund riet mir dazu, mich um eine Stelle der Academy of Contemporary Music zu bemühen. Ich setzte mich mit dem Studienleiter für Schlagzeug Mike Sturgis in Kontakt. Es dauerte sechs Monate bis etwas passierte aber ich unterrichtete dann tatsächlich eine Zeit dort. Mike ist ein Wahnsinns Typ und hatte definitiv mehr Vertrauen in mich als ich selber. Mike war bei Wishbone Ash Anfang der 90er Jahre. Als WA nach einem Drummer suchten war Mike der „First Call", er war aber als Lehrer zu beschäftigt und schickte mir ne SMS:
Willst du bei WA trommeln? Ehrlich gesagt ich hatte keinen Schimmer wer das ist - aber ich sagte Ja.

DM: Spieltest du eine Audition – wie lief die ab?

JC: Meine Audition bestand aus einem Telefongespräch mit Andy (Powell). Er lebt in Amerika und er wollte schon bald das neue Album aufnehmen. Er hat mich eigentlich nur auf meiner Website gesehen und Mike erzählte ihm, dass ich spielen könne, das reichte ihm aus. Er schickte mir Argus und Clan Destiny sowie eine DVD – er war eher besorgt mir könne die Musik nicht gefallen. Er meinte ich solle mal reinhören und mich dann wieder bei ihm melden. Die CD´s kamen an und sie klangen für mich OK, so rief ich Andy zurück und er arrangierte ein Treffen mit Bob (Skeat; dem Bassisten). Ich traf mich mit Bob in einer Kneipe, damit er checken konnte ob ich OK bin, dann kam er bei einer David Cross Band Probe vorbei, um zu sehen ob ich tatsächlich spielen könnte.

Ich scherzte mit den Jungs, dass wenn Bob käme ich so tun würde als könne ich überhaupt nicht spielen. Gerade als ich den holprigsten Groove mit „Out of Time Fills" spielte, stand Bob in der Tür. Dann spielten wir ein Instrumental Stück mit 13/16 und 21/16 Passagen, was vermutlich genauso disaströs klang wenn man daran nicht gewöhnt ist.

Ich traf Andy und Muddy (Mannien) zum ersten Mal als sie mich am Flughafen in Finnland zu den Aufnahmen zu „The Power of Eternity" abholten. Das fiel sicher unter die Kategorie jemanden ins kalte Wasser werfen. Es war das erste Mal, dass ich in den Entstehungsprozess eines Albums involviert war. Wir hatten 10 Tage in Finnland ein Album aufzunehmen, das so gut wie noch nicht vorhanden war, dazu mussten wir in der Mitte der Aufnahmen eine 13 Stunden Zugfahrt nach Moskau auf uns nehmen um einen Gig zu spielen.

Da wir ja im Studio waren um ein neues Album aufzunehmen konnten wir das Live Set nur ein einziges Mal durchspielen – das bedeutet, beim ersten Gig mit der Band habe ich das Material erst zum zweiten Mal überhaupt gespielt.
Es war heftig aber machte auch recht viel Spaß. Und wenn ich jetzt zurückdenke, gibt es kaum einen besseren Weg Leute kennen zu lernen als mit ihnen 26 Stunden in einem Zugabteil zu sitzen!

DM: Was steuerst du deiner Ansicht nach zur Musik von WA bei?

JC: Mein Ansatz das alte Material zu lernen war den Ablauf zu notieren, mich am
Grund-Groove und den essentiellen Fills zu orientieren. Das war meine Landkarte für die
Proben und auf den Gigs versuchte ich das Beste daraus zu machen. Ich bemühte das
grundsätzliche „feel" für den Song zu bewahren, aber meine persönliche Note einfließen
zu lassen. Ich wolle es etwas zeitgemäßer angehen, ich habe noch nie einen Song an
zwei Gigs gleich gespielt, ich experimentiere stets mit neuen Möglichkeiten den Sonng
zu spielen, sowie neuen Fills immer auf der Suche nach der perfekten Kombination.
Manchmal höre ich mir Aufnahmen eines Gigs an und denke mir einen Fill aus, der gut
passen würde. Diesen Fill schreibe ich dann auf und versuche ihn dann beim nächsten
Gig einzufügen. Wenn er gut funktioniert wird er Teil des Songs wie ich ihn spielen
möchte. Es ist schön Teile eines Songs zu haben die gut funktionieren, aber genauso
mag ich das Experimentieren und Improvisieren um das Ganze lebendig zu erhalten.

DM: Was machst du noch so neben WA?

JC: Momentan spiele ich mit keiner anderen band weil wir mit WA viel unterwegs sind. Ich habe kleine „Side Projects" am Start so nehme ich zum Beispiel Drum Tracks über das Internet auf und ich produziere „online Unterricht, den ich über Youtube auf meiner Website ins Netz stelle.

Dazu verwendete ich meine Freizeit im letzen Sommer und jetzt ist da mehr als zehn Stunden Unterrichtsmaterial. Ich versuche genauso in die Tiefe zu gehen wie bei einer realen Unterrichtseinheit.

Da gibt es auch ein paar einzele Musiker mit denen ich arbeite, einfach weil ich ihre Musik mag, was aber hauptsächlich im Studio abläuft.

DM: Diese und die letzte Tour spieltest du ein Set aus der eher günstigen Force Serie.
Welche Endorsements hast du?

JC: Einer meiner Kindheitsträume war es ein Endorsement zu bekommen. Ich studierte Stundenlang die Setups in den Katalogen der verschiedenen Hersteller.

In London traf ich auf einer Drumshow zufällig den Vertreter von Sonor. Ich hatte mich seit über einem Jahr nach einem Endorsement umgesehen und hatte nun endlich jemanden gefunden, der tatsächlich daran interessiert war mit mir zusammen zu arbeiten.

Ich habe Sonor Schlagzeuge immer geliebt – obwohl ich mit den Schlitzschrauben nie klar kam. Ich hatte gar nicht mitbekommen, dass sie seit längerer Zeit bereits auf das System des „Rest of the Drumming World" umgestellt hatten. Sie gaben mir einen guten Deal auf ein Delite Set fürs Studio und ein Force 3007 für Touring.

Es ist recht witzig die Sets zu vergleichen ...das Delite hat in jedem Fall die schönere und bessere Hardware, ein wundervolles Kit. Es ist das erste High End Kit, das ich mir gekauft habe und ich spiele nur im Studio damit um es nicht zu beschädigen. Das 3007 nehme ich mit auf Tour, aber ganz ehrlich klingt - es fast genauso wie das Delite. Unser Sound Engineer liebt es.

DM: Welche Becken benutzt du?

JC: Ich spiele Zildjan Cymbals. Die Istanbuls die ich davor benutzte waren auch OK
aber sie tendierten dazu zu brechen. Ich war immer zu Zildjian hingezogen, da alle eine
Lieblings Drummer Zildjian spielten. Mein momentanes Set Up ist fast identisch mit
dem von Vinnie, was soll ich sagen- der Mann hat Geschmack.

DM: Hast du Pläne für die Zukunft?

JC: Ich bin kein so großer Freund ausgiebiger Planung. Ich bin überzeugt, dass wir sowieso kaum einen direkten Einfluss darauf haben, was mit uns passiert. Bevor ich nach London zog, las ich irgendetwas darüber, dass man seine Ziele für die nächsten 5 Jahre aufschreiben sollte. Einige meiner Ziele waren genau definiert und hatten mit den Bands zu tun mit denen ich damals probte, und keines der Ziele kam auch nur annähernd dahin wohin ich es erwartet hätte. Aber zwei meiner Hauptziele war es:

Vom Schlagzeugspiel zu leben und mit einer Band um die Welt zu reisen. Diese beiden Ziele waren nicht genau definiert, aber wurden beide durch eine Verkettung unvorhersehbarer Umstände wahr.

Momentan liegt mein Focus darauf ein besserer Drummer und Mensch zu werden, alles andere wird von selber kommen. Ich werde mich weiter entwickeln, aber momentan bin ich sehr glücklich mit dieser Band zu spielen, von der ich vorher nie gehört hatte. Ich mag ihre Musik und noch wichtiger: Ich mag die Jungs in der Band!

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Was macht eigentlich…?
Sibi Siebert

Er begann seine Drummerkariere bei der Offenburger Krautrocklegende Jud´s Gallery, danach machte er Station bei Straight Shooter und Twelve Drummers Drumming. Später wechselte er das Fach und war jahrelang Produktmanager bei Simmons, spielte auf allen Messen dieser Welt und war mit ca. 800 Workshops der wohl meist beschäftigste Drummer in dieser Zeit.

Er übernahm Ende der 80er Jahre den Vertrieb und baute zwischendurch auch mal eigene Varianten von E-Drums - die Sib Drums. Seit einigen Jahren ist er zusammen mit seinem Partner Stefan Thomas Geschäftsführer der Firma Box of Trix GmbH, die unter Anderen mit Anatolian Becken und Taye Drums, viele neue Produkte mit großangelegten Kampagnen in Fachmagazinen bekannt gemacht hat.

Im Jahr 2000 wurde zufällig die Ähnlichkeit eines Songs von Jud´s Gallery mit dem Titel „Still got the blues" von Gary Moore entdeckt. Nachdem dieser eine außergerichtliche Einigung ablehnte, füllt der Vorgang einige Gerichtsakten. Die ganze Geschichte findet ihr unter www.juds-gallery.com.

Durch diesen Prozess kam sich die Band wieder näher und stand am 13. 01. 2007 wieder gemeinsam auf der Bühne der gut gefüllten Reithalle in Offenburg.



DM: Sibi, was für ein Gefühl ist das, nach so vielen Jahren wieder gemeinsam auf der Bühne zu stehen?

Sibi: Kurz gesagt – einfach unglaublich! So viele Fans auch junge, nicht nur alte Offenburger waren offensichtlich von unserem Gig sehr angetan. Ich glaube wir haben ganz gut „abgerockt"!

DM: War das eine einmalige Aktion oder plant ihr weitere Aktivitäten, wie eine neue CD oder Tourneen?

Sibi: Nun ja, Tourneen wird es glaube ich nicht geben, aber ich denke so 2-3 Gigs in der Region aufs Jahr verteilt sind machbar. Es ist aber tatsächlich eine neue CD in Planung. Das Rocklabel Long Hair, welches die alten Jud´s Gallery Aufnahmen vom SWF Radio, die 1973 und 1974 aufgenommen wurden, auf CD gebracht hat, möchte dringend neues Material mit der aktuellen Besetzung herausbringen. Wer weiß vielleicht gibt es ja auch einige Live-Mitschnitte. Übrigens ist die 1. Jud´s Gallery CD bereits absolut nicht mehr zu bekommen

DM: Erzähl mal bitte etwas über den Prozess mit Gary Moore

Sibi: Nun ja, da es sich um ein schwebendes Verfahren handelt kann ich da erst mal nicht viel darüber sagen. Fakt ist, dass beim Landgericht München seit einigen Jahren Beweise und Gutachten gesammelt werden, die belegen sollen, dass Gary Moores „Still Got The Blues" Ähnlichkeiten mit Jud´s Gallery´s „Nordrach" hat. Das Stück wurde von Judy Winter geschrieben und 1974 beim SWF in Baden Baden aufgenommen. Der SWF hat alles korrekt bei der GEMA angemeldet. Am besten informiert man sich auf der Jud´s Gallery Homepage, wie Du das schon in Deiner Einleitung geschrieben hast.

DM: Du hast gestern auf Taye Drums und Anatolian Cymbals gespielt, Anatolian hast du mit Box of Trix bereits erfolgreich am Deutschen Markt etabliert. Wie siehst du die Chance für Taye? Am Beispiel der Firma Mapex kann man doch sehen, dass es sich sehr schwierig gestaltet eine neue Marke einzuführen. Oder siehst du da grundsätzliche Unterschiede?

Sibi: Es gibt immer eine Chance für neue Produkte. Wir bei Box of Trix sind der Meinung dass sich ein hochwertig verarbeitetes, toll klingendes Instrument einfach irgendwann durchsetzt! Als Vertrieb sind dafür zuständig, dass die Schlagzeuger draußen darüber Bescheid wissen und in die Musikläden gehen um die Produkte zu testen. Dazu kommt, dass Taye in einem Preis angesiedelt ist, der sich sehen lassen kann – Hohe Qualität, hervorragender Sound zu realistischen Preisen!
Außerdem darf man eins nicht vergessen, Taye Drums werden von einem
der großartigsten Drum-Designer entwickelt – Ray Ayotte! Er ist ein sehr erfahrener Spezialist in Sachen Drums und hat in den letzten Jahrzehnten einige revolutionäre Ideen umgesetzt, die er mit Taye Drums fortführt.
Taye ist weltweit repräsentiert und wird sicherlich eine starke Marke werden.

DM: Du hattest auch zwei Sib Drums an deinem Setup. Wie siehst du als Spezialist für E-Drums die Situation in diesem Markt.

Sibi: Oh je, E-Drums !!! Roland hat alles im Griff salopp ausgedrückt.... Ich persönlich fände es schön, wenn mal wieder eine Innovation kommen würde, irgendwas wie ein Simmons SDX auf PC oder MAC Basis.... PS: Die Pads an meinem Taye Set sind ca. 11 Jahre alt und sind „Relikte" aus 1993.

DM: Kannst du dich an dein erstes Drumset erinnern.

Sibi: Ja! Die Bassdrum war eine Marschtrommel mit Schnüren und Kalbfell (der große Trommler bei der Stadtkapelle Harmonie Kehl-Sundheim, hat mich dafür gehasst, dass ich eine Fußmaschine da dran gebaut habe) Die Snare war eine uralte Sonor „Horror" Piccolo. Das Tollste war die Fußmaschine: Sonor aus den 40zigern oder so, mit einer Trittplatte von meinem Onkel aus VA-Stahl – nach 1 Stunde spielen bekam man dicke „Waden" –hatte den Vorteil, dass bei meiner nächsten Fußmaschine fast alles von alleine ging! Die Becken weiß ich nicht mehr, irgendwas mit einem „Stambul" Stempel.

DM: Was für Pläne hast du für die Zukunft?

Sibi: „Gsund bliewe!"
Ich bin jetzt knapp 53, habe riesigen Spaß mit meiner Vertriebsarbeit. Mit Stefan Thomas habe ich vor 7 Jahren einen kompetenten Partner gefunden der sich genauso in die Materie stürzt wie ich! Wir haben ein tolles Team, gute Produkte und Spaß an der Sache.

Man wird in der Zukunft noch viel von Box of Trix hören. Im Jahr 2007 habe ich Silberhochzeit. Mit meiner Frau bin ich seit meinem Umzug nach Leverkusen im Jahre 1977 zusammen. Meine Tochter, auf die ich total stolz bin, arbeitet auch bei uns in der Firma.

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Update: Di, 18. Mai 2010