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Interview mit CARL PALMER
geführt und notiert von Herrn Vogelmann
Carl ist eine Drum-Ikone. Seit über 40 Jahren ist der in Birmingham geborene Drummer von Top- Acts wie Emerson, Lake & Palmer, Chris Farlowe, Asia, Atomic Rooster und der Carl Palmer Band nimmermüde in der internationalen Drummerszene aktiv.
Mit 15 ging er nach London, um Profi zu werden. Er fiel immer wieder durch sein innovatives Spiel und Equipment auf. In den 70ern designte er sein eigenes Set aus Edelstahl, weil ihm Ludwig keines bauen wollte.
Er versuchte früh, elektronische Sounds in sein Setup zu integrieren und benutzte als Erster ein komplettes „Spirit of 2002" Schlagzeug, von Paiste in Zusammenarbeit mit Jeff Ocheltree aus wiedereingeschmolzenen Becken angefertigt.
Sein Terminkalender ist für 2007 schon wieder prall gefüllt, nachdem er letztes Jahr schon über 80 Konzerte mit seiner eigenen Band und zum 25-jährigen Jubiläum von „Asia" gespielt hat, geht es munter weiter, ab März Japan, Südamerika, im Juni sind Asia mit Foreigner in USA unterwegs. Im Juli gibt es einige Dates in Deutschland (Winterbach- und Loreley- Festivals). Anschliessend geht es nach Italien, Spanien und Bulgarien. Im August wieder Amerika, und im September besucht uns Carl für eine Clinic auf den Ludwigsburger Trommeltagen.
Im November tourt die Carl Palmer Band durch England, danach steht eine Weihnachtstour, wiederrum mit Asia an.
Ein vielbeschäftigter Mann, dabei könnte er es eigentlich lockerer angehen lassen, denn finanziell hat Carl sein Schäfchen im Trockenen. ELP, und auch Asia waren Millionenseller in den Siebzigern und Achtzigern, der clevere Herr Palmer hat noch genug Kohle übrig, er müsste eigentlich nicht mehr soviel spielen.
Genau das fasziniert mich an diesem Mann.
Carl hat einfach Spass am Schlagzeugspiel und schönen Trommeln, seit er vor einigen Jahren Probleme mit seinem linken Arm (Carpaltunnelsyndrom) hatte, und dachte, er könne nie wieder trommeln, übt er täglich wie ein Berserker und schafft sich neue Licks drauf. Er ist trotz des anhaltenden Erfolges bodenständig und eher bescheiden geblieben. Als ich ihn nach einem Workshop inklusive seiner äußerst attraktiven weiblichen Begleitung zum Essen ausführen sollte und mir Angst und Bange war, aufgrund der immensen Kosten, die die Grundnahrungsmittel eines Rockstars, wie Kaviar und Lachsschnittchen aus meiner schmalen Schatulle kratzen würden, fragte ich ihn, wo er denn gerne Essen gehen würde.
„Let´s go to the Weihnachts Market", antwortete Carl, „i want a Bockwurst, and A Glue-wine….!".
HV: Carl, alter Haudegen, bei einigen Drummern in Deutschland hält sich hartnäckig das Gerücht, dass du früher mal mit Cathy Rich, der Tochter von Buddy zusammen warst, und deswegen das Zeug so gut trommeln kannst, weil es dir der Alte direkt beigebracht hat. Stimmt das?
CP: Uff, das fängt ja gut an…nein, ich war nie mit ihr zusammen. Sie war 12, als ich sie das erste Mal getroffen habe, im „Dorchester"-Hotel in London. Buddy spielte, ich glaube im „Ronnie Scotts Club", und ich hatte irgendwie 'rausgefunden, dass er in diesem Hotel wohnte. Ich ging zur Rezeption, und sagte: „ Mein Name ist Carl Palmer, ich bin Drummer, ich möchte Mister Rich sprechen, er erwartet mich!". Den Gesichtsausdruck des stiernackigen Hotelangestellten werde ich nie vergessen, er fing gerade an, mich lautstark aus seiner Lobby hinauszubrüllen, als sich die Fahrstuhltüren öffneten, und Buddy und seine Familie vor uns standen. Er fragte, was hier vorgehe, und lud mich sofort zum Gig ein. Nach der Show durfte ich noch einige Zeit mit Familie Rich verbringen, es war großartig, ich war 15 Jahre alt, und durfte mit dem größten Schlagzeuger der Welt abhängen. Das war schon was für einen kleinen Jungen aus Birmingham….
HV: Der Stadt, in der immens gute Rockdrummer aufgewachsen sind. Cozy Powell, Bill Ward, John Bonham. Ihr wart alle drei schon in Teenagerjahren Profis und versuchtet, euer Geld mit Musik zu verdienen.
CP: Cozy, Bonzo und ich kannten uns gut, wir spielten zum Teil in den selben Bands, es gab ja später auch „Emerson, Lake & Powell". Aber lass´mich die Geschichte meiner Freundschaft mit Buddy Rich zu Ende erzählen, nicht dass mir da noch mehr Gerüchte aufkommen. Das nächste Mal traf ich ihn als ich 18 war, ich spielte mit „Crazy world of Arthur Brown" eine US-Tournee, und Buddy erinnerte sich an mich. Wir telefonierten ab und zu, und hielten losen Kontakt. 1974 oder 75 besuchte er ein ELP Konzert im Madison Square Garden. Samstags darauf spielte er in der „Johnny Carson Show", und Carson fragte ihn, welche anderen Drummer Buddy gut finden würde, und er sagte „Carl Palmer". Da hab´ich mich vielleicht gefühlt…
HV: Wie ich damals, als du zu mir gesagt hast: „Marcel, you´ve got an awful technique, but you sound a bit like ole Johnny (Bonham)!" Da war ich mächtig stolz.
CP: Hab´ich das gesagt? Ich muss betrunken gewesen sein. 1985 spielte das Buddy Rich Orchestra im „Ronnie Scott´s". Meister Rich erkannte mich im Publikum, er fragte von der Bühne: „Do you wanna play, Carl?" , und ich spielte ein Stück („Swarnee") auf seinem alten Slingerland-Kit. (Gibt es zu hören auf der CD: „Carl Palmer Anthology", Sanctuary Records).
HV: Du stehst auf Vintage drums, auf deiner Clinictour bei uns 2002 sagtest du, dass du die Schnauze voll hast von Drum-Endorsements, du würdest mit der Musik immer 2000 Pfund verdienen, um dir ein vernünftiges Set kaufen zu können.
Auf der USA Tour mit der Carl Palmer Band und jetzt bei Asia benutzt du ein blaues Ludwig „Vistalite"- Acrylschlagzeug, auf deren Homepage bist du als Ludwig-user aufgeführt, wie kam es dazu?
CP: Well, das ist mehr ein „Handshake Agreement", ich habe keinerlei Verpflichtungen.
Ludwig baute mir das Doublebass- Set mit zwei 22er Bassdrums, 10 und 12er Toms, 14 und 16er Standtoms sowie ein kleiners Jazzkit, in 20-12-14. Ich habe viel Spass damit. Anfang der siebziger hatte ich schon mal ein Vistalite. Mein „Paiste"-Set ist Zuhause in London, es ist verdammt schwer und schlecht zu transportieren. Die Snaredrum benutze ich eigentlich immer. Ich habe noch ein Roundbadge Gretsch, in Tangerine Sparkle und eines von vier je gebauten „Gladstone"- Schlagzeugen. Wenn Alles klappt, spiele ich die Europa Dates mit „Asia" mit den Paiste-Drums. Mein „Brady" aus Australien nehme ich auch sehr gerne. Ich spiele Remofelle, meistens Emperor und Ambassador clear, entdecke aber gerade wieder die CS Black dots für mich. Seit über 30 Jahren bin ich bei Paiste, deshalb haben sie auch das „Spirit of 2002" für mich gemacht. A-Pedals, in der „Longboard"- Ausführung sind meine Favoriten.
HV: 2003 habe ich dich in New York gesehen, auf einer Clinic, die du gemeinsam mit Danny Carey von Tool spieltest. Es war großartig, die beiden einzigen kompletten Paistekits auf einer Bühne zu sehen. Dein Set klang akkustisch besser als das von Danny. Nach der Show fragte ich Ocheltree, warum das so ist, und er ging gleich an die Decke: „Der verrückte Engländer wollte seine Kessel dünner haben, ich musste alle noch mal in eine gigantische Drehmaschine einspannen, und ausdrehen!" Deine Paistekessel sind also anders, als die von Danny?
CP: Ich kann mich genau erinnern, du saßt direkt vor der Bühne, und hast dir einen Eimer Bier nach dem anderen bringen lassen. Soviel Bier saufen ist nicht gut für dein Gewicht und es macht dich langsamer, als du jetzt schon bist….
Meine Shells sind einen Viertel Zoll dick. Das gleiche Problem hatte ich ja schon ein Mal, Mitte der 70er, als ich das Edelstahlset für ELP konstruierte. Der Preis für 1/8 oder 1/16 Zoll Material war gleich, also schrie ich gleich, los, wir nehmen das fettere Blech. Meine Bassdrum war 28 x 20, sie hatte vier Griffe, man musste sie zu zweit schleppen. (Die Story von Carl´s „selbstgebautem" Schlagzeug könnt ihr hier im drummermagazin nachlesen). Im Alter nimmt die Weisheit zu. Mir gefällt der Sound von Metallkesseln, das neue Ludwig Stainless Steel ist klasse aber zu groß für mich. Ich frage Ron Dunnett mal, ob er für Ludwig kleinere Kessel machen kann, vielleicht tut er´s.
HV: Wo befindet sich dein legendäres ELP Set heute? Ringo Starr hat es dir damals abgekauft, hat er es je gespielt?
CP: Es steht heute in der Hall of Fame in Cleveland, Ringo hat es nie gespielt, es lag ewig in seinem Landhaus ´rum. Ringo wohnt heute selbstverständlich in LA.
HV: Warum selbstverständlich?
CP: Weil Los Angeles die einzige Stadt der Welt ist, in der alle 5 Minuten irgendwo Treffen der anonymen Alkoholiker stattfinden. Alkohol hat viele gute Leute geschafft, damals. Jason Bonham hatte früher einen ganzen Kasten Lagerbier auf seinem Drumriser stehen, der nach dem Gig leer war. Heute trinkt er keinen Tropfen mehr.
HV: Carl, du schreibst ein Buch über dein Leben als Musiker, wann können wir mit der Veröffentlichung rechnen?
CP: Ich arbeite jede freie Minute daran, es wird eine Art Autobiographie, markante Stationen aus meinem Leben als Drummer. Wie ich als Teenager nach London zog, um Profi zu werden, die ersten Recordingsessions, der erste Nummer Eins Hit, das erste mal Madison Square Garden…usw. Natürlich mit vielen Anekdoten über Freunde und Mitmusiker, ich denke, es wird ganz nett, aber ich brauche noch ein wenig Zeit. Ich freue mich dass es dieses Jahr wieder soviel Arbeit für mich gibt, aber nun beenden wir das Gespräch, ich gehe jetzt üben….
Carl´s homepage: www.carlpalmer.com
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